Maurensteinschmätzer (Oenanthe hispanica Linnaeus, 1758)

Maurensteinschmätzer (Oenanthe hispanica Linnaeus, 1758)


engl.: Black-eared Wheatear

Der Maurensteinschmätzer (Oenanthe hispanica), früher unter dem Namen Mittelmeer-Steinschmätzer bekannt, ist ein auffälliger Kleinvogel des offenen Geländes, der in zwei Unterarten die Regionen um das Mittelmeer besiedelt.

Systematische Einordnung


Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)
Unterfamilie: Schmätzer (Saxicolinae)
Gattung: Steinschmätzer (Oenanthe)

Vorkommen


Die Nominatform des Maurensteinschmätzers besiedelt Nordwestafrika und Südwesteuropa bis Mittelitalien und kommt letztendlich in fast allen Gebieten rund um das Mittelmeer vor. An einer Linie von Süditalien bis in das mittlere ehemalige Jugoslawien schließt sich das Verbreitungsgebiet der östlichen Unterart melanoleuca an.

Eine verwandte Art deren Verbreitungsgebiet sich mit der östlichen Unterart im ehemaligen Jugoslawien überlappt und die sich mit dieser auch verpaart und dann Hybriden erzeugen kann, ist der Nonnensteinschmätzer (Oenanthe pleschanka). Beide Arten stellen in Deutschland seltene Ausnahmeerscheinungen dar.

Biotop


Der Maurensteinschmätzer bevorzugt vegetationslose oder mit Buschwerk bewachsene Trockensteppen, steinige Flussufer und Bergflanken. Wie alle Steinschmätzer benötigt auch diese Art Bereiche mit Steinhaufen oder Geröllflächen in ihrem Lebensraum. Auf Felshügeln und anderen Anhöhen sind die Maurensteinschmätzer leicht zu entdecken, da sie von dort einen guten Überblick über ihr Revier haben.

Selbst an Gebäuden am Rande des Siedlungsbereiches und an den Begrenzungsmauern tritt diese Vogelart auf.

Wanderungen: Der Maurensteinschmätzer ist ein Langstreckenflieger, der südlich der Sahara überwintert. Als Winterquartier wird eher locker bewachsenes Grasland bevorzugt.

Merkmale


Der Maurensteinschmätzer ist ein 14,5 bis 15 cm großer Kleinvogel, mit kurzen Beinen und schwachem Schnabel. Er wirkt insgesamt schlanker und langschwänziger, als die Vertreter der anderen Steinschmätzerarten.

Generell sind die Steinschmätzerarten leicht zu verwechseln. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal stellt die - bei einigen Arten wiederum fehlende - T-förmige Zeichnung auf der Schwanzoberseite dar, die allerdings nicht immer erkennbar ist. Der weiße Schwanz des Maurensteinschmätzers weist eine auffällige Verteilung von weißen und schwarzen Abschnitten auf. Markant ist eine schmale schwarze Schwanzendbinde, die bei einigen Vögeln an den mittleren Steuerfedern unterbrochen sein kein, oder nur noch schwarze Flecken auf weißem Grund aufweist. Die mittlere Steuerfeder ist schwarz gefärbt und somit ergibt sich ein umgekehrtes „T“.

Die Männchen sind durch eine charakteristische schwarze Gesichtsmaske, die sich je nach Unterart auf die Backen beschränkt, oder auch die Kehle einschließen kann, gekennzeichnet. Im gesamten Verbreitungsgebiet kommen schwarz- und weißkehlige Vögel nebeneinander vor, wobei im Osten die Vögel mit schwarzer Kehle überwiegen. Die Oberseite ist isabell- bzw. orange isabellfarben, wirkt aber bei vielen Männchen durch die Gefiederabnutzung fast weiß. Die schwarzen Flügel heben sich von der weißen Unterseite deutlich ab.

Die Weibchen ähneln im Aussehen stark den Weibchen der anderen Steinschmätzerarten und sind so im Freiland schwer zu unterscheiden, da sie auch eine sehr variable Gefiederfärbung aufweisen. Generell haben sie ein isabellfarbenes Brustband auf weißer Unterseite mit einer düsteren bzw. weißen Kehle. Die Oberseite und der Kopf (heller Überaugenstreif) sind eher dunkel sand- oder cremefarben. Die dunkleren Flügel heben sich - vor allem im Kontrast zum weißen Bürzel - deutlich ab.

Ein auffälliges Verhalten, das alle Steinschmätzer zeigen, wenn sie beunruhigt werden, ist das Wippen mit dem Schwanz, verbunden mit Flügelschlagen. Im Gegensatz zu anderen Steinschmätzern nutzt der Maurensteinschmätzer viel häufiger die Vegetation in seinem Lebensraum und hüpft am Boden, als das er - wie die anderen Steinschmätzer - rennt.

Stimme


Der Gesang wird von einer Singwarte oder im Singflug vorgetragen und besteht, wie bei allen Schwätzerarten, aus schwätzenden und kratzigen Lautfolgen, die stark variieren und auch Imitationen anderer Arten enthalten können. Markante Rufe sind ein klickendes „zeck-zeck“ bzw. „tschüp-tschüp“.

Nahrung


Der Maurensteinschmätzer ernährt sich vorwiegend von Insekten, Spinnen und Beeren.

Brutbiologie


Jedes Maurensteinschmätzerpaar beansprucht ein großes Revier, über dem das Männchen typische Singflüge zur Revierabgrenzung durchführt.

Das Nest wird meist am Boden in einer Felsspalte, einem Steinhaufen oder in Mauerlöchern und -ritzen gebaut. Die Nestmulde wird mit Tierhaaren ausgepolstert.

Das Weibchen bebrütet im Mai bis in den Juli hinein 4 bis 6 hellblaue und manchmal rot gefleckte Eier. Die Brutdauer beträgt 13 bis 14 Tage.

Die Jungen der ersten Brut fliegen Anfang Juni aus. Ende Juni schließt sich dann meistens eine zweite Brut an.

Bestand


In einigen Gebieten kommt der Maurensteinschmätzer noch recht häufig vor.

© Dirk Schäffer (05 / 2010)