Grauschnäpper (Muscicapa striata)

Grauschnäpper (Muscicapa striata)


engl.: Spotted Flycatcher

Bild Grauschnäpper (Muscicapa striata)

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Grauschnäpper gehören zur Vogelfamilie der Fliegenschnäpper und sind äußerst fluggewandte und geschickte Singvögel, die ihre Nahrung, vor allem fliegende Insekten, im Flatterflug aus der Luft greifen. Der Grauschnäpper ist unsere größte und verbreitetste heimische Schnäpperart. Er ist sehr unscheinbar gekennzeichnet, aber nicht sehr scheu. Außer an Waldrändern und in lichten Laubwäldern, kann man den Grauschnäpper mittlerweile auch in Dörfern sowie in den Friedhöfen, Parks und Gärten der Großstädte beobachten, wo er zum Brüten oft die unmittelbare Nähe des Menschen sucht.

Systematische Einordnung


Ordnung: Sperlingsvoegel (Passeriformes)
Familie: Fliegenschnäpper (Muscicapidae)

Vorkommen


Während der Brutzeit ist der Grauschnäpper in ganz Europa (außer Island) und in Teilen Nordafrikas anzutreffen. Dabei dringt er über die boreale gemäßigte Zone bis südöstlich des Baikalsees und bis in die nordöstliche Mongolei vor. Im Süden werden der Sinai, der südliche Iran und Pakistan erreicht. Die nördliche Verbreitungsgrenze der Art verläuft in Fennoskandinavien bis über 70°N und am Jenissej noch bis über 61°N. Grauschnäpper besiedeln lichte Wälder, Friedhöfe, Alleen, Parks und Gärten, aber auch Dörfer und städtische Gebiete. Gern werden Waldränder, halboffene bis offene Landschaften und Waldlichtungen mit absterbenden Bäumen bewohnt. Wichtig sind hohe alte, lichtdurchlässige Bