Uhu (Bubo bubo LINNAEUS 1758) - Vogel des Jahres 2005

Uhu (Bubo bubo LINNAEUS 1758) - Vogel des Jahres 2005


engl.: Eagle Owl

Bild Uhu (Bubo bubo) Burg Falkenstein

Foto: K. Rönsch, Falknershow Burg Falkenstein 2008

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Der Uhu (Bubo bubo) ist die größte der europäischen Eulen und damit auch die größte einheimische Eule. Bei der Namensgebung orientierte sich der Volksmund hauptsächlich an der ? im Vergleich zu den anderen Eulen ? enormen Größe und an seinen weithin hörbaren charakteristischen Rufen, die sich wie ein tiefes ?buh? (?buuu?) ?hooo? bzw. ?uhu? anhören können (bubulo = bu bu rufen). In der ältesten deutschen Überlieferung heißt er ?huwo? und im Märchen vom Zaunkönig wird er ?Auff? genannt.
Wie bei allen Eulen nährten die nächtliche Lebensweise, der geradezu lautlose Flug, die lauten, stellenweise unheimlichen Rufe und der starre Blick der orangeroten Augen den menschlichen Aberglauben, der seit dem Mittelalter zu einer gnadenlosen Verfolgung des Uhu führte. Zusammen mit der Zerstörung der Lebensräume und der intensiven Landbewirtschaftung und Bebauung wurde der Uhu in Deutschland fast ausgerottet.
Aufgrund seiner Größe kann man den Uhu schon als ?König der Nacht? bezeichnen. Mit der Wahl zum Vogel des Jahres 2005 soll der Uhu stellvertretend für die anderen bekannten und eher unbekannten Bewohner auf den Lebensraum ?Felslandschaft? aufmerksam machen. Ein weiterer bekannter Bewohner der Felslandschaft ist der Wanderfalke (Falco peregrinus), der 1971 zum Vogel des Jahres gewählt wurde und dessen Junge auch zur Beute des Uhus zählen. Der Uhu ist aber auch ein Beispiel für die erfolgreiche Wiederansiedlung eines in Deutschland nahezu ausgestorbenen Brutvogels, der heute wieder fast bundesweit vorkommt.

Systematische Einordnung


Ordnung: Eulen (Strigiformes)
Familie: Eulen (Strigidae)
Gattung: Bubo DUMERIL 1806

Vorkommen


Die Gattung Bubo ist weltweit verbreitet. Die Systematik der Arten ist allerdings umstritten, wobei in Europa unbestritten nur eine Art vorkommt. In Afrika werden 6 bis 9 Arten, in Asien 3 bis 9 Arten und in Nord- und Südamerika nur ein bis zwei Arten beschrieben. Der Uhu ist in Nordafrika und Eurasien ostwärts bis an den Pazifik und südwärts bis Indien und Südchina heimisch. Diese enorm weite Verbreitung hat dazu geführt, dass sich der Uhu an die extremsten Lebensräume angepasst hat. So ist er in der Tundra, in den Steppen, Wüsten und Hochländern sowie in Urwäldern zu finden. Aus diesem riesigen Verbreitungsgebiet ergibt sich eine Vielzahl von Unterarten, deren genaue Abgrenzung nicht eindeutig geklärt ist.
Die in Mitteleuropa heimische Nominatform war bis zum 19. Jahrhundert auch in ganz Deutschland verbreitet. Rücksichtslose Jagd und Lebensraumzerstörung führten dann allerdings fast bis zur Ausrottung. Mithilfe von gezielten Auswilderungsprogrammen und strengem Schutz der Horste gelang es, den Uhu vor allem in den Alpen und Mittelgebirgen wieder anzusiedeln. Mittlerweile besiedelt die Großeule wieder sein ursprüngliches Verbreitungsgebiet, allerdings in geringerer Dichte.

Biotop


Der Uhu bevorzugt als Lebensraum reich strukturierte Landschaften, in denen sich Waldflächen, offenes Gelände und Gewässer abwechseln. Besonders werden große und zusammenhängende felsige sowie schluchtenreiche Waldgebiete bevorzugt. Er ist jedoch auch in Ortsnähe und offenen Landschaften - vor allem Steinbrüchen - anzutreffen.

Wanderungen


Der Uhu ist in Deutschland Standvogel.

