Rotkehlchen (Erthacus rubecula LINNAEUS, 1758) - Vogel des Jahres 1992

Rotkehlchen (Erthacus rubecula LINNAEUS, 1758) - Vogel des Jahres 1992


engl.: European Robin

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Das Rotkehlchen (Erithacus rubecula) ist ein beliebter und bekannter Singvogel. Zu seiner Bekanntheit tragen sowohl die regelmäßigen Besuche an den winterlichen Futterstellen als auch die markante, unverwechselbare Gefiederzeichnung - mit leuchtend orangeroter Brust und Kehle - bei.

Bild Rotkehlchen (Erthacus rubecula) - Vogel des Jahres 1992

Bild 1: Rotkehlchen. Aufn. B. Bünger (Mariensee, 07/2004).

Seine Beliebtheit hat der zierliche Sänger wohl vor allem dem großen runden Kopf mit den großen schwarzen Augen zu verdanken. Diese Merkmale gehören zum so genannten ?Kindchenschema?, das überwiegend bei jungen Säugetieren auffällt und bei Menschen automatisch den Schutz- und Pflegetrieb auslöst.
Noch sind Rotkehlchen in Deutschland häufige Brutvögel, obwohl der im Winter wegziehende Teil der Population, stark von der Singvogeljagd in einigen europäischen und nordafrikanischen Ländern betroffen ist.

Bild Rotkehlchen (Erthacus rubecula) - Vogel des Jahres 1992

Bild 2: Rotkehlchen. Aufn. B. Bünger (Mariensee, 12/2004).

Systematische Einordnung


Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Familie: Schnäpperverwandte (Muscicapidae)
Gattung: Erdsänger (Erithacus CUVIER, 1800)Systematische Einordnung

Vorkommen


Das Rotkehlchen besiedelt ein Brutgebiet, das vom Polarkreis bis in die Subtropen reicht und sich über Westeuropa, den Britischen Inseln, den Inseln im Ostatlantik, Skandinavien (bis zum Polarkreis), Westsibirien, Osteuropa, Südeuropa, Kleinasien (Türkei), den Kaukasus bis Nordiran, einzelnen Gebieten am Kaspischen Meer, Nordafrika (Tunesien bis Marokko) und den Mittelmeerinseln erstreckt.
Die Zuordnung der einzelnen Unterarten des Rotkehlchens ist noch unklar. Es existieren isolierte Populationen z.B. auf Madeira, einzelnen Kanarischen Inseln und den Azoren.

Biotop


Das Rotkehlchen bevorzugt Laub-, Misch- und Nadelwälder, besonders wenn sie reich an Unterholz sind und sich Gewässer in der Nähe befinden. Aber auch in Gebüschinseln, Hecken, Parks, ländlichen Gebieten und in großen Gärten sind Rotkehlchen regelmäßig zu finden. Sie brüten in fast jedem Wald bis hinauf zur Baumgrenze. So brüten sie in der Hohen Tatra bis 1.600 m Höhe, in der Schweiz bis 2.200 m Höhe.
Im Winter werden Parks und Gärten eindeutig bevorzugt.

Bild Rotkehlchen (Erthacus rubecula) - Vogel des Jahres 1992

Bild 3: Rotkehlchen im Winter. Aufn. B. Bünger (Mariensee, 03/2005).

