Zilpzalp / Weidenlaubsänger (Phylloscopus collybita, VIEILLOT 1817)

engl.: Chiffchaff

Abb. 1: Zilp Zalp (Phylloscopus collybita).


Zilpzalp, ein seltsamer Name für einen V ogel, der eigentlich auch den Namen W eidenlaubsänger trägt. Den Namen Zilpzalp erhielt der Singvogel aufgrund seines unverwechselbaren und markant monotonen Gesanges, der sich wiederholend anhört wie „zilp-zalp-zilp-zalp ...“. Mittlerweile kann man den Gesang des Zilpzalp auch überall in den Großstädten hören, wo immer auch eine Baumgruppe mit dichtem Buschwerk vorhanden ist.
Wie alle Laubsänger ist auch der Zilpzalp ein kleiner und unscheinbarer Vogel, der sich eher durch den charakteristischen Gesang, als am Aussehen von anderen Laubsängern – vor allem dem Fitis (Phylloscopus trochilus) unterscheiden lässt.


Systematische Einordnung

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Familie: Grasmücken / Zweigsänger (Sylviidae)
Gattung: Laubsänger (Phylloscopus)


Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet des Zilpzalp ist sehr ausgedehnt und man findet den Vogel vom Atlantik bis zum Fernen Osten, in Südostsibirien und bis nach Vorderasien. Dabei stellen die Gebirge in Nordanatolien, der NW-Himalaja, der Hindukusch und der Pamir die Grenze dar. Im Westen bilden die Vorkommen der Britischen Inseln, der Iberischen Halbinsel und der Kanaren die Grenze. Die nördlichste Grenze wird in Fennoskandien - etwa am Polarkreis -erreicht. Inselartige Vorkommen gibt es in den Bergen der Krim, in Algerien und Tunesien sowie auf Lanzarote.


Biotop

In Mitteleuropa ist der Zilpzalp der ökologisch vielseitigste Laubsänger. Während der Brutzeit trifft man den Zilpzalp in einer Vielzahl von Biotopen an, die ihm gute Deckung geben, aber nicht immer ein geschlossenes Kronendach aufweisen müssen. Bevorzugt werden lichte Laubwälder und Feldgehölze, aber auch Misch- und Nadelwälder werden besiedelt. Auch auf Friedhöfen, in Parks, baum- und buschbestandenen Ödländern, in Vorstadtgärten und Wohngebieten ist dieser Laubsänger zu finden, wenn er dort genug hohe Bäume und dichtes Unterholz vorfindet. Im europäischen Hochgebirge findet man den Zilpzalp bis in Höhen von 1.500 m. Vereinzelt wurde er aber in Höhen bis zu 2.000 m und höher nachgewiesen.


Wanderungen

Nach der Mauser im August / September ziehen die meisten Vögel nach Süden. Die west- und mitteleuropäischen Populationen ziehen nach Südwesten. Brutvögel aus Nord- und Osteuropa ziehen nach Südosten. Die britischen Weidenlaubsänger fliegen nach Süden.

Der größte Teil der europäischen Zilpzalpe überwintert bereits am Mittelmeer und in Nordafrika, in den Oasen der Sahara.
Der Rest zieht in die Savannen südlich der Sahara. Dabei werden sowohl Akazienbaumgruppen als auch Weidendickichte und Mangrovenwälder als Aufenthaltsorte ausgewählt.
Die Vögel aus den östlichen Breiten überwintern auf der Arabischen Halbinsel, im Iran, im Irak, einige sogar in Indien, Afghanistan und anderen Teilen Südasiens.


Merkmale

Daher und aufgrund der Verwechslungsgefahr, wird bei der Beschreibung zwischen dem Zilpzalp und dem Fitis verglichen (s. Tabelle 1).

Tab. 1: Aussehen und Merkmale.