Merkmale


Der Uhu ist unser größter einheimischer Eulenvogel. Die Männchen werden 1,9 bis 2,5 kg und die größeren Weibchen 2,5 bis 3,0 (4,0) kg schwer. Uhus erreichen eine Körpergröße von 0,61 bis 0,65 m bei Männchen bzw. bis 0,75 m (Weibchen) und eine Flügelspannweite von 1,60 m bis zu 1,80 m. Das Uhugefieder ist ocker bis rostbraun gefärbt und mit dunklen Längsstreifen durchzogen. Auf der helleren Bauchseite zeichnen sich feine Querbänder ab. Die Beine des Uhu werden ?Ständer? genannt, sind bis zu den Zehen befiedert und mit stark gekrümmten und sehr scharfen Krallen versehen. Charakteristisch sind am Uhu der dicke Kopf mit den langen Federohren und den großen orangeroten Augen. Der überaus kräftige Schnabel besteht aus Horn und wird von Tastborsten umsäumt. Die Federohren dienen vor allem dazu, die Tarnwirkung des Gefieders zu unterstützen. Um Feinden zu entgehen, nimmt der Uhu dann eine sehr langgestreckte Körperhaltung mit eng anliegendem Gefieder ein, die durch die hoch aufgestellten Federohren verstärkt wird.
Die nach vorn gerichteten starren Augen verhelfen dem Uhu dazu, sich auch in der Dämmerung und Dunkelheit zu orientieren. Die Beweglichkeit des Kopfes mit bis zu 270 Grad schafft ein hervorragendes Gesichtsfeld und gleicht die fehlende Beweglichkeit der Augen aus. Die Augen werden sowohl durch eine Nickhaut als auch durch obere und untere Lider vor Verletzungen geschützt. Auch am Tage, bei den unterschiedlichsten Lichtverhältnissen, kann der Uhu sehr gut sehen. Das Gehör ist für den Nachtjäger Uhu das wichtigste Sinnesorgan. Damit kann von der Großeule nicht nur die Richtung, sondern auch die Entfernung der leisesten Geräusche wahr genommen werden. ür die Unterstützung des Hörens dienen auch die Federn im Gesichtsbereich. Diese beweglichen Federn schirmen den Gehöreingang seitlich vom Auge ab, aber so, dass der Schall durchdringen kann. Zusammen mit unbeweglichen Saumfederchen an der Ohraußenöffnung kann jede Beute zielgenau angepeilt werden.

Das Flugbild des Uhus ist bussardähnlich, zeichnet sich jedoch durch den großen Kopf, die langen Flügel und den gerade geschnittenen, nicht sehr langen Schwanz aus. Der nahezu geräuschlose Flug entsteht durch feine Federästchen, die sich an der Außenkante der Handschwingen des Flügels befinden.

Uhus können ? wie man anhand der Beringung feststellen konnte - in der freien Wildbahn ein Alter von 25 bis 30 Jahren erreichen. Das bisher nachgewiesene Höchstalter eines Uhus in Gefangenschaft betrug mindestens 68 Jahre.

Nahrung


In der Regel ist der Uhu dämmerungs- und nachtaktiv, wobei er offene Flächen als Jagdrevier bevorzugt. Die Reviergröße kann 20 bis 30 km2betragen. Während des Tages sitzen Uhus meistens regungslos an einem geschützten Ort.
Gejagt wird sowohl vom Ansitz aus, dies können z. B. hohe Pfähle oder einzeln stehende Bäume sein, als auch im Suchflug. Dabei ermöglichen ihm sein weiches, lockeres Gefieder sowie die fein gesägten Schwungfedern einen geräuschlosen Flug. Bei der Ortung der zahlreichen Beutetiere spielt das sehr scharfe Gehör eine entscheidende Rolle. Erbeutet werden vor allem kleinere und mittelgroße Säugetiere. Dazu gehören schwache Rehkitze, Jungfüchse, Katzen, Waschbären, Marder, Hasen, Kaninchen, Igel, Ratten, Feldhamster, Schermäuse, Mäuse, Eichhörnchen und Fledermäuse. Ebenso gehören größere Insekten (z.B. Maikäfer), Amphibien und Reptilien (z. B. Frösche und Schlangen) sowie Fische zu den Beutetieren. Weiterhin werden die verschiedensten Vogelarten, wie z. B. Hühnervögel (Fasane, Auer-, Birk- und Rebhühner), Wasservögel (Enten), Tauben, Rabenvögel (Krähen, Eichelhäher), Spechte und Greifvögel (Wanderfalke, Habicht, Bussarde und vor allem deren Junge) sowie andere Eulenarten (Waldohreule, Waldkauz), als Beute geschlagen. Die Kleinsäuger werden meist unzerteilt verschlungen, die Vögel vorher gerupft. Die unverdaulichen Reste der Nahrung, wie Knochen (mitunter ganze Nagerschädel), Haare, Igelstacheln, Federn und Krallen, werden als Gewölle wieder ausgewürgt. Durch den Fund von artspezifischen Gewöllen lässt sich somit immer auf die Anwesenheit des Uhus schließen.
Trotzdem der Uhu als Einzelgänger sehr scheu ist und sich tagsüber möglichst regungslos an geschützten und unzugänglichen Orten - wie hohen Bäumen und Felsspalten - versteckt, kommt es vor, dass er von seinen Beutevögeln entdeckt wird. Dies kann auch während der Jungenaufzucht der Uhus vorkommen, wenn die Nachtzeit zum Beutefang nicht ausreichte und am Tage gejagt wird. Ist ein Uhu erst einmal entdeckt, wird er, oft gemeinschaftlich, von Raben-, Greif- und Kleinvögeln heftig attackiert. Dieses Verhalten, auch ?hassen? genannt, hat man sich bei der sogenannten Hüttenjagd zu Nutze gemacht. Ein zahmer ?Lockuhu? wird dabei offen auf einer Stange präsentiert. Sobald ihn der erste Vogel entdeckt hat, wird der Uhu ?lautstark gemeldet? und auch angegriffen. Auf diese Weise versammeln sich oft sehr viele Vögel der unterschiedlichsten Arten und Anzahl, selbst die sonst so vorsichtigen Rabenvögel. Letztendlich kommt dann der in einer Hütte in der Nähe des Uhus versteckte Jäger zum Schuss. Das ?Hassen? der Vögel ist so stark ausgeprägt, dass es selbst durch künstliche Uhuattrappen oder ausgestopfte Uhus ausgelöst werden kann.

