Star (Sturnus vulgaris LINNAEUS, 1758)

engl.: Starling


Foto: K. Rönsch 04/2010

Bild Star singend (Sturnus vulgaris)
Foto: K. Rönsch 04/2010

Der Star (Sturnus vulgaris) ist sicher einer unserer bekanntesten und auffälligsten Singvögel, den man fast überall beobachten kann.
Wenn er entsprechende Höhlen in Bäumen und Gebäuden oder Nistkästen zum Brüten vorfindet, brütet er auch in unmittelbarer Nachbarschaft des Menschen und kann dann leicht beobachtet werden. Auffällig sind sein wackelnder Gang, denn der Star hüpft nicht, wie z.B. die Amsel (Turdus merula) und das ständige Stochern nach Nahrung.


Systematische Einordnung

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Familie: Stare (Sturnidae)
Unterfamilie: Stare (Sturninae)
Gattung: Sturnus


Vorkommen

Der Star ist in ganz Europa anzutreffen. Im Norden liegt die Verbreitungsgrenze in Island, am Nordkap und auf der Kolahalbinsel.
Im Süden endet die Verbreitung in Nordspanien, Südfrankreich, Italien, im ehemaligen Jugoslawien sowie in Nordgriechenland.
Ostwärts kommt der Star bis nach Mittelsibirien und bis zum Baikalsee vor.
In Asien ist der Star in Teilen der Türkei, bis zum Norden des Irak und des Irans sowie bis nach Afghanistan, Pakistan, Nordwestindien und in der Nordwestmongolei anzutreffen.
In Nordamerika wurden 1890/91 etwa 100 Stare im New Yorker Central Park ausgesetzt, die sich so erfolgreich vermehrten, dass 1940 bereits ein Bestand von 50 Millionen Staren für ganz Nordamerika geschätzt wurde. Mittlerweile besiedelt der Star fast den gesamten Kontinent von der kanadischen Arktis bis nach Mexiko und Anfang der 80er Jahre wurden bereits 200 Millionen Stare geschätzt.
Der Star wurde außerdem in Südafrika, Neuseeland und Australien eingebürgert.

Verwandte Arten sind der Einfarbstar (Sturnus unicolor), der in Nordafrika, auf der Iberischen Halbinsel, Korsika, Sardinien und Sizilien vorkommt. Allerdings wird dieser mittlerweile aufgrund der Ähnlichkeit mit dem Star zu einer Superspezies zusammengefasst.
Außerdem kommt in Bulgarien und Rumänien der RosenstAr (Sturnus roseus) vor. Von dieser Art können manchmal einzelne Vögel auch in Deutschland beobachtet werden.


Biotop

Der Star ist nicht wählerisch und kommt in Wäldern, Parks, Gärten, Streuobstwiesen, Kulturland und Feldgehölzen mit gutem Bruthöhlenangebot vor. Ursprünglich ein Bewohner der Laubwälder ist der Star jetzt selbst in den Großstädten anzutreffen und kann bei entsprechendem Höhlenangebot eine hohe Brutdichte erreichen.
Der Star meidet allerdings das Innere von großen Waldgebieten und ausgeräumte Agrarlandschaften. Er fehlt im Gebirge ab 1.500 m Höhe.


Wanderungen

Der Star ist ein Zugvogel und Teilzieher. In den letzten Jahren kann man allerdings immer wieder Stare beobachten, die den Winter in Deutschland verbringen und nicht mehr ziehen.
Generell scheint der Star sehr kältetolerant zu sein und nutzt bei überraschenden Kälteeinbrüchen alle Möglichkeiten, die sich ihm bieten, um zu überleben. So wurden Stare in Taubenschlägen, Lüftungsschächten, Erdlöchern und Schuppen angetroffen.
Der überwiegende Teil verweilt aber nur von Februar bis in den September im Brutgebiet.
Der 52. Breitengrad stellt eine Art Trennlinie zwischen den Starenpopulationen dar. So ziehen die nordischen Stare nach Westen (Frankreich und England). Die südlichen Stare wandern nach Spanien, Süditalien, Griechenland und einige noch weiter bis nach Nordafrika. Selbst in Äthiopien wurde ein beringter Star aus Polen gefunden. In Mitteldeutschland kann es zu Vermischungen zwischen den Populationen kommen.
Stare sind sehr gesellig und oft in größeren Trupps anzutreffen. Vor allem außerhalb der Brutzeit bilden sie sehr große Schwärme, die sich regelmäßig an festen Schlafplätzen (z.B. in Schilfgebieten) einfinden. Dann kann es zu Konzentrationen von mehreren Millionen Vögeln kommen. Vor allem in den Großstädten Südeuropas, während der Überwinterung, führt dies zu Vergrämungsaktionen, um die Belastungen durch Kot und Lärm, die von den Schwärmen verursacht werden, zu reduzieren. In Rom wurde selbst Vogelfutter ausgebracht, das empfängnisverhütende Stoffe enthielt, um so den Starenbestand in der Metropole zu reduzieren.