Wanderungen


Rotkehlchen sind Teilzieher. Die höher gelegenen und nördlichen Brutgebiete werden weitestgehend verlassen. Ausnahmen treten allerdings immer wieder auf. So wurden Überwinterungen in Südschweden und auf Helgoland beobachtet.
Gebiete mit extremen Wintern verlassen die Rotkehlchen und sind dann Zugvögel. In klimatisch milderen Gebieten verbleiben sie aber über das ganze Jahr als Standvögel. In Deutschland können beide Alternativen auftreten. Ein Teil ?unserer? Rotkehlchen bleibt im Winter in ihren Brutrevieren und ein anderer Teil überwintert im südlichen Europa. Zu unseren überwinternden Rotkehlchen gesellen sich von Oktober bis März auch nordische Rotkehlchen (von Nordosteuropa kommend) als Wintergäste hinzu. In einigen Gebieten ziehen vor allem die Weibchen nach Süden und von den Männchen wandert nur ein Teil ab. Die überwinternden Männchen scheinen allerdings bei der Partnerwahl im Frühjahr im Vorteil zu sein, denn unter den ziehenden Männchen gibt es weitaus mehr Unverpaarte.
Die Überwinterungsgebiete der wegziehenden Rotkehlchen reichen bis an die Nordgrenze der Sahara und liegen vor allem im Mittelmeerraum. Um in die Überwinterungsgebiete zu gelangen, müssen die Alpenpässe überquert werden. Dies stellt eine enorme energetische Belastung für die Vögel dar.
Die weiteste nachgewiesene Zugstrecke eines Rotkehlchens betrug 2.800 km.

Merkmale


Rotkehlchen sind mit ihren 14 cm etwa sperlingsgroß, aber rundlicher und können zwischen 16 bis 22 g - im Winter auch bis 25 g - schwer werden. Sie erreichen eine Flügellänge von 6,8 bis 7,7 cm.
Die Oberseite und der Schwanz des Rotkehlchens sind gleichmäßig oliv braun gefärbt. Davon heben sich die orangeroten Gefiederpartien - Stirn, Augengegend, Kehle und Brust ? gut sichtbar ab. Rotkehlchen besitzen auffallend große und schwarze Augen, da sie dämmerungsaktive Vögel sind. Der Schnabel ist hornbraun gefärbt.

Bild Rotkehlchen (Erthacus rubecula) - Vogel des Jahres 1992

Bild 4: Rotkehlchen ? Oberseite des Gefieders. Aufn. B. Bünger (Mariensee, 08/2004).

Beide Geschlechter sind im Gefieder gleich gefärbt. Die Beine sind bei den Männchen gelblich bis rötlichbraun und bei den Weibchen hellbraun bis bräunlich fleischfarben.
Die Jungvögel sind braun gefleckt und haben noch keine orange Färbung. Ihre Füße sind anfangs von rosa-gelblicher Farbe und werden später dunkelbraun.
An den Winter sind Rotkehlchen gut angepasst. Wenn sie sich aufplustern, liegt zwischen den Federn ein Luftpolster, das ihnen eine zusätzliche Isolation gegen die Kälte bietet.
Rotkehlchen baden täglich. Selbst im Winter wird gebadet, was nicht selten zur Vereisung des Gefieders führt. Dann können die Vögel leicht von Fressfeinden erbeutet werden.

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Bild 5: Rotkehlchen beim Baden. Aufn. B. Bünger (Mariensee, 04/2004).

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Bild 6: Rotkehlchen nach dem Baden. Aufn. B. Bünger (Mariensee, 04/2004).

An sonnigen Tagen wird eine andere Form der Gefiederpflege, das so genannte ?Einemsen? betrieben, um lästige Ektoparasiten zu vertreiben. Einzelne Ameisen werden vorsichtig in den Schnabel genommen und mit der Ameisensäure, die von den Ameisen als Abwehrreaktion verspritzt wird, kann dann das Gefieder eingerieben werden.

