Stockente (Anas plathyrhynchos LINNAEUS, 1758)

engl.: Mallard


Bild Stockente Weibchen (Anas plathyrhynchos L.)


Bild Stockente Männchen Erpel (Anas plathyrhynchos L.)


Die Stockente (Anas platyrhynchos) ist eine weit verbreitete und häufige Entenart, die nahezu an jedem Gewässer beobachtet werden kann. Die frühe Domestikation der Stockente beweist ihre ausgesprochene Anpassungsfähigkeit an das Leben in Gefangenschaft. Durch ihre leichte Zucht bildete sie die Stammform für unsere Hausente.
Mittlerweile ist die Stockente ein typischer Kulturfolger geworden, der selbst in den Großstädten in unmittelbarer Nähe des Menschen brütet. So gehören zahme, halbzahme und wilde Stockenten heute zum Bild vieler Parkgewässer der Städte und der Zooteiche. Oft genug hat eine Ente, die ihre Küken zum Wasser führte bereits den städtischen Verkehr lahmgelegt. Ihre Menschennähe wird ihr allerdings mittlerweile auch zum Verhängnis. Einerseits führt überzogene Tierliebe in Form von Brotverfütterung zu hohen Bestandsdichten, mit denen sich Krankheiten einstellen und zum anderen hat die Vermischung mit entflogenen Hausenten eine zunehmende Hybridisierung der Stockente zur Folge. Außerdem drohen zahlreiche Gewässer durch das Entenfutter umzukippen. Eine zunehmende Eutrophierung der Gewässer ist die Folge.


Systematische Einordnung

Ordnung: Gänsevögel (Anseriformes)
Familie: Entenvögel (Anatidae)
Unterfamilie: Entenvögel (Anatinae)


Vorkommen

Der Lebensraum der Stockente erstreckt sich über die ganze nördliche Halbkugel der Alten und der Neuen Welt. Unter den sechs Unterarten der Stockente ist unsere einheimische bei weitem die bekannteste. Die einzelnen Unterarten bewohnen Europa, Asien bis Japan, Nord- und Mittelamerika. In den Mittelgebirgen Deutschlands brüten Stockenten bis 800 m NN und in den Alpen sogar bis 1.900 m NN.
Von den Unterarten ist die etwas größere Grönland-Stockente in der Färbung unserer Stockente am ähnlichsten. Recht abweichend sind die Zwergformen auf der Insel Laysan und auf Hawaii. Diese beiden Inselformen treten nur in winzigen Populationen auf und sind in ihren Beständen gefährdet. Die Erpel der Unterarten der beiden Inseln und die der ebenfalls gefährdeten Mexiko- und Florida-Stockenten legen kein Prachtgefieder an. Für die gefährdeten Unterarten gibt es Zuchtprogramme, mit deren Hilfe die Bestände in der Natur aufgefrischt werden.


Wanderungen

Je nach klimatischen Bedingungen sind die Stockenten Stand-, Strich- oder Zugvögel. Ab September scharen sie sich auf großen, offenen Gewässern zusammen und verweilen hier, bis Frost und Eis sie zum Abwandern zwingen. Besonders bei starkem Frost versammeln sie sich auf engstem Raum auf den letzten eisfreien Gewässern an der Küste, oder in der Nähe der Großstädte. Erst wenn alle Gewässer zugefroren sind, werden die Enten zur Abwanderung gezwungen.
Bisweilen ziehen sie in strengen Wintern nach Mittel- bzw. Westeuropa, einige bis nach Indien bzw. zu den Kanarischen Inseln.


Merkmale

Die tag- und nachtaktiven Stockenten werden 0,58 bis 0,60 m groß, 1,0 bis 1,2 kg schwer und zählen zu den Schwimmenten.
Die Erpel, mit ihrem grün schillernden Gefieder, fallen schneller ins Auge als die Enten. Mit dieser auffälligen Färbung lenken sie Feinde vom Gelege ab, auf dem die unauffällige Ente brütet. Beide Geschlechter haben einen markanten weißen Flügelspiegel mit purpurviolettem Abzeichen, an dem man eine Stockente jederzeit erkennen kann.
Die männliche Stockente - der Erpel - hat einen glänzend grünen Kopf, ein weißes Halsband, eine kastanienbraune Brust, sowie eine graue Unterseite. Der weiße Schwanz hat gekrümmte schwarze Mittelfedern. Die Flügel sind hellgrau und der Schnabel ist gelb gefärbt. Der Erpel verliert durch die Mauser vorübergehend sein Prachtgefieder und seine Flugfähigkeit, so daß er dann dem Weibchen immer ähnlicher wird. Meist ist das Ruhekleid aber im September schon wieder durch das neue Prachtgefieder ersetzt. Die Mauser des Kleingefieders währt bei beiden Geschlechtern manchmal bis zum Frühjahr.
Die Ente wird nicht ganz so groß (0,49 m) und so schwer wie der Erpel. Sie ist mit ihrer braunen Fleckung insgesamt unscheinbarer gezeichnet und hat einen grünlichen Schnabel.