Merkmale

Mit einer Körperlänge von 19 bis 22 cm ist der Star etwas kleiner als die AmsEl (Turdus merula), mit der er gern verwechselt wird. Der Schwanz ist im Vergleich zur Amsel aber deutlich kürzer. Der Star hat zudem einen gedrungeneren Körperbau und bewegt sich am Boden schreitend vorwärts, während die Amsel hüpft. Männliche Stare wiegen ca. 81 g und die Weibchen ca. 76 g.
Das grünviolett glänzende Gefieder ist vom Herbst bis in den Frühsommer hinein mit graubraunen bis golden wirkenden Tupfen gesprenkelt. Die Tupfen sind die Spitzen der frischen Federn, die bis zum Ende der Brutzeit verschleißen, so dass der Star dann mehr schwarz gefärbt aussieht.
Die beiden Geschlechter unterscheiden sich beim Star nur darin, dass die Weibchen insgesamt weniger intensiv metallisch glänzend gefärbt sind, als die Männchen.
Bei der Partnerwahl der Weibchen spielt zudem der ultraviolette Glanz des Gefieders der Männchen eine Rolle.
Der lange Schnabel ist im Frühjahr zur Brutzeit von leuchtend gelber Farbe und wirkt im Herbst mehr bräunlich. Die Schnabelbasis ist beim Männchen deutlich blaugrau und beim Weibchen eher rötlich gefärbt.
Im Schlichtkleid ist vor allem die stark hell bis weiß getüpfelte Unterseite des Gefieders deutlicher hervorgehoben. In diesem Gefiederstadium spricht man auch vom „Perlstar“. Die weißen Federspitzen nutzen sich bis zum Frühjahr ab und anschließend kommt das Prachtkleid zum Vorschein.
Die Jungvögel unterscheiden sich auffallend von den Altvögeln. Ihr Gefieder ist von erdbrauner Farbe und nur die Kehle ist weißlich aufgehellt. Die Flügel und der Schwanz sind dunkelbraun gefärbt und es fehlt der Metallglanz des Gefieders. Der Schnabel der Jungvögel ist von mattbrauner und die Beine sind von dunkelgraubrauner Farbe.

Die Flügel wirken im Flug dreieckig und spitz. Auffällig ist der kurze Schwanz. Der Flug selbst ist schnell und kann bis zu 80 km/h erreichen. Die Flügelspannweite beträgt 37 bis 42 cm.


Stimme

Der Star zeichnet sich durch einen sehr variantenreichen, schwätzenden und lauten Gesang aus, der mit einzelnen Pfiffen, Schnalzlauten und Trillern durchsetzt ist. Sehr gern imitiert er alle möglichen Umweltgeräusche (z.B. Klingeltöne und Motoren) sowie die Stimmen anderer Vogelarten und Tiere.
Auffällig ist vor allem der ausdauernde Balzgesang, der mit weit gespreizten Flügeln, gesträubten Kehlfedern und durchsetzt mit einzelnen lauten Pfiffen vorgetragen wird. Selbst Mozart soll der Starengesang inspiriert haben.

Ein auf Helgoland beringtes Starenweibchen wurde im Alter von 18 Jahren von einer Hauskatze in Frankreich erbeutet.

Nahrung

Der Star ist bei der Nahrungsaufnahme sehr vielseitig und nicht wählerisch. Die vor allem aus Kerbtieren, Schnecken und Würmern bestehende tierische Nahrung wird schreitend am Boden gesucht. Während der Jungenaufzucht nutzt der Star auch Insekten und deren Larven, die stellenweise gehäuft auftreten. So wird die Abnahme des Maikäferbestandes im Zusammenhang mit der Zunahme des Stars diskutiert. Auch Eichenwickler und Frostspanner werden bei deren gehäuftem Auftreten, das zu enormen Waldschäden führen kann, gefressen.
Besonders gern frisst der Star Beeren und Früchte. Vor allem Kirschen sind sehr beliebt. Dies hängt mit dem geringen Gehalt an Fruchtzucker zusammen. Dem Star fehlt ein Enzym, um Saccharose abzubauen, deshalb verträgt er nur geringe Mengen davon.
Auf der Nahrungssuche bildet der Star oft größere Schwärme, die dann zusammen ergiebige Futterplätze, wie z.B. Grünland und Obstplantagen (Kirschen und Wein), besuchen. Diese Schwärme, die bis zu einer Million Vögel umfassen können, führten in der Vergangenheit (Mitte des 20. Jh.) vor allem in den intensiven Anbaugebieten von Oliven und Wein zu regelrechten Feldzügen gegen den Star. Ursache waren die enormen Fraßschäden, die ein derartiger Schwarm anrichten kann. Vor allem in Westeuropa und Nordafrika fanden massive Bekämpfungsaktionen statt. Bei diesen kamen verschiedene Gifte zum Einsatz und stellenweise wurde sogar mit Kanonen in die Schwärme gefeuert. Obwohl auf diese Art und Weise mehrere Millionen Stare getötet wurden, beeinflusste dies damals weder den Bestand noch die angerichteten Schäden. Auch andere Formen der Abschreckung, wie Lärm, Schreckschussanlagen u.a. Maßnahmen, führten nicht zum Erfolg. So werden heute die intensiven Obstplantagen mit Netzen überspannt, um sie so vor den Staren zu schützen.