Stimme


Der Gesang der Rotkehlchen ist fast zu jeder Jahres- und Tageszeit - so auch im Winter - zu hören. Rotkehlchen sind Dämmerungssänger und beginnen bereits sehr früh am Tag mit dem Singen. Im Gegensatz zu den meisten anderen Singvogelarten singen auch die Rotkehlchenweibchen, wenn auch weitaus seltener und leiser sowie auch mit kürzeren Strophen als die Männchen. Mitunter verteidigen auch die Weibchen mit Hilfe des Gesangs ein Winterrevier. Offenbar können Rotkehlchen auch zwischen Weibchen- und Männchengesang unterscheiden.
Die Hauptgesangszeit der Männchen liegt vor allem in den Monaten März bis Mai, da Rotkehlchen ihre Reviere vor allem mit Gesang abstecken, um potentielle Konkurrenten abzuschrecken. Fremde Artgenossen werden so zuerst durch den Gesang ?empfangen?. Führt dies nicht zum Erfolg, kann es zu heftigen Kämpfen kommen. Während des Nestbaus und der Jungenaufzucht reduziert sich der Gesang allerdings deutlich und verstummt in der Mauserzeit ganz. Der Gesang ist kräftig. Er kann einen Schallpegel von 80 bis 90 dB erreichen (1 m von Vogel entfernt gemessen) und bei territorialen Streitigkeiten kann er sogar auf 90 bis 100 dB ansteigen. Im Gesang wechseln sich tiefe (1,5 bis 5 kHz) mit hohen (4 bis 13 kHz) Frequenzen ab. Die obere Grenze des Hörbereichs beim Rotkehlchen liegt bei 21 kHz.
Generell ist der Rotkehlchengesang auch sehr vielfältig, da die Motive immer wieder geändert werden. Außerdem können Rotkehlchen die Gesangsmotive (Kontaktlaute, Reviergesänge) anderer Vogelarten imitieren. So waren schon Strophen von Tannen-, Hauben-, Nonnen-, Kohl- und BlaumeiSe, AmsEl, BuchfiNk, ZilpZaLp, FitIs, FeldlercHe, HeckenbraunelLe, Goldammer sowie MönchsgrasmücKe im Rotkehlchengesang zu hören.
Außer dem Gesang haben Rotkehlchen noch zahlreiche Rufe, die in den verschiedensten Situationen zum Einsatz kommen. Selbst wenn man Rotkehlchen im dichten Unterholz nicht sieht, fallen sie durch ihr Schnickern, das sich wie ein aneinander gereihtes "Zick-zick" anhört, auf. Außerdem gibt es verschiedene Stimmfühlungslaute, die dazu dienen, den Kontakt zwischen den Altvögeln, oder auch innerhalb einer Gruppe während des Zugs, aufrecht zu erhalten.
Viele Rotkehlchen werden nur weniger als ein Jahr alt. Der Großteil erreicht ein Durchschnittsalter von drei bis vier Jahren. Einzelne Vögel können auch bis zu zehn oder zwölf Jahre alt werden, wie Ringfunde belegen.

Nahrung


Zur Brutzeit bilden vornehmlich Würmer, Spinnen, Tausendfüßler, Weichtiere, Asseln, Schnecken und Insekten die Nahrung der Rotkehlchen, die vor allem am Boden gesucht und erbeutet werden. Bei der Bodenjagd bewegen sich die Vögel hüpfend fort und wenden auf dem Boden liegende Blätter um. An Insekten und ihren Larven werden Ameisen, Blattläuse, Flohkrebse, Käfer und Schmetterlinge erbeutet. Für die Insektenjagd sitzt das Rotkehlchen gern auf einem Ast über dem Boden. Nachts kann es auch vorkommen, dass Rotkehlchen an künstlichen Lichtquellen, wie z.B. an Straßenlampen und Fenstern auf Insektenjagd gehen. Im Spätsommer und Herbst sowie im Winter werden zusätzlich Beeren von Liguster, Hartriegel, Holunder, Brombeere, Feuerdorn, Pfaffenhütchen, Schneeball, Efeu, Walderdbeere, Johannisbeere, Vogelbeere, Eibe und Wacholder gefressen.
Aber auch der Mensch wird zur Nahrungssuche benutzt. So sitzen die Vögel beim Umgraben oder beim Holzhacken im Garten gern in unmittelbarer Nähe, um dann die dabei aufgescheuchten Insekten zu fangen. Ebenso werden Großtiere (z.B. wühlende Schweine) verfolgt, da sie bei der Fortbewegung oft Insekten aufscheuchen.