Merkmale Weidenlaubsänger/Zilpzalp Fitis/Fitislaubsänger
Größe/Gewicht 7 – 10 g 8 – 9,6 g; geringfügig größer, aber schlanker und langflügeliger als Zilpzalp
Kopf Oberkopf oliv braun Oberkopf olivgrün bis -braun
Überaugenstreif blassgelb/ bräunlich getönt, verwaschen und wenig über dem Auge nach hinten reichend weißlich bis blassgelb, aber deutlicher als Zilpzalp
Iris dunkelbraun dunkelbraun
Wangen / Kehle schmutzig weiß / braunweißlich mit m. o. w. deutlicher blass zitronengelber Längsstreifung weißlichgrau bis weißlichgelb
Schnabel braunschwarz; Basis Unterschnabel gelbbräunlich Oberschnabel braun; Unterschnabel gelblich und mit dunklerer Spitze
Rücken / Nacken oliv braun olivgrün bis -braun; grünlicher und heller als Zilpzalp
Flügel Oberflügel dunkelbraun mit olivgrünlichen Außenkanten der Steuer- und Schwungfedern Länge: 5,2 bis 6,7 cm Unterflügeldecken zitronengelb Oberflügeldecken dunkelbraun mit breiten olivgrünen bis oliv braunen Rändern Flügellänge: ♂ 6,5 bis 7,3 cm ♀ 6,1 bis 6,7 cm Unterflügeldecken zitronengelb
Flügelformel 2. Handschwinge deutlich länger als Zilpzalp
Brust schmutzig weiß / braunweißlich mit m. o. w. deutlicher blass zitronengelber Längsstreifung weißlichgrau bis weißlichgelb, stellenweise lebhaft hellgelb
Bauch / Flanken schmutzig weiß / braunweißlich; Bauchmitte weißer; mit m. o. w. deutlicher blass zitronengelber Längsstreifung weißlichgrau bis weißlichgelb, stellenweise lebhaft hellgelb
Beine mittel bis dunkelbraun bzw. schwarzbraun; Zehenunterseite gelblich; Krallen schwarz hell- bis mittelbraun und deutlich heller als Zilpzalp Manchmal auch dunkelbraun! Zehenunterseite schmutzig bis leuchtend gelb oder orange
Bürzel gelblich(grün) getönt
Schwanz Unterschwanzdecken mehr gelb dunkelbraun; Unterschwanzdecken weiß mit schwach hellgelbem Saum


Zwischen Männchen und Weibchen gibt es keine Unterschiede in der Gefiederkennzeichnung. Im Brutgefieder kann man sie allerdings an der gemessenen Flügellänge unterscheiden.
Durch Abnutzung wird das Gefieder im Sommer oberseits brauner bzw. grau und unterseits weißer.
Die ältesten Ringvögel erreichten ein Alter von bis zu 8 Jahren.


Stimme

Aufnahme: Gesang des Zilp Zalp, aufgenommen am 01.05.2012 in Wettin, © Karsten Rönsch

Monotoner Zilp-Zalp-Gesang, der von einem Zweig oder einer Baumspitze vorgetragen wird. Am Gesang kann man den Zilpzalp deutlich vom Fitis unterscheiden.
Die Gesangsphase endet mit der Mauser Ende Juli / Anfang August. Danach beginnt bis zum Wegzug eine weniger auffällige Herbstgesangsphase.


Nahrung

Für den Zilpzalp bilden Bäume die Grundlage für den Beutefang. Er fängt dort überwiegend kleinere Insekten, die er an Bäumen oder darunter im Unterholz bzw. in den Büschen findet. Dazu fliegt der Zilpzalp flink von Baum zu Baum und hüpft von einem Ast zum nächsten. Seine Aktivität verrät dabei das ständige Auf- und Niederwippen des Schwanzes. Unentwegt untersucht er Blätter und Zweige nach Insekteneiern, kleinen Raupen, Larven, Zuckmücken, Fliegen, Spinnen, Schnaken, Asseln, Kleinlibellen, -faltern und Blattläusen.
Im Herbst stellen auch die Beeren der Sträucher (z. B. Hartriegel und Holunder) einen wesentlichen Nahrungsbestandteil dar.
Während des Zuges werden auch die Uferbereiche der Gewässer zur Nahrungssuche genutzt. Der Insektenfang findet dabei von Halmen und Zweigen der Ufervegetation aus statt, wobei die Beute von der Wasseroberfläche, oder von Schwimmpflanzen aufgepickt wird.
Die im Süden Großbritanniens überwinternden Vögel scheinen sich fast ausschließlich von Blattläusen zu ernähren. Da die Nahrung dort in den Wintermonaten knapp ist, wird auch am Boden sowie in den Zweigen niedriger Büsche nach Insekten gesucht.
Im Frühjahr dienen auch Nektar und Pollen als Nahrung.


