Haubentaucher (Podiceps cristatus) - Vogel des Jahres 2001

Haubentaucher (Podiceps cristatus) - Vogel des Jahres 2001


engl.: Great Crested Grebe

Bild Haubentaucher (Podiceps cristatus)

Foto: K. Rönsch, 07/2004, Müritz

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Der Haubentaucher gehört zur Vogelfamilie der Lappentaucher. Die Zehen der Arten dieser Familie sind nicht wie bei Entenvögeln mit Schwimmhäuten verbunden, sondern die drei Vorderzehen sind mit faltbaren Hautlappen ausgestattet und daher der Familienname. Der Name des Haubentauchers ergab sich aus der markanten Federhaube, die erwachsene Vögel im Prachtgefieder während der Brut tragen. Seit der ersten Hälfte des 20. Jh. konnte der Haubentaucher sein Areal, besonders nach Norden hin, erweitern. Die Ursache dafür ist die zunehmende Eutrophierung der Gewässer, die mit einer Vermehrung der Weißfische einher ging und die Anlage von Fischzuchten in Stauseen.

Systematische Einordnung


Ordnung: Lappentaucher (Podicipediformes)
Familie: Lappentaucher (Podicipedidae)

Vorkommen


Der Haubentaucher besiedelt Eurasien bis China sowie Nordafrika (Marokko, Algerien und Tunesien) sowie vereinzelt das Nildelta. Die Nordgrenze in Europa umfasst Schottland, Südnorwegen, Mittelschweden und Finnland. Im Süden reicht das Vorkommen bis Südspanien bzw. Südfrankreich, Albanien, Bulgarien und Südrussland. Selten brütet er auf Sizilien, vereinzelt aber auch auf Korsika und Sardinien. Früher brütete er auch auf Zypern.
Die Mittelgebirge Mitteleuropas werden - vorausgesetzt, es sind geeignete Gewässer vorhanden - bis zu einer Höhe von 500 m (in Bayern bis 800 m) besiedelt.
In Australien, Tasmanien und in Neuseeland siedelt eine andere Rasse, ebenfalls in Afrika südlich der Sahara. Haubentaucher sind je nach den Bedingungen Stand-, Strich- oder Zugvögel. Dabei kann sich das Zugverhalten sowohl zwischen einzelnen Individuen als auch zwischen den Populationen unterscheiden. Von den mitteleuropäischen Haubentauchern ziehen einige bis zu den Schweizer Seen wo sich große Überwinterungsplätze befinden. Die am Brutort verbleibenden erhalten oft Zuzug aus Nordeuropa. Viele Taucher überwintern aber auch an der skandinavischen Küste sowie im Nord- bzw. Ostseegebiet.

Aussehen


Mit etwa 50 cm Größe ist der Haubentaucher ungefähr ebenso groß wie die Stockente aber schlanker und mit langem Hals. Die Männchen können bis 1,4 kg schwer werden und die Weibchen wiegen mit 0,9 bis 1,2 kg etwas weniger. Männchen und Weibchen sind gleich gefärbt: Der Hals und die Bauchunterseite des Gefieders, das aus bis zu 20.000 Federn bestehen kann, sind weiß. Die Körperseiten sind rostbraun und die Oberseite ist schwarz gefärbt. Das auffallendste und markanteste Merkmal ist die im Frühjahr und Sommer rotbraun und schwarz gefärbte, zweigeteilte Federhaube. Dazu kommt ein rotbrauner Backenbart mit Halskrause. Das Ruhekleid der Wintermonate sieht ähnlich aus. Der Kopf ist fast ganz weiß. Die Federhaube, der Backenbart und die Halskrause sind nur durch einige schwarze Federn angedeutet. Die Jungvögel heben sich durch eine bräunlich weiße Längsstreifung an Kopf und Hals deutlich von den Alten ab. Die Rufe des Haubentauchers - besonders zwischen den Brutpartnern - sind ein lautes ?Gröck gröck" oder ?Köck köck köck". Besonders bei der imposanten Balz wird fast trompetend vokalisiert. Nach einem kurzen Startlauf auf der Wasseroberfläche startet der Haubentaucher mit kurzen aber schnellen Flügelschlägen zum Flug.
Haubentaucher können ein Alter von bis zu 15 Jahren erreichen.