Bild Rotkehlchen (Erthacus rubecula) - Vogel des Jahres 1992

Bild 7: Rotkehlchen mit erbeuteter Holzkäferlarve. Aufn. B. Bünger beim Holzhacken im Garten (Mariensee, 08/2004).

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Bild 8: Rotkehlchen mit erbeuteter Holzkäferlarve auf Schubkarre. Aufn. B. Bünger beim Holzhacken im Garten (Mariensee, 08/2004).

Um ihre Verdauung zu fördern, picken Rotkehlchen kleine Steinchen auf. Trotzdem werden die Chitinhüllen der Insekten nicht verdaut und als Speiballen wieder ausgewürgt. Spektakulär ist die Fisch-, Kaulquappen- und Köcherfliegenlarvenjagd einzelner Rotkehlchen im seichten Wasser, die stark an den Eisvogel erinnert. Ebenso werden aber auch viele Wasserinsekten an Gewässerufern und auf der Wasseroberfläche erbeutet. Diese Jagdmethode führt allerdings auch zu tödlichen Unfällen.

Brutbiologie


Ein Rotkehlchenrevier ist ca. 600 bis 700 m² groß. Das Weibchen begibt sich im Winter auf die Suche nach einem Partner. Sobald es ein Männchen gefunden hat, dringt es gegen dessen Widerstand in das Revier ein. Die Aggressionen des Männchens besänftigt es, indem es sich wie ein bettelnder Jungvogel verhält: Es zittert mit Schwanz und Flügeln und beugt leise singend den Kopf. Dieses Werben kann Tage dauern, bis das Männchen nachgibt. Das Revier wird dann gemeinsam verteidigt.
Mit Konkurrenten geht der Revierinhaber mehr als ruppig um. Wenn der revieranzeigende Gesang nicht abschreckt, geht der Revierinhaber zu Drohverhalten über. Dieses sogenannte ?Zurschaustellen? beinhaltet die Präsentation der vorgewölbten orangeroten Brust, bei rückwärts gebogenem Kopf und das Hochstelzen des Schwanzes. Dabei vibriert der Körper, die Flügel flattern und zusätzlich wird Gesang vorgetragen. Eine weitere Form der Auseinandersetzung ist die ?Singjagd?. Die Vögel jagen sich und singen in den Flugpausen laut und andauernd. Dabei ist der Ausgang der Auseinandersetzung offen und eine Entscheidung erfolgt stellenweise erst nach zwei Tagen. Auch der Revierinhaber kann dann zum Verlierer werden. Führt das auch nicht zum Erfolg, kommt es zum Kampf, der allerdings zu den Ausnahmen gehört. Die Kontrahenten verkrallen sich ineinander und picken aufeinander ein. Normalerweise entscheidet sich der Kampf nach wenigen Minuten. Es wurden aber auch Kämpfe beobachtet, die sich über mehrere Stunden hinzogen und bis zur völligen Erschöpfung eines Vogels führten bzw. auch bis zum Tod. Dieses ausgeprägte Territorialverhalten kann selbst durch eine Attrappe mit orangeroter Brust oder durch rote Federbüschel ausgelöst werden. Das Weibchen sucht selbst den Brutplatz aus und baut das Nest allein, meistens auf dem Boden oder leicht erhöht in Vertiefungen, in Halbhöhlen bzw. in Nistkästen (bis 7,5 m hoch), in Böschungen, unter Baumwurzeln oder in hohlen Baumstümpfen sowie Kompost- und Heuhaufen. Auch Hecken, Gebüsche und Efeu können als Neststandort dienen. Generell sind Rotkehlchen allerdings nicht sehr wählerisch. So wurden z.B. auch alte Spechthöhlen, Uferschwalbenröhren bzw. alte Nester von AmsEl, SingdrossEl, NachtigaLl, Goldammer, Waldlaubsänger und auch Eichhörnchen wieder verwendet. Manchmal werden auch andere Vogelarten (z.B. Hausrotschwanz) vom Nest vertrieben. Nicht nur auf Schuttabladeplätzen und in Müllkippen wurden Nester in Dosen, Eimern, Gießkannen, Schuhen usw. gefunden. Auch Briefkästen, Fahrradkörbe, Totenschädel, Tierkadaver, Manteltaschen, Betten, Autos, Eisenbahnwaggons u.a. wurden schon als Brutplätze beobachtet.