Brutbiologie

Die Männchen kehren ab Mitte März - meistens nachts und etwa 14 Tage vor den Weibchen - zu den Brutplätzen zurück. Jedes von ihnen besetzt ein Brutrevier und verteidigt dessen Grenzen mit Gesang und wenn nötig, auch aggressiv gegen andere Männchen.
Sobald die Weibchen eintreffen, gehen die Männchen auf Partnerinnensuche. Dabei kommt es auch zu kurzen Balzflügen, die mit verlangsamtem Flügelschlag ausgeführt werden. Nach der Paarung tritt das Männchen während des Nestbaus und der Jungenaufzucht weniger in Erscheinung.
Gut verborgen im Unterholz an Falllaub, in der Krautschicht oder an Gebüschen wird das Nest in 0,10 bis 0,40 m Höhe errichtet. Als Neststandorte dienen Brombeeren, Brennnesseln, Reisighaufen, Jungfichten, -tannen und in Gärten bzw. auf Friedhöfen vor allem Thuja, Eibe, Buchsbaum, Weinranken sowie Efeu. Hochnester in > 1 m Höhe werden nur bei fehlender Bodenvegetation errichtet.
Das Weibchen baut das Nest Ende Mai / Anfang Juni allein aus Halmen, Bastfasern, Wurzeln, Blättern und Moos und legt es dick mit Federn (z. B. 196 Einzelfedern in einem Nest), Tierhaaren, Pappelwolle aber auch Bindfäden aus. Das kugelförmige, sehr gut getarnte Nest wird aufgrund seines Äußeren „Backofennest“ genannt und hat einen schmalen Seiteneingang. Der Bau dauert vier bis sechs (zwölf) Tage und dafür sind 1.200 bis 1.500 Transportflüge notwendig. Täglich legt das Weibchen eines der bis zu sieben Eier. Die Eier sind von weißlicher Grundfarbe, mit dunkelpurpurbraunen bis schwarzen Pünktchen und Fleckchen.

Das Weibchen brütet allein und verläßt das Gelege nur kurzzeitig zur Nahrungssuche. Bei der Rückkehr von der Futtersuche lässt es sich immer etwas oberhalb des Nestes nieder. Es schlüpft dann durch die Blätter nach unten, um den Neststandort geheimzuhalten.
Die Jungvögel schlüpfen nach 14 bis 15 Tagen, wiegen 1,05 bis 1,1 Gramm und werden anfangs nur vom Weibchen gefüttert.
Später (7. bis 8. Tag) beteiligt sich auch das Männchen an der Fütterung der Jungen. Diese nehmen täglich ca. ein Gramm an Körpergewicht zu. Dafür sind rund 200 Nestanflüge der Altvögel mit Futter notwendig.
Nach etwa drei Wochen werden die Jungvögel dann flügge und fliegen selbständig auf Nahrungssuche.
Das Gelege der Zweitbrut besteht in der Regel aus drei bis fünf Eiern. Das Nest und andere Ersatznester werden in der Nähe des ersten Nestes errichtet.


Bestand

Der Zilpzalp ist einer unserer häufigsten Singvögel und er kommt häufiger als der Fitis vor. In den letzten etwa 200 Jahren hat die Art ihr Verbreitungsgebiet in Europa deutlich in Richtung Norden und Nordwesten vorgeschoben. Diese Entwicklung ist eine Folge menschlicher Aktivitäten, die eine weiträumige Trockenlegung der Moore zur Folge hat und dafür durch Aufforstung neue Wälder entstehen lässt.
Der Bestand ist nicht gefährdet.

© Dirk Schäffer (11/2009)