Brutbiologie

Der Star ist ein Höhlenbrüter und wählt als Brutstandorte alte Spechthöhlen, Nistkästen, Mauernischen, Straßenlaternen und andere geeignete Hohlräume an Gebäuden bzw. unter Dächern aus. Eine ausgewählte Bruthöhle verteidigt er aggressiv gegen andere Vogelarten und arteigene Konkurrenten. Wenn sich die Höhlen oder Nistkästen allerdings dicht nebeneinander befinden, können mehrere Brutpaare auch in enger Nachbarschaft brüten.
Die Brutsaison dauert von März/April bis in den Juni/Juli.
Das Nest ist ein unordentlicher Bau aus trockenen Blättern, Halmen, Wurzeln und Stroh sowie Haaren, Wolle und Federn für die Innenauspolsterung. Zum Teil werden auch Kräuter und Blüten eingetragen, die abschreckend gegen Ektoparasiten (Milben und Flöhe) wirken.
Vor dem eigentlichen Nestbau trägt das Männchen nach dem Besetzen der Höhle grüne Pflanzenteile und Blüten zusammen, die später vom Weibchen wieder entfernt werden, um das eigentliche Nest zu bauen.
Das Weibchen legt 4 bis 6 (7) hellblaue bzw. auch hellgrüne Eier. Die Brutzeit dauert 13 bis 15 Tage. Viele Starenweibchen versuchen anderen Brutpaaren eigene Eier unterzuschieben, um so den eigenen Bruterfolg zu erhöhen. Deshalb entfernen einzelne Brutpaare rigoros Eier von fremden Staren, bevor das Weibchen zu legen beginnt.
Die Jungen werden von beiden Eltern gefüttert und verlassen nach 17 bis 21 Tagen das Nest.
Der Star führt eine Saisonehe. So kommt es vor, dass sich Männchen zur zweiten Brut mit anderen Weibchen paaren bzw. gleichzeitig mit mehreren Weibchen verpaart sind.
In Jahren mit gutem Nahrungsangebot und frühem Brutbeginn brüten einige Paare noch ein zweites Mal. Bei guten Bedingungen kann auch noch eine dritte Brut stattfinden.


Bestand

Der Weltbestand des Stars wurde Anfang der 80iger Jahre mit ca. 600 Millionen Vögeln angegeben. Die europäische Population wurde auf 34 bis 49 Millionen Vögel geschätzt. Damit ist der Star eine der häufigsten Vogelarten der Welt.
In Europa hat der Starenbestand spätestens seit Mitte des 19. Jahrhunderts stark zugenommen und dabei wurde das Areal der Art weiter nach Westen und Nordosten ausgedehnt. Dieser positive Trend hielt bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts an. Als wesentliche Gründe für diese Entwicklung werden die Erwärmung des Klimas, die starke Zunahme von Grünland durch Entwässerung der großen Moore sowie die Ausdehnung des Anbaus von Obst, Wein und Oliven angesehen. Diese Faktoren führten zu einer Verbesserung der Nahrungssituation in den Brutgebieten und den Überwinterungsgebieten.
Etwa seit Mitte der 60iger Jahre des 20. Jahrhunderts wurden in Nordwesteuropa und in Nordeuropa starke Bestandsrückgänge verzeichnet, die auf die Reduzierung des Weidelandes zugunsten von Ackerland und den Einsatz von Insektiziden und Pestiziden zurückgeführt werden.

© Dirk Schäffer (05/2011, aktualisiert 04/2013)

Bild Webcam Star, Nestlinge gedrängt (Sturnus vulgaris) Bild Webcam Star, Nestlinge (Sturnus vulgaris) Bild Webcam Star, Nestlinge (Sturnus vulgaris) Bild Webcam Star, Nestling, Jungvogel (Sturnus vulgaris) Bild Webcam Star, Nestlinge, Jungvögel (Sturnus vulgaris) Bild Webcam Star, Nestlinge, bettelnd (Sturnus vulgaris) Bild Webcam Star, Nestbau (Sturnus vulgaris) Bild Webcam Star (Sturnus vulgaris) Bild Webcam Star, Eier (Sturnus vulgaris) Bild Webcam Star, Gelege (Sturnus vulgaris)