Zwergdrossel (Catharus ustulatus Nuttal 1840)

Zwergdrossel (Catharus ustulatus Nuttal 1840)


engl.: Swainson's Thrush / Olive-backed Thrush / Oregon Trush

Die Zwergdrossel (Catharus ustulatus) ist in Europa ein seltener Ausnahmegast.

Beobachtungen in Deutschland sollten deshalb der Deutschen Seltenheitskommission mitgeteilt werden.

Systematische Einordnung


Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Familie: Drosseln (Turdidae)
Gattung: Musendrosseln (Catharus)

Vorkommen


Zwergdrosseln besiedeln ein sehr großes Verbreitungsgebiet. Bekannt sind sieben Unterarten, die außer in Nordamerika auch in Mittel- und Südamerika vorkommen.

Zwergdrosseln sind in der gesamten Taigazone Nordamerikas, bis in die gemäßigten Bergnadelwälder des Kaskaden- und Felsengebirges sowie bis nach Zentralkanada anzutreffen.

Biotop


In Nordamerika werden Nadelwälder als Brutgebiet bevorzugt. Aber auch Sumpfwälder und wasserreiche Gebiete dienen als Brutgebiete. Dort leben die Zwergdrosseln scheu und zurückgezogen im Unterwuchs. Das Verhalten der bodengebundenen Art erinnert dabei sehr an unser Rotkehlchen (Erithacus rubecula).

Wanderungen


Zwergdrosseln sind Langstreckenzieher, deren Überwinterungsgebiet sich - je nach Unterart - von der Golfküste der USA und Mexikos, bis Bolivien, Peru, NW-Argentinien, Paraguay und Süd-Brasilien erstreckt.

Während des Zuges werden feuchte Waldländer aller Art (besonders Sumpfwälder) und feuchte Stellen im Savannenwald sowie im Trockenbusch aufgesucht.

Merkmale


Die Zwergdrossel ist eine kleine, 16 bis 19 cm große, 25 bis 45 g schwere, hochbeinige und großäugige Drossel. Sie ist nur wenig größer als die Nachtigall (Luscinia megarhynchos) und ähnlich wie die Singdrossel (Turdus philomelos) gemustert.

Beide Geschlechter sind gleich gekennzeichnet. Die Flecken auf der weißen Unterseite sind jedoch kleiner und treten nur auf der Brust und auf der Kehle auf. Auffällig sind ein schmaler dunkler Kinnstreif sowie ein deutlicher und heller rostgelblicher Augenring. Die Iris ist schwarzbraun. Der Oberschnabel ist braunschwarz, der Unterschnabel gelblich- bis fleischrosa mit hornfarbener Spitze. Die Halsseiten, die Kehle und die Vorderbrust sind etwas lebhafter rostgelblich. Die Flanken sind grau getönt. Kopfseiten und Zügel sind dagegen beige getönt. Die Oberseite ist oliv graubraun gefärbt. Die Flügelunterseiten weisen eine charakteristische helle Binde auf, die im Freiland allerdings selten auffällt. Die Füße sind hell graurosa mit gelben Sohlen.

Verwechslungsgefahr besteht mit der ähnlichen Grauwangendrossel Catharus minimus (diese aber mit grauweißen Wangen), die ebenfalls in Nordamerika vorkommt.

Stimme: Meist nachts ist der Zugruf zu hören - ein helles „kwüi“, oder auch „quiip“. Oft sind auch hoch pfeifende Rufe, wie „ziit“ bzw. „whi“ zu hören.

Nahrung


Im Frühjahr und im Sommer werden Insekten bei der Flugjagd im Luftraum und bei der Jagd in der Kronen- und Strauchschicht erbeutet. Vor allem sind dies Baumwanzen, Buckelzirpen, Zikaden, Mücken, Schnaken, Käfer, Wildbienen und Wespen sowie Tausendfüßler und andere Kleintiere. Hauptsächlich findet die Nahrungssuche aber am Boden statt, wo Schnecken, Würmer und am Boden lebende Insekten (z. B. Ameisen) gefangen werden.

Im Herbst und im Winter werden vor allem Beeren und Früchte der verschiedensten Pflanzenformen gefressen.

Brutbiologie


Das Nest wird in 0,6 bis 2 m (selten bis 7 m) Höhe in jungen Fichten und Laubbäumen am Rand von Dickungen angelegt. Stellenweise werden auch Sträucher als Neststandort ausgewählt. Ebenso sind einige Nester am Erdboden zu finden.

Als Nestmaterial verwendet das Weibchen feine Fichten- und Lärchenzweige, Baumrinde, Stängel und Grashalme sowie Laubmoose. Gern wird eine Schicht aus bereits verrotteten Blättern, Würzelchen oder vermodertem Holz eingezogen. Ausgekleidet wird das Nest mit Bartflechten und Farnwurzeln.

Die drei bis vier (selten fünf) Eier sind von hell grünlichblauer Grundfarbe und sind m. o. w. gleichmäßig stark mit kleineren oder auch größeren gelb-, nuss- und auch zimtbraunen Flecken besprenkelt. Einige Eier können aber auch ungesprenkelt sein. Gebrütet wird 11 bis 12 Tage lang. Die Jungen werden 10 bis 14 Tage lang im Nest gefüttert.

Es findet nur eine Jahresbrut statt.

Bestand


Die Zwergdrossel ist eine häufige Vogelart, die noch nicht gefährdet ist.

© Dirk Schäffer (03 / 2008)