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Bild 9: Rotkehlchennest mit Jungen. Das Nest wurde unter der Decke einer überdachten Terrasse hinter Fliegengaze errichtet. Aufn. B. Bünger (Mariensee, 07/2004).

Gegenüber anderen Singvogelarten haben die Rotkehlchen oft nicht sehr viele Chancen bei der Verteidigung eines Brutstandortes. So wird z. B. vermutet, dass es Rotkehlchen daher selten gelingt, einen Nistkasten zu behaupten.
Das Weibchen baut das Nest allein in vier bis fünf Tagen. Es wurden aber auch einzelne Männchen beobachtet, die sich am Bau beteiligten bzw. allein bauten.
Das napfartige Nest besteht aus Moos, lockerem Laub, Halmen und Wurzeln. Die Nestmulde wird mit Tierhaaren, feinen Fasern und Pflanzenwolle ausgepolstert. Manchmal wird über dem Nest noch ein kleines Blätterdach errichtet. Der Rohbau eines Nestes besteht z.B. aus ca. 270 Blättern und fast 100 Blattfragmenten. Aber auch Zivilisationsabfälle werden in die Nester eingebaut. Dies kann - z.B. bei der Verwendung von Kunstfäden - zur tödlichen Gefahr (Strangulation) für die Vögel werden.

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Bild 10: Rotkehlchen mit Nestbaumaterial (trockene Grashalme) auf Gartenzaun. Aufn. B. Bünger (Mariensee 04 / 2005).

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Bild 11: Rotkehlchen mit Nestbaumaterial (altes Efeublatt). Aufn. B. Bünger (Mariensee 04 / 2005).

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Bild 12: Rotkehlchen mit Nestbaumaterial (Baumblüten). Aufn. B. Bünger (Mariensee 04 / 2005).

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Bild 13: Rotkehlchen mit Nestbaumaterial am Nest. Aufn. B. Bünger (Mariensee 04 / 2005).

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Bild 14: Rotkehlchen beim Einbau von Nestbaumaterial. Aufn. B. Bünger (Mariensee 04 / 2005).

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Bild 15: Rotkehlchen sitzt im Nest. Aufn. B. Bünger (Mariensee 04 / 2005).

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Bild 16: Rotkehlchen beim Verlassen des Nests. Aufn. B. Bünger (Mariensee 04 / 2005).

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Bild 17: Rotkehlchen beim Verlassen des Nests. Aufn. B. Bünger (Mariensee 04 / 2005).

Der Nestdurchmesser beträgt ca. 13 cm, die Höhe ca. 4,5 cm und die Nestmulde hat einen Durchmesser von ca. 5 cm, bei einer Tiefe von ca. 3 cm.
In der Zeit des Nestbaus und während der Eiablage erfolgen mehrere Kopulationen mit dem Männchen. Die Hauptbrutzeit erstreckt sich von März/April bis Juni. Ein Gelege kann aus 3 bis 7(9) Eiern bestehen. Die ca. 2,4 g schweren, ovalen und mattglänzenden Eier sind weißlich bis rahmfarben und rostbraun gefleckt bzw. gepunktet. Bei einigen Eiern wird die Grundfarbe durch die Fleckung fast vollständig verdeckt. Die Eier sehen dann einfarbig roströtlich aus.

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Bild 18: Vollständiges Gelege des Rotkehlchens. Aufn. B. Bünger, Mariensee (04/2005).

