Mandarinente (Aix gelericulata LINNAEUS 1758)

engl.: Mandarin


Die Mandarinente (Aix galericulata) ist in Deutschland ein Faunenfremdling und gehört somit zu den Neozoen (griech. neo = neu und zoon = Tier). Mittlerweile hat sie sich in der Fauna etabliert und aufgrund ihres auffällig bunten Gefieders ist sie leicht zu bestimmen. Auf vielen Parkgewässern ist sie an den Menschen gewöhnt und daher auch leicht zu beobachten. Der Erpel der Mandarinenente gehört zu den farbenprächtigsten Wasservögeln überhaupt und deshalb ist diese Entenart bei Wasservogelzüchtern sehr beliebt.
Ihrem Gefieder verdankt die Mandarinente auch ihren Namen, denn es wurde früher mit den farbenprächtigen und reich verzierten Gewändern der hohen chinesischen Staatsbeamten - der Mandarine - verglichen. Auch die ausgeprägte Treue innerhalb der Brutpaare der Mandarinente besaß in China einen symbolischen Charakter, sodass man bei traditionellen Hochzeiten dem Brautpaar ein zahmes Paar Mandarinenten schenkte.


Systematische Einordnung

Ordnung: Entenvögel (Anseriformes)
Familie: Entenverwandte (Anatidae)
Unterfamilie: Enten (Anatinae)
Gattungsgruppe: Glanzenten (Cairinini)
Gattung: Aix BOIE


Vorkommen

Die Mandarinente brütet im Amur- und Ussurigebiet, in der Mandschurei, in Japan (nur noch Hokkaido und Okinawa), Nordostchina (einige Provinzen) sowie auf der koreanischen Halbinsel. Auf den Kurilen und auf Sachalin war die Mandarinente wahrscheinlich früher auch verbreitet. In der ersten Hälfte des 18. Jh. gelangte die Mandarinente nach Europa und wurde auf Parkgewässern gehalten. Zu dieser Zeit wurde die Art in großen Mengen aus China exportiert. Mittlerweile haben sich in England, Mitteleuropa und in den USA Populationen von Mandarinenten etabliert, die von in Gefangenschaft gezüchteten oder von halbzahm in Parks gehaltenen Vögeln abstammen, die entflogen waren.


Wanderungen

Die jungen Mandarinenten schließen sich nach dem Selbstständigwerden mit anderen Altvögeln zu großen Schwärmen zusammen. Zwischen August und September ziehen diese Schwärme dann südwärts in ihre Überwinterungsgebiete. Die asiatischen Mandarinenten wandern nach Taiwan, Südostchina und zu den japanischen Riu-kiu-lnseln. Einige Vögel verbleiben aber auch in Südjapan an Standorten mit milderem Klima.
Da die Winter in Europa und Nordamerika teilweise weniger streng sind, als in ihrer ostasiatischen Heimat, sind die hier lebenden Mandarinenten zu Stand- oder Strichvögeln geworden, die im Winter nicht mehr weg bzw. nur kurze Strecken ziehen. In Deutschland ist die Mandarinente Standvogel.


Biotop

Die Mandarinente ist in Parks, im Auwald, an Waldseen, Bächen, Weihern und Flüssen anzutreffen. Sie bevorzugt allerdings stehende Gewässer jeder Art, deren Ufer einen dichten Pflanzenwuchs aufweisen (s. Abbildung 1).

Abb. 1: Mandarinerpel und dahinter Stockentenpaar (K. Rönsch, Dübener Heide, 03/2005).


Merkmale

Innerhalb der Familie der Entenverwandten gehört die Mandarinente zur Gattungsgruppe der Glanzenten (Cairinini). Diese besitzen spitze Krallen, mit denen sie sich auf dünnen Ästen und Zweigen festhalten können. Diese Fähigkeit ermöglicht es ihnen in Baumhöhlen zu nisten, wo die Brut sicherer vor Nesträubern ist, als bei den bodenbrütenden Entenarten. Charakteristisch ist ebenso die Fortbewegung auf dem Land. Der Gang sieht eher hinkend aus, da Glanzenten nur bei jedem zweiten Schritt mit dem Kopf nicken.
Die Mandarinente ist mit 43 cm Körpergröße etwas größer als die Knäkente (Anas querquedula).
Im Gegensatz zum etwas größeren und farbenprächtigen Erpel trägt die Ente ein eher schlichtes und braungrau strukturiertes Federkleid (vgl. Abbildung 2 und Tabelle 1). Charakteristisch für den Erpel sind die wie Segel hochgestellten orangefarbenen bis zimtbraunen Innenfahnen der innersten Armschwingen. Im Schlichtkleid ähnelt der Mandarinerpel allerdings der Ente, weist dann aber einen rötlichen Schnabel - im Gegensatz zum grau gefärbten der Ente - auf. Die Jungen ähneln der Ente, haben aber am Kopf fast keine weiße Zeichnung und wirken auf der Unterseite insgesamt gestreifter.

Abb. 2: Mandarinerpel (links) und dazu im Vergleich im rechten Bild die Ente
(K. Rönsch, Dübener Heide, 03/2005).

Tab. 1: Gefiederzeichnung und Merkmale der Mandarinente.