Brutbiologie


Nach einer Herbstbalz beginnen die Uhus Ende Januar / Anfang Februar wieder bis in den März hinein zu balzen. Dabei ruft das Männchen in der Regel häufiger. In windstillen Nächten kann man die charakteristischen Rufe oft kilometerweit hören.
Bei der Wahl des Brutplatzes werden Nischen in Felsabhängen, Steinbrüchen und in Wänden von Kiesgruben bevorzugt. Aber auch flache Mulden auf dem Waldboden unter Wurzeltellern, große Baumhöhlen, verlassene Greifvogelhorste in Baumkronen, Nester anderer großer Vögel oder ein Kirchturm in der Stadt können als Brutstandorte auftreten.
Mitunter herrschen Ende Januar noch winterliche Temperaturen, wenn das Uhuweibchen das erste Ei legt. Die meisten Uhus beginnen aber erst im März mit der Eiablage, die allerdings auch bis Anfang Mai erfolgen kann. Das vollständige Gelege besteht aus 2 bis 3 (selten 5) reinweißen, rundlichen und 6,4 g schweren Eiern. Die Eier werden 31 bis 37 Tage lang ausschließlich vom Weibchen bebrütet. Da das Weibchen mit der Brut beginnt, sobald das erste Ei gelegt ist, hat dies zur Folge, dass die Uhuküken einer Brut sehr unterschiedlich entwickelt sind. Die jungen Uhus sind Nesthocker, die vom Weibchen gehudert werden. Aufgrund der frühen Brutzeit kann es besonders bei Kälte und Nässe dazu kommen, dass die Küken erfrieren. Da anfangs nur das Männchen die Beute heranschafft, kommt es auch vor, dass bei Nahrungsmangel besonders die kleinsten und schwächsten Küken verhungern. Wenn die Jungen älter sind und sie ihr dichtes schmutzigweißes Dunenfederkleid ausreichend vor der Witterung schützt, jagen beide Eltern gemeinsam. Stirbt ein Elternteil während der Jungenaufzucht, verhungern oft alle Jungtiere. Dann kann es Jahre dauern, bis der übrig gebliebene Altvogel einen neuen Partner findet.
Einige Uhupaare reagieren stellenweise sehr empfindlich auf Störungen am Brutplatz und während der Paarungszeit. Dies kann zur Aufgabe des Horststandortes oder zum sofortigem Verlassen des Geleges führen. Besonders Kletterer sind bei Felsbruten ein enormer Störfaktor. Andererseits gewöhnen sich Uhus aber auch an städtische Lebensräume oder die Abbaumaschinen in Kiesgruben.
Die jungen Uhus verlassen im Alter von 5 bis 10 Wochen das Nest und werden dann noch solange von den Altvögeln gefüttert, bis sie mit ca. 12 Wochen selbständig sind. Geschlechtsreif werden die Junguhus erst mit 3 Jahren. Bis dahin lauern auf sie viele Gefahren. So ist die Umstellung von der Fütterung durch die Eltern auf die Selbstversorgung eine besonders kritische Zeit. Junguhus, die dann nicht genügend Beute fangen können, verhungern. Auch das Fliegenlernen ist für die jungen Uhus mit vielen Gefahren verbunden. In der vom Menschen bebauten und zersiedelten Kulturlandschaft sterben sehr viele Junguhus durch Stromschlag an elektrischen Leitungen oder verletzen sich tödlich an Zäunen und anderen Absperrungen. Weitere Gefahren stellen mittlerweile auch vermehrt Windkraftanlagen dar. Ebenso fordern Bahn- und Straßenverkehr regelmäßig ihre Opfer.