Ausschließlich das Weibchen bebrütet die Eier aus denen nach einer Brutdauer von 13 bis 14(15) Tagen die Küken schlüpfen. Die Bebrütung beginnt nach Ablage des letzten Eies. Während das Weibchen brütet, wird es vom Männchen in der Nähe des Nestes mit Nahrung versorgt. Die Weibchen brüten sehr ausdauernd und verbleiben bei menschlicher Annäherung lange auf dem Nest bzw. fliegen nicht ab. Dabei verlassen sie sich auf die tarnende Wirkung ihres grauen Obergefieders mit dessen Hilfe das helle Gelege abgeschirmt wird.

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Bild 19: Brütendes Rotkehlchen. Aufn. B. Bünger, Mariensee (04/2005).

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Bild 20: Perfekte Tarnung - Brütendes Rotkehlchen. Aufn. B. Bünger, Mariensee (04/2005).

Die Jungen schlüpfen innerhalb von vier bis sechs Stunden. Wie bei vielen Singvögeln werden die Eierschalen vom Nest weggetragen, um den Neststandort nicht zu verraten. Die Nestlingszeit beträgt noch einmal 12(13) bis 15 Tage. Nähert sich den Jungvögeln im Nest eine Gefahr, fällt der anwesende Altvogel in eine Art Schreckstarre, damit er nicht durch seine Bewegungen das Nest und damit die Jungen verraten kann.

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Bild 21: Juvenile Rotkehlchen im Nest. Das Nest wurde unter der Decke einer überdachten Terrasse errichtet. Aufn. B. Bünger (Mariensee, 07/2004).

Gern legt der Kuckuck legt seine Eier in Rotkehlchennester. In einigen Gebieten Mitteleuropas ist das Rotkehlchen sogar die häufigste Wirtsvogelart.
Katzen, Hunde, Ratten, Mäuse, Hermeline, Mauswiesel, Eichhörnchen, Elstern und Eichelhäher sind potentielle Nesträuber und stellen nicht nur für die Jungvögel eine Gefahr dar. Auch Schnecken können frisch geschlüpfte Junge gefährden und zwar vor allem durch den aggressiven Schleim. Große Verluste werden auch durch den Straßenverkehr und durch technische Bauten, wie Sendemasten und Leuchttürme verursacht. Aber auch in Mäusefallen wurden schon Rotkehlchen, anstatt der Mäuse, gefangen.
Greifvögel (Sperber, Habicht, Mäuse- und Rauhfußbussard, Baum- und Wanderfalke sowie Merlin) und Eulen (Waldohreule, Stein- und Waldkauz) erbeuten ebenfalls viele Rotkehlchen. Nachdem die Jungen flügge geworden sind, verlassen sie gemeinsam das Nest und werden von den Altvögeln weiterhin versorgt. Die Versorgung kann aber auch vollständig vom Männchen übernommen werden, vor allem, wenn das Weibchen sich bereits um die 2. Brut kümmert. So kann es 2 bis 3 Jahresbruten geben.&

Bild Rotkehlchen (Erthacus rubecula) - Vogel des Jahres 1992

Bild 22: Juveniles Rotkehlchen kurz nach dem Ausfliegen. (Mariensee, 06/2005).

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Bild 23: Juveniles Rotkehlchen kurz nach dem Ausfliegen. (Mariensee, 06/2005).

Sobald die Jungen sich selbst versorgen können, werden sie von den Eltern aus dem Revier vertrieben. Rotkehlchen erreichen ihre Geschlechtsreife im ersten Lebensjahr.

Bestand


Der Vogel des Jahres 1992 ist ein noch häufig vorkommender Vogel. Aber auch häufige Vogelarten können als so genannte ?Indikatoren? dienen, indem sie mit Bestandsschwankungen auf kurzfristige Veränderungen innerhalb ihres Lebensraums oder auf Umwelteinwirkungen reagieren.
Für Deutschland wird ein Bestand von ca. 2 bis 5,5 Millionen Brutpaaren des Rotkehlchens angenommen.

© Dirk Schäffer (2003, aktualisiert 02/2012)