Merkmal Erpel (♂) Brutkleid Ente (♀)
Gewicht 628 g 512 g
Kopf leuchtend orange Schmuckfedern (lange Haube), Oberkopf dunkel, weiße Kopfseiten, untere Kopfseiten orange grau, fein haarartig gestreift
Stirn dunkel, grün glänzend
Augen weißer Augenring schmaler weißer Augenring, mit vom Auge zum Nacken verlaufenden weißen Streifen
Iris dunkelbraun dunkelbraun
Schnabel hellroter Schnabel mit weißer Spitze (heller Nagel) graubraun mit weißlichem Nagel
Hals lange orangefarbene Federbüschel
Rücken oliv braun graubraun
Brust kastanienbraun, Ansatz weiß hell getüpfelt
Bauch weiß hell getüpfelt
Flanken bräunlichgelb, am oberen Rand schwarzweiß gebändert hell getüpfelt
Flügel Ellbogenfedern als orangefarbene Segel, äußerste Armschwingen grün mit weißen Spitzen, Oberflügeldecken braun, Unterflügel dunkel graubraun dunkelbraun, Spiegel grünlich metallglänzend
Füße gelblich gräulich gelb
Schwanz breit und abgerundet


Die Mandarinente sitzt zum Ruhen gern auf Ästen oder auf Steinen, die aus dem Wasser ragen. Sie ist zudem ein wendiger und schneller Flieger und fliegt geschickt im Wald zwischen den Bäumen.


Stimme

Die Mandarinente ist eine eher schweigsame Ente und ruft vor allem während der Balz. Der Erpel ruft im Flug „wuick“ und die Ente ruft z. B. beim Führen der Jungen „kett“.


Nahrung

Die Mandarinente nutzt vorwiegend die Morgen- und Abenddämmerung zur Nahrungssuche. Dabei ist sie nicht wählerisch und frisst Sämereien, Eicheln, Nüsse, Getreidekörner, Würzelchen, Schösslinge und Wasserpflanzen. Aber auch tierische Kost - wie Würmer, Schnecken, Fischlaich und Insekten - gehört in das Nahrungsspektrum.
Bei der Nahrungsaufnahme schwimmt sie im Wasser seihend und gründelnd, weidet an Land im Pflanzenwuchs oder hascht nach Kleintieren.


Brutbiologie


In Deutschland brütet die Mandarinente nahe am Wasser in Baumhöhlen, in ausgefaulten Baumstubben und in Nischen von gefällten Baumstämmen. Aber auch Spechthöhlen im Wald und Nistkästen werden zur Brut genutzt. Die Wahl des Nistplatzes wird vor allem von der Ente getroffen, während der Erpel den Nistplatz gegen Artgenossen verteidigt. Die einmal ausgewählten Nistplätze werden auch in den Folgejahren wieder für die Brut benutzt.
Nachdem die Ente den Nistplatz mit Gras und Daunenfedern ausgepolstert hat, legt sie im Juni/Juli 7 bis 12 gelbliche Eier, die sie 28 bis 30 Tage lang bebrütet. Während der Brutzeit sitzt die Ente sehr fest auf dem Nest. So blieben einige Enten auf ihrem Gelege sitzen, als ihr Brutbaum gefällt wurde.
Die Küken sind Nestflüchter und springen bald nach dem Schlüpfen aus der Bruthöhle herunter, um dann ans Wasser zu laufen. Beim Sprung können sie sich nicht verletzen, da ihre Knochen noch weich und elastisch sind. Wenige Stunden nach dem Schlüpfen können sie bereits schwimmen, und sich selbständig ernähren. Die Eltern verteidigen die Küken allerdings vor Fressfeinden.


Bestand

Die Mandarinente ist in ihrem Bestand gefährdet. Schon immer wurde sie in Ostasien aufgrund ihres Fleisches gejagt. Zudem ändern sich die Bedingungen in ihrem gesamten Verbreitungsgebiet. Überall werden Feuchtgebiete trocken gelegt und Wälder abgeholzt, um neues Ackerland zu schaffen. Damit werden die Lebensräume für alle Wildvogelarten und nicht nur für die Mandarinente großräumig verkleinert. Die früher weit verbreitete Mandarinente ist heute nur noch auf inselartige Vorkommen in ihrem einstigen Verbreitungsgebiet beschränkt. Da die Mandarinente zudem sehr stark auf ihre traditionellen Brutplätze geprägt ist, wird sie von diesen Veränderungen besonders betroffen, da sie zu jeder Brutsaison an ihren traditionellen Brutplatz zurückkehrt. Existiert der Brutplatz nicht mehr, bleiben die Brutpaare am Ort, ohne zur Brut zu schreiten. Zwar gibt es im Fernen Osten mittlerweile einige Schutzgebiete, die auch sichere Brutplätze für die Mandarinente bieten, doch reichen diese flächenmäßig noch nicht aus. Zudem müssen auch die Gefahren, die auf den Zugwegen bestehen, durch die Schaffung von sicheren Rastplätzen ausgeschlossen werden und der Schutz muss auf die Überwinterungsgebiete ausgedehnt werden.
So gab es in Nordjapan Mitte der 80iger Jahre nur noch ca. 4.500 bis 5.000 und in China noch ca. 1.000 Brutpaare. Im Fernen Osten der ehemaligen Sowjetunion waren es 600 Paare.
Mittlerweile leben allerdings in England ca. 2.400 Mandarinenten, 1951 waren es noch 500. Damit stellt diese Population einen wichtigen Anteil für den Bestand der Art dar. Auch in Österreich, der Schweiz und in Holland gibt es Bestände freilebender Mandarinenten.
In Deutschland geht ein Bestand auf Vögel des Berliner Zoos zurück. In Nordrhein-Westfalen werden seit 2000 Mandarinenten farbberingt, um mehr über die Ausbreitung und Lebensweise dieser Vogelart zu erfahren.

© Dirk Schäffer (03/2011)