Ringeltaube (Columba palumbus LINNAEUS, 1758)

Ringeltaube (Columba palumbus LINNAEUS, 1758)


engl.: Wood Pigeon

Bild Ringeltaube (Columba palumbus)

Foto: K. Rönsch, 04/2005, Bielefeld

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Die Ringeltaube (Columba palumbus) ist unsere größte und häufigste Wildtaube. Wie kaum eine andere Vogelart hat es die Ringeltaube verstanden, sich dem Lebensraum Stadt anzupassen und wurde so in den letzten Jahrzehnten zu einem extremen Kulturfolger. Da sie zudem wenig scheu ist, kann man sie leicht beobachten.
Im Volksmund ist die Ringeltaube als Holz-, Blau-, Block-, Kohl-, Pfund- und Wildtaube bekannt.

Systematische Einordnung


Ordnung: Taubenvögel (Columbiformes)
Familie: Tauben (Columbidae)
Gattung: Feldtauben (Columba)

Vorkommen


Ringeltauben brüten mit Ausnahme von Nordskandinavien in ganz Europa. Auch in der Türkei, in Westsibirien und in Nordafrika kommt die Ringeltaube vor.

Biotop


In Waldgebieten aller Art bis zur Baumgrenze, in Feldgehölzen, Alleen, Parkanlagen und Obstgärten. Der ursprüngliche Lebensraum der Ringeltaube setzt sich aus offenen Landschaften mit kleineren Waldflächen oder Feldgehölzen zusammen. Besonders in Mitteleuropa hat jedoch schon seit längerem eine Verstädterung eingesetzt. Deshalb sind Ringeltauben heute auch in Grünanlagen, Parks, Friedhöfen und größeren Gärten heimisch.

Wanderungen


Die mitteleuropäischen Ringeltauben sind überwiegend Teilzieher. Ein Teil der Vögel zieht nach der Brutzeit in ihre Winterquartiere und die übrigen bleiben als sogenannte Standvögel im Brutgebiet. Die Winterquartiere der mitteleuropäischen Ringeltauben liegen in Westeuropa und im Mittelmeerraum.
Im Winter erhalten unsere einheimischen Ringeltauben noch Verstärkung von nordischen Ringeltauben, die bei uns die kalte Jahreszeit verbringen. Große Schwärme von mehreren hundert Exemplaren auf Feldern und Äckern sind dann nicht ungewöhnlich.

Merkmale


Ringeltauben erreichen eine Körperlänge von 40 bis 42 cm und wiegen ca. 400 bis 550 g. Die männlichen Tauben (Tauber genannt) sind etwas kräftiger gefärbt und schwerer als weibliche Tauben. Da beide Geschlechter gleich gefärbt sind, reichen die Unterschiede im Gewicht nicht aus, um die Geschlechter im Freiland unterscheiden zu können.

Aussehen der Ringeltaube:
Kopf: mohnblau, mit gelben Augen
Hals: mohnblau, mit breitem weißen Fleck
Nacken: purpurrosa glänzend mit grünem metallischen Schimmer
Rücken: graubraun mit blaugrauer Schulter
Brust/Bauch: von blaugrau in schmutzig weiß übergehend
Beine: rot
Flügel: blaugrau, mit breitem weißen Band auf der Flügeloberseite und dunklen Spitzen
Schwanz: breite schwarzgraue Endbinde

Im Flug fallen besonders die weißen Abzeichen auf den Flügeln, der Ring am Hals und der lange Schwanz mit der dunklen Endbinde auf. Auch der etwas unproportionierte Körperbau ist kennzeichnend, denn der Kopf wirkt im Verhältnis zum großen Körper als etwas zu klein geraten.
Die Flügelspannweite beträgt 0,75 bis 0,80 m. Beim Abfliegen erzeugen die Tauben einen klatschenden oder auch pfeifenden Flügelschlag.

Stimme


Das tiefe und etwas raue Gurren der Taube gehört zu den bekanntesten Lautäußerungen in der einheimischen Vogelwelt. Der fünfsilbige Reviergesang des Taubers klingt dumpf und rhythmisch ?ruhgu-ruguhu-guu?.

Die Ringeltaube kann im Freiland ein Alter von 21 Jahren erreichen.