Nach nicht ganz geklärter Aussage soll der älteste Ringvogel ein Alter von 41,7 Jahren erreicht haben, andere Stockenten wurden bis zu 30 Jahre alt.


Nahrung

Die Nahrung der Stockenten ist vielseitig und besteht aus pflanzlicher und tierischer Kost, wie z. B. Sämereien, Wurzelstöcke und -knöllchen, Früchte (Beeren), grüne Wasser- bzw. Uferpflanzen, Insekten und deren Larven, Fischbrut, Froschlaich, Kaulquappen, Wasserflöhe, größere Käfer, kleine Krebse, Würmer und vieles andere mehr. Wenn sie gefüttert werden, nehmen sie auch gern Brot, Fischfutter und Speisereste auf.
Unter natürlichen Bedingungen gewinnen sie einen Großteil ihrer Nahrung durch das sogenannte Gründeln (Gründelente). Dabei strecken sie Hals und Kopf tief ins Wasser und saugen mit ihrem durch Hornlamellen umsäumten Schnabel Nahrungsteilchen auf.


Brutbiologie

Die Balz der Stockenten währt je nach Wetterlage von September bis zum Frühjahr. Wobei die Keimdrüsen allerdings erst im Frühjahr aktiv werden. Die Erpel balzen gemeinsam und die Enten schauen vom Rand aus zu, um ihre Wahl zu treffen.
Die Erpel werden ihren Weibchen zum Ende der Balzzeit öfter untreu und versuchen fremde Weibchen zu begatten. Oft geschieht dies auch gewaltsam.
Die Balz kann in zwei Abschnitte unterteilt werden. Zuerst erfolgt die Gesellschaftsbalz, die viele Enten der gleichen Art anlocken soll und sich durch synchronisiertes Balzverhalten vieler Erpel auszeichnet. Anschließend folgt die gerichtete Balz, welche die Begattung zum Ziel hat. Markant ist hierbei das sogenannte ?Hetzen" der Ente durch den Erpel.
Die Kopulation findet auf dem Wasser statt. Das Paar sondert sich dafür gewöhnlich von den anderen Enten ab. Beide Partner führen anfangs sich immer mehr steigernde, pumpende Auf- und Abbewegungen mit dem Kopf durch. Wenn sich dann die Ente ganz flach macht, ist der Erpel dadurch aufgefordert, auf ihren Rücken zu klettern und sie zu treten. Die Ente ist dabei kaum noch zu sehen. Sie hält nur noch den Kopf aus dem Wasser. Mit ruckartigem zurück reißen von Kopf und Hals zum Rücken, zeigt der Erpel, daß die Begattung vollzogen ist.
Wenn der Erpel das Nistrevier ausgewählt hat, ist das Weibchen mit dem Nestbau beschäftigt. Stockenten sind Bodenbrüter. Die Ente formt in den Untergrund eine Mulde, in die sie anschließend Pflanzenteile, Halme und Laub aus der Nestumgebung zieht. Die Nester stehen im Pflanzendickicht der Uferzone, an Grabenrändern, auf Inseln, unter Sträuchern und auf Kopfweiden. Seltener dienen alte Krähennester, Baumhöhlen oder Hausdächer als Brutstandort. Die ersten Gelege findet man bereits Ende März oder Anfang April. Es findet nur eine Brut statt. Geht das erste Gelege verloren, erfolgt allerdings ein Ersatzgelege. Das Gelege besteht normalerweise aus 7 bis 12 (13) grünlichgrauen Eiern. Kurz bevor alle Eier gelegt sind, zupft sich die Ente Dunenfedern aus und bedeckt mit diesen das Gelege.
Anfangs hält sich der Erpel noch wachsam in der Nähe des allein brütenden Weibchens auf, später schließt er sich mit anderen Erpeln zu sogenannten Mausergruppen zusammen und kümmert sich nicht mehr um die weitere Kükenaufzucht.
Die Brutdauer beträgt 30 Tage. Bald nach dem Schlüpfen der schwarzbraunen Dunenjungen führt die Ente die Küken zum Wasser. Deshalb zählt man die Stockentenküken zu den Nestflüchtern. Die Küken haben ein gelbliches Gesicht sowie eine gelbliche Unterseite und eine dunkle Linie durch das Auge. Sie folgen der Ente im Wasser immer dicht auf. Denn in dieser Zeit fallen viele von ihnen Feinden - wie z. B. Hechten, Ratten, Rohrweihen, Mardern, Füchsen u.a. - zum Opfer.
Wenn die Jungen im Alter von 8 Wochen voll flugfähig geworden sind, löst sich der Familienverband auf. Nun kann auch die weibliche Ente ihre Schwingen mausern. Nach einem Jahr erreichen die Jungenten die Geschlechtsreife.


Bestand

Trotz der stellenweise an lokalen Standorten besorgniserregenden Zunahme der Mischlinge mit Hausenten, gilt der Bestand der Stockente in Deutschland als nicht gefährdet. Zudem gehört die Stockente zu den jagdbaren Vogelarten.

© Dirk Schäffer (2003, aktualisiert 02/2012)