Wilsondrossel (Catharus fuscescens Stephens 1817)

engl.: Veery (Willow/Wilson’s Trush)

Die amerikanische Wilsondrossel (Catharus fuscescens) ist ein seltener Ausnahmegast in Europa.

Ein auf Helgoland gesammeltes Exemplar ist verschollen und konnte nie überprüft werden.

Beobachtungen sollten deshalb der Deutschen Seltenheitskommission mitgeteilt werden.


Systematische Einordnung

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Familie: Drosseln (Turdidae)
Gattung: Musendrosseln (Catharus)


Vorkommen

Die Hauptschwerpunkte des Vorkommens liegen in der mittleren bis nördlichen USA und im südlichen Kanada.


Biotop

Wilsondrosseln sind vor allem im Unterholz von feuchten Laub- und Mischwäldern, seltener in Nadelwäldern anzutreffen. Bevorzugt werden Laubmischwälder (z. B. Pappelwälder), die von üppigen Farn-, Strauch- und Krautbeständen durchbrochen sind. Dazu zählen auch sumpfige Senken und Standorte in der Nähe von Flüssen (Weiden- und Erlenufer).


Wanderungen

Die Wilsondrossel ist ein Zugvogel und Langstreckenzieher, dessen Überwinterungsgebiet in Mittel- und Südamerika liegt. Einzelne Drosseln dringen dann bis Zentralbrasilien vor.

Anhand des Wiederfundes einer beringten Wilsondrossel konnte eine zurückgelegte Strecke von 1.650 km ermittelt werden, die der Vogel in zwei Wochen zurückgelegt hatte.

Als Irrgast wurde die Wilsondrossel bisher in England und Schweden nachgewiesen.


Merkmale

Die Wilsondrossel ist eine kleine, 17 cm große, gedrungene Drossel, die wie eine Nachtigall (Luscinia megarhynchos) oder ein Sprosser (Luscinia luscinia) wirkt, mit denen sie auch verwechselt werden kann.

Beide Geschlechter sind gleich gekennzeichnet. Auffällig ist ein dunkler Kinnstreif. Die Wangen sind von bräunlichweißer Farbe und um die Augen ist ein nicht sehr ausgeprägter Ring erkennbar. Der Schnabel ist hornfarben und der Unterschnabel hat eine helle Basis.

Die Oberseite des Gefieders und der Schwanz sind einheitlich rötlich braun gefärbt. Die Unterseite hingegen ist weißlich gezeichnet. Die Flanken wirken verwaschen grau oliv. Die Brust ist undeutlich und diffus gefleckt. Kehle und Vorderbrust sind hingegen von warm rostgelber Farbe.

Die Unterflügeldecken sind von grauweißer Farbe.

Die Beine sind fleischfarben bis blassrosa gefärbt.


Stimme

Der Gesang ist eine eindrückliche Klangspirale und hört sich wie „dä-wie-ür wie-ür wier wier“ an. Er wird gern in geringer Höhe und von einem geschützten Standort vorgetragen.

Der typische Ruf ist ein pfeifendes, oft langgezogenes „viiu“.

Ihren englischen Namen „Veery“ erhielt die Wilsondrossel aufgrund ihres „V-er“-Rufes.

Der älteste Ringvogel erreichte ein Alter von 9 Jahren und 11 Monaten.


Nahrung

Die Ernährungsweise der Wilsondrossel ist weniger gut untersucht, als die anderer nordamerikanischer Drosselarten. Bekannt ist, dass neben Raupen und anderen Insektenlarven auch Libellen und Tagfalter erbeutet werden. Vor allem wird am Boden nach Nahrung gesucht, wobei drosseltypisch Blätter gewendet werden, um darunter verborgene Beutetiere zu entdecken.

Es wird aber auch vegetarische Kost aufgenommen. So werden Erdbeeren und die Beeren von verschiedenen Gehölzen (z. B. Amerikanische Kirsche) gefressen.


Brutbiologie

Das Nest wird von der Wilsondrossel meist in niedriger Höhe gebaut. Entweder steht es direkt am Boden unter Wurzeln, im Geäst und in Büschen oder auf bzw. in Baumstümpfen.

Die einfarbig grünlichblauen Eier sind manchmal mit einer feinen braunen Punkt- und Fleckenzeichnung versehen. Das Gelege umfasst drei bis fünf und am häufigsten vier Eier. Es wird 11 bis 12 Tage lang bebrütet.

Die Jungen werden ca. 10 Tage lang im Nest gefüttert.


Bestand

Die Wilsondrossel ist eine häufige Drosselart, die noch nicht gefährdet ist.

© Dirk Schäffer (07/2009)