Bestand


Um 1800 soll es in Deutschland weit über 2.500 Uhupaare gegeben haben. Durch Verfolgung, Aushorsten (zur Verwendung bei der ?Hüttenjagd?), Unfälle an Drahtleitungen und Störungen an den Horstplätzen war der Uhu Mitte dieses Jahrhunderts von der Ausrottung bedroht. Durch strengen Schutz, Horstbewachung und Aussetzen von in Gefangenschaft aufgezogenen Uhus in Zusammenarbeit von zoologischen Gärten, Jägern und anderen Naturschützern konnten die Bestände gebietsweise wieder gestärkt werden.
Mit gut 800 Revierpaaren wird der Bestand in Deutschland heute angegeben. Manche Kenner der Uhuszene veranschlagen gar bis zu 900 Paare. Die jüngste Rote Liste der Brutvögel Deutschlands mit dem Stand von 1999 ging noch von 660 bis 780 Paaren aus. Die Tendenz ist also positiv - mit erheblichen Schwankungen von Jahr zu Jahr.
Mit der überwachten Wiederansiedlung ging ein Schutz- und Aufklärungsprogramm zugunsten der Großeulen einher. Heute gibt es in allen Bundesländern wieder freilebende Uhus, die meisten in Bayern mit etwa 230 Paaren. Aber auch in Schleswig-Holstein, wo jahrzehntelang keine Uhus mehr gesehen worden waren, hat es der ?Landesverband Eulenschutz? in den vergangenen 30 Jahren geschafft, dass heute wieder etwa 100 Paare zwischen Geest und Marsch nachts in ihren Revieren unterwegs sind. Etwa eben so viele Uhupaare leben alleine in der Eifel. Seit der zweiten Hälfte der achtziger Jahre werden keine Uhus mehr ausgewildert.
Die unmittelbare Gefahr des Aussterbens scheint zur Zeit gebannt, doch geht nach einem kontinuierlichen Anstieg bis 1990 der Anteil der erfolgreichen Uhubruten seit 1991 zurück. Ebenso steigt seitdem der Anteil aufgegebener Reviere und der Anteil von Nichtbrütern. 1997 war das schlechteste Brutjahr der vergangenen neun Jahre.

Ursachen für Brutausfälle und Gefährdungen sind:


Die Überwachung des Bestandes, der Schutz von Brutplätzen und das Umrüsten gefährlicher Strommasten stellen daher die wichtigsten Maßnahmen des Uhuschutzes dar.

Vogel des Jahres


Der Uhu als Kulturfolger weiß durchaus das unterschiedliche Nahrungsangebot der Agrar- und Kulturlandschaft zu nutzen, wenn man ihn denn lässt. Da er ein bequemer Jäger ist, erbeutet er lieber die schlafende Taube vom Ast, oder die Ratte auf der Müllhalde, als sich mit wehrhafter Beute, wie Katzen, Marder oder Waschbären herumzuschlagen. Untersuchungen zur Nahrungsaufnahme zeigten, dass anstatt von Hamstern, Kaninchen und Rebhühnern nun Igel, Wanderratten und Tauben erbeutet werden.
Das Leben in der Nähe des Menschen birgt natürlich viele Gefahren, so führt vor allem der Straßen- und Schienenverkehr zu Verlusten. Mittlerweile brüten Uhus auf Friedhöfen, in Hausdächern und stillgelegten Baumaschinen. Offenbar gibt es bei jungen Uhus in der Nestlingszeit auch eine Brutplatzprägung und so suchen sich vor allem die Eulen aus den Auswilderungsprogrammen ausgefallene Brutplätze.
Da mittlerweile neben den Städten auch alle geeigneten Lebensräume wieder besiedelt werden, kommt es auch zu entsprechenden Konflikten mit dem Menschen und somit ist ein wachsender Bestand einigen Zeitgenossen bereits wieder ein Dorn im Auge. Damit bleibt der Uhuschutz weiterhin ein aktuelles Thema.

© Dirk Schäffer (12/2004, aktualisiert 03/2011)