Vogelfütterung im Winter


Bild Vogelfütterung im Winter

Etwa 20 Mill. Euro geben die Deutschen jährlich für die Winterfütterung ihrer gefiederten Freunde aus, denn am winterlichen Futterhaus bietet sich die einmalige Gelegenheit einheimische Vögel und nordische Wintergäste aus der Nähe zu beobachten.


Kaum ein Thema ist allerdings wissenschaftlich so umstritten, wie die Vogelfütterung. Galt bisher: Nur während langer Frostperioden und bei geschlossener Schneedecke zu füttern, so gibt es nun Langzeitstudien aus Großbritannien, die positive Bestandstrends (z. B. beim Stieglitz) bei ganzjähriger Fütterung feststellten. So erscheint es zumindest über die Winterperiode sinnvoll, dort zu füttern, wo Vögel aufgrund der wirtschaftlichen Tätigkeit des Menschen weniger natürliche Nahrung finden. Das trifft für Siedlungen und landwirtschaftlich intensiv genutzte Gegenden zu. Hat man aber erst einmal mit Füttern begonnen, dann müssen sich die Vögel auch auf das menschliche Nahrungsangebot verlassen können. Denn bei Extremwetterlagen geht viel lebensnotwendige Energie bei der Futtersuche verloren, besonders wenn das gewohnte Futter fehlt. Gefüttert werden sollte deshalb auch früh morgens und kurz vor der Abenddämmerung, um den Energieverlust während der kalten Nächte auszugleichen. Es sollten nur solche Fütterungseinrichtungen anschafft werden (z. B. Boden- und Hängesilos), in denen der Vogelkot das Futter nicht verunreinigen kann. Der Futterplatz sollte regen- und windgeschützt sein und den Vögeln einen guten Überblick ermöglichen. Um Infektionen zu vermeiden, sind mehrere Futterstellen anzubieten und die Futterplätze sind regelmäßig vom Kot zu reinigen. Außer in den Automaten ist täglich nur so viel zu füttern, wie die Vögel auch fressen.

Als Futter ungeeignet sind Brot- und Backwaren, die im Vogelmagen aufquellen und Salze sowie Konservierungsstoffe enthalten. Das gilt auch für andere salzhaltige Nahrung. Generell ist nur qualitativ einwandfreies, trockenes Futter anzubieten. Fauliges und schimmeliges Futter darf nicht verfüttert werden. Den Vögeln ist das Futter dort anzubieten, wo sie auch ihre natürlich Nahrung suchen.

Ernährungstyp/Vogelfamilie Ort der Futteraufnahme Futter
Körnerfresser: Ammern, Finken, Sperlinge, Meisen hängend an Stängeln/Ästen, vom Boden, Nusssäckchen, Meisenknödel/-ringe, Futterautomaten ölhaltige Körner (Sonnenblu-menkerne), Hanfsamen, Haferflocken, gehackte ungesalzene Erdnüsse
Weichfutterfresser (Insekten und Obst): Drosseln, Star, Zaunkönig, Rotkehlchen, Braunellen, Seidenschwänze vom Boden, an Bäumen (nicht geerntetes Obst) geschnittenes Obst (Äpfel, Birnen), Haferflocken, ungeschwefelte Rosinen, Beeren
Spechte, Kleiber, Häher Baumrinde/Vertiefungen, hängender Blumentopf mit Talg/Körnern, Nusssäckchen Kokosfett, Rinder- und Schweinetalg, ölhaltige Körner, Nüsse


Am ehesten unterstützt man allerdings die Vögel, wenn ihre Lebensräume so erhalten werden, dass sie auch im Winter genügend Nahrung finden. Dazu zählt der Schutz von einheimischen Sträuchern (Hagebutten, Schneeball, Pfaffenhütchen, Hartriegel), Obstbäumen und Ebereschen. Aber auch artenreiche Wiesen, Brachen und Wegränder, deren Stauden und Gräser, die erst im Frühjahr zurückgeschnitten werden, bieten den Vögeln ein reiches Nahrungsangebot. Zum Vogelschutz zählt auch, dass nicht alles Laub beräumt wird.

© Dirk Schäffer (12 / 2010)