Brutbiologie


Die Balz der Haubentaucher ist ein kompliziertes Ritual, das sich aus verschiedenen Bewegungen und Rufen zusammensetzt. Man unterscheidet vier Balzphasen: Die Kopfschüttelzeremonie, das Nebeneinanderherschwimmen, den Pinguin-Tanz und die Entdeckungszeremonie. Beide Partner suchen den Neststandort in der Ufervegetation (vornehmlich Schilf und Binsen) der Verlandungszone aus und besetzen dann ein Brutterritorium. Das Nest wird aus Schilfhalmen, Algen und kleinen Zweigen gebaut. Es schwimmt auf der Wasseroberfläche, ist sehr gut verankert und somit gut vor Feinden geschützt. Fehlt natürliches Nestbaumaterial werden auch Äste, Plastik und Papierfetzen verbaut. Die oberste Nestschicht besteht aber immer aus abgestorbenen Wasserpflanzen, die beim Tauchen vom Gewässergrund gesammelt werden. Auch wenn das Weibchen schon brütet, wird noch Nistmaterial herbeigeschafft. Manchmal wird das Nest aber auch recht offen in der Mitte von Kleingewässern gebaut. An großen Gewässern kann es zum kolonieartigen Brüten kommen.
Der Nestbau dauert 6 bis 8 Tage, manchmal auch bis zu 28. Die 2 bis 6 Eier (meistens aber vier) sind länglich, von weißer Farbe, wiegen ca. 38 g und werden frühestens ab März gelegt. Während der Brutzeit, die 27 bis 29 Tage dauern kann, verbauen die Altvögel noch weiteres Baumaterial. Im Mai bzw. Juni schlüpfen 3 bis 7 Junge. Die Küken schlüpfen bereits sehend und können vom ersten Tag an schwimmen und tauchen. Allerdings verstecken sich die jungen Taucher anfangs noch oft im Gefieder der Altvögel und lassen sich so auf bequeme Art und Weise transportieren. Dies dauert bis zu 20 Tage. Bei 1 bis 2 Jungen kümmern sich beide Elternvögel um diese wobei eine Aufteilung des Aufgaben vorgenommen wird. Meistens führt ein Elternteil die Jungen, während der andere das Futter heranschafft. Größere Bruten werden auf die Elternvögel verteilt wobei dann auch Jungvögel der ersten Brut die Jungen mitführen. Überwiegend findet nur eine Jahresbrut statt. Es kommen aber auch zweite und dritte Bruten vor. Oftmals werden die Gelege von Bleßrallen geplündert, für die Haubentauchereier eine willkommene Mahlzeit sind. Vor allem die frisch geschlüpften Küken werden oft von Fischen (Hecht) und anderen Feinden (Fischotter, Fuchs und Reiher) erbeutet, da sie sofort nach dem Schlüpfen auf das Wasser geführt werden.

Nahrung


Die Hauptbeute des Haubentauchers besteht aus Fischen. Wobei überwiegend Oberflächenfische (Cypriniden) und Flussbarsche mit einer Länge von 10 bis 15 cm (max. 25 bis 27 cm) gefangen werden. Aber auch Insekten und deren Larven, Spinnen, Frösche und ihre Kaulquappen, gelegentlich auch Ringelnattern sowie Crustaceen stehen auf dem Speiseplan des Tauchers. Auch Pflanzenreste (Früchte und Samen) werden gefressen. Haubentaucher können im Maximum bis zu 40 m tief tauchen und 50 sec lang unter Wasser bleiben. Normalerweise tauchen sie aber nur 2 bis 4 m tief und so ein Tauchgang dauert weniger als 45 sec. Beim Schwimmen erreicht der Haubentaucher 4 bis 7 km/h. Von den Tauchgängen am Tage sind nur 5,0 % erfolgreich. Deshalb wird vermutet, dass die Vögel hauptsächlich nachts fischen, um dies zu kompensieren. Die Nahrung wird aber nicht nur tauchend erbeutet. Auch von der Wasseroberfläche werden Insekten u.a. Beutetiere abgesammelt. Der tägliche Nahrungsbedarf beträgt 200 g. Da alle Beutetiere vollständig verschluckt werden, kommt es zur Bildung von Gewöllen aus unverdaulichen Nahrungsbestandteilen. Deshalb nehmen die Vögel Federn auf, die sie sich ausrupfen und auch an ihre Jungen verfüttern. So hat man im Magen eines Kükens 300 Federn der Eltern gefunden. Die Federn führen zu Verklumpungen und können diese können dann ausgewürgt werden.

Bestände


Einige Teile seines mitteleuropäischen Brutgebietes hat der Haubentaucher erst in diesem Jahrhundert besiedelt (z.B. Westfalen und viele Alpenseen der Schweiz und Österreichs).
In Deutschland brüten nach Schätzungen etwa 22.000 bis 32.000 Brutpaare des Haubentauchers.
Wie die meisten Wasservögel wird auch der Haubentaucher von der ?Freizeitgesellschaft" gejagt. Badebetrieb und Wassersport in Ufernähe oder Sportangler im Schilfgürtel stören die Brut. Bereits ein einzelner Segler reicht aus, um bis zu 90 % der Wasservögel im Umkreis von 500 Meter zu verscheuchen. Und schon ein einzelner Angler kann zu einer Halbierung der Bestandsdichte brütender Wasservögel führen. Die wirkungsvollste Maßnahme zum Schutz des Haubentauchers ist die Sicherung geeigneter Lebensräume. Deshalb ist es insbesondere an kleineren Gewässern notwendig geeignete Brut- und Ruhezonen auszuweisen, in denen keine Freizeitaktivitäten erlaubt sind.
Aber auch strenge Winter können zu starken natürlichen Verlusten innerhalb des Bestandes führen.