Weißrückenspecht (Dendrocopos leucotos Bechstein, 1803)

Weißrückenspecht (Dendrocopos leucotos Bechstein, 1803)


engl.: White-backed Woodpecker

Der seltene Weißrückenspecht (Dendrocopos leucotos) ist die größte schwarz-weiß gefärbte Spechtart Mitteleuropas und kommt in Deutschland nur in Bayern vor. Er ist größer und stämmiger als der häufige und bekannte Buntspecht (Dendrocopos major).

Systematische Einordnung


Ordnung: Spechtvögel (Piciformes)
Familie: Spechte (Picidae)
Unterfamilie: Echte Spechte (Picinae)
Gattung: Buntspechte (Dendrocopos Koch)

Vorkommen


Der Weißrückenspecht kommt in Deutschland nur in den bayerischen Alpen und im Nationalpark Bayerischer Wald vor. Weitere kleine Vorkommen finden sich in den Ostalpen in Österreich, Italien und Slowenien. Daran schließen sich Vorkommen in den Karpaten und Beskiden an. Besiedelt werden außerdem die Pyrenäen und Mittelskandinavien.

In den Pyrenäen und Abruzzen gibt es inselartige Vorkommen. Auf der Balkan-Halbinsel, im Südapennin und in Südostanatolien kommt die Unterart Dendrocopos l. lilfordi vor.

Von Osteuropa an beginnend erstreckt sich in Asien in der südlichen Taiga ein geschlossenes Verbreitungsgebiet des Weißrückenspechts bis nach Sachalin, Kamtschatka und Japan.

Biotop


Der Weißrückenspecht ist eine Charakterart des alten, strukturreichen und urwüchsigen Bergmischwaldes. Er bevorzugt naturnahe Laub- und Laubmischwälder mit hohem Altholzanteil und vielen absterbenden Bäumen in allen Zerfallsstadien. Allerdings müssen neben noch stehenden toten Bäumen auch liegende und bereits vermodernde vorhanden sein. Vor allem Windbrüche, Waldränder und ausgedehnte Lichtungen entsprechen diesen Anforderungen.

Die Alpen werden in Höhen von 500 bis 1.500 m besiedelt. In den österreichischen Alpen werden von einzelnen Brutpaaren allerdings Höhen von bis zu 1.700 m über NN erreicht.

Wanderungen


Der Weißrückenspecht ist ein Stand- und Strichvogel, der außerhalb seines Verbreitungsgebietes nur selten angetroffen wird.

Merkmale


Der Weißrückenspecht ist mit 27 cm Körpergröße etwas größer als ein Buntspecht. Im Gegensatz zu den anderen buntspechtähnlich gefärbten Spechtarten sind Rücken und Schultern schwarz. Die schwarze Oberseite ist weiß quer gestreift. Der Bürzel ist weiß gefärbt. Das Männchen hat einen leuchtend roten Scheitel und sieht damit dem Mittelspecht (Dendrocopos medius) ähnlich, der allerdings in anderen Biotopen anzutreffen ist. Der Scheitel des Weibchens ist schwarz. Die roten Unterschwanzdecken gehen allmählich in die weiße Unterseite über, die auffällig schwarzgestreift ist.

Junge Spechte ähneln den Altvögeln, weisen aber nur wenig Rot im Gefieder auf.

Stimme


Auffällig sind laute und hell klingende Rufreihen, die sich wie „kjirk kjik ...“ anhören. Zudem sind einzelne Rufe zu hören, die an den Buntspecht (Dendrocopos major) erinnern und wie „güg“ bzw. „kjük“ klingen.

Beide Geschlechter verständigen sich durch Trommeln, das durch schnelle Schnabelschläge auf einen Resonanzkörper (vornehmlich trockene Äste) entsteht. Die Frequenz der einzelnen Trommelwirbel beträgt 30 bis 40 Schläge in 1,7 Sekunden.

Nahrung


Die Nahrungssuche findet vor allem an kranken bzw. abgestorbenen Ästen oder Stämmen statt, um die Fressgänge von holzbewohnenden Insekten sowie deren Larven und Puppen zu finden. Besonders ergiebige Nahrungsquellen werden immer wieder aufgesucht und dabei vollständig zerlegt.

Hauptsächlich werden die Larven und Puppen holzbewohnender Käferarten (vor allem von Bock- und Prachtkäfern) von der Oberfläche abgesammelt oder mit dem Schnabel aus dem Holz heraus gemeißelt. Beliebt sind auch die Raupen des Weidenbohrers.

Im Sommer und im Herbst werden auch Beeren, kleine Früchte und Nüsse gefressen.

Brutbiologie


Für die Anlage der Bruthöhle bevorzugt der Weißrückenspecht kernfaule Laubbäume und insbesondere Buchen. Aufgrund dieser speziellen Ansprüche an seinen Lebensraum hat ein Brutpaar mit ca. 100 bis 250 ha einen sehr großen Aktionsradius.

Die Bruthöhlen sind bis zu 40 cm tief. Nistmaterial wird nicht eingetragen. Von Mitte April bis Anfang Mai legt das Weibchen drei bis fünf weiße Eier, die von beiden Altvögeln 13 bis 16 Tage lang bebrütet werden. Zwischen 25 und 32 Tagen verbleiben die Jungen in der Bruthöhle und werden dort von den Eltern gefüttert. Nach dem Ausfliegen verlassen die jungen Spechte recht schnell das Brutrevier der Eltern.

Bestand


Der Weißrückenspecht wird in der bayerischen Roten Liste als stark gefährdet eingestuft und ist die am stärksten gefährdetste Spechtart Europas. In Deutschland brüten ca. 100 Brutpaare und die Art steht aufgrund ihres kleinen und regional beschränkten Vorkommens ebenfalls auf der Roten Liste. In Österreich gibt es ca. 200 Brutpaare.

In Finnland kam der Weißrückenspecht früher im gesamten Land vor und ist nunmehr auf wenige Gebiete beschränkt. Er dient daher Umweltorganisationen als Symbol, um somit auf die Waldvernichtung, von der auch der Specht betroffen ist, aufmerksam zu machen.

Wie alle anderen Spechtarten hat auch der Weißrückenspecht Probleme, geeignete Bäume zur Anlage von Bruthöhlen in den wenigen noch vorhandenen Berglaubwäldern zu finden.

Ausgedehnte Laub- und Laubmischwälder, in denen geeignete Höhlenbäume erhalten werden sowie ein entsprechendes Angebot an Totholz (z. B. in Wind- und Schneebruchflächen), sind daher eine Grundvoraussetzung für den Schutz des Weißrückenspechts.

© Dirk Schäffer (03/2011)