Nahrung


Ringeltauben sind fast reine Vegetarier, die neben Früchten (vor allem Hülsenfrüchte), Samen, Pflanzenkeimen und frischen grünen Blättern von Klee, Raps und Gemüsekohl besonders gern Rapssamen sowie Getreide- und Maiskörner zu sich nehmen.
Seltener werden Würmer und Insekten erbeutet.
Im Unterschied zu den anderen Taubenarten finden Ringeltauben auch in Bäumen und Sträuchern ihre Nahrung. So werden Beeren, Eicheln, Bucheckern, Pflaumen und sogar Kirschen unzerteilt geschluckt.
Saisonal setzt sich die Nahrung unterschiedlich zusammen und kann zum Beispiel im Herbst zu 60 % aus Eicheln bestehen.
Der Nahrungsbedarf einer Ringeltaube liegt bei rund 50 Gramm am Tag. In Gärten, Gemüsefeldern und in reifen Getreideschlägen kann die Ringeltaube so als Schwarmvogel stellenweise große Schäden anrichten.
In den Städten hat sie zudem gelernt, Brotreste zu fressen und sich im Winter an den Futterhäusern durchzuschlagen.

Brutbiologie


Bereits im zeitigen Frühjahr kann man die Tauber bei ihren Balzflügen beobachten. Mit kräftigen Flügelschlägen steigt der Tauber steil auf und lässt sich anschließend mit ausgebreiteten Flügeln sowie gespreiztem Schwanz abwärts gleiten. Charakteristisch ist dabei das laute Flügelklatschen. Dieses Balzverhalten dient vor allem dazu, ein Weibchen anzulocken.
Während die Ringeltauben in Wäldern und Parks in der Regel nur zweimal brüten, können sie in der Stadt und in unmittelbarer Nähe des Menschen weitaus häufiger brüten. Im Siedlungsbereich finden sie das ganze Jahr hindurch genügend Nahrung und so brüten einzelne Brutpaare in Städten und Dörfern schon im Februar oder noch im November. In den Siedlungen brüten die Ringeltauben zudem in enger Nachbarschaft zu den verwilderten Haustauben, die dort ebenfalls in großer Zahl vorkommen.
Die Ansprüche der Ringeltauben an ihren Lebensraum sind ausgesprochen gering. Sie benötigen neben Flächen mit niedriger oder lückenhafter Vegetation für den Nahungserwerb vor allem größere Holzpflanzen als Nist- und Ruheplätze. Bevorzugter Neststandort sind Nadelbäume, aber auch deckungsreiche Stellen von Laubbäumen. Wenige Reisigzweige reichen aus, um das kunstlose Taubennest in einer Astgabel anzulegen, wenn sich ein Baum dafür findet. Zur Not wird auch an Gebäuden oder im Wein bzw. Efeu gebrütet, die an den Wänden hochranken. Während das Männchen Zweige und Wurzeln für den Nestbau herbeischafft, baut das Weibchen das Nest.
Das Gelege besteht aus zwei bis drei Eiern. Bei der Brut wechseln sich die Partner ab. Das Taubenweibchen verbringt jedoch mehr Zeit mit dem Brüten. Nach 16 bis 17 Tagen Brutzeit schlüpfen die noch blinden Küken, deren Augen sich nach acht bis zehn Tagen öffnen. Sie bleiben gut vier Wochen im Nest und werden von beiden Eltern versorgt. Die Eltern füttern die Küken in den ersten Tagen mit einer Kropfmilch, die ein sehr nährstoffreiches Sekret darstellt, dass von den Kropfwänden ausgeschieden wird.
Nach 28 bis 30 Tagen sind die Jungtauben flügge, mit 35 Tagen voll flugfähig und nach einem Jahr sind sie geschlechtsreif.

Bestand


Die Ringeltaube gehört in Deutschland zu den jagdbaren Vogelarten. Jährlich werden bei uns bis zu 900 000 Ringeltauben während des Winters geschossen. In Europa sind es bis zu 5 Millionen Tauben!
Aufgrund ihrer hohen Reproduktionsrate ist ihr Bestand trotz der hohen Abschusszahlen nicht gefährdet. In Deutschland ist die Ringeltaube der häufigste Nichtsingvogel.

© Dirk Schäffer (12/2003, aktualisiert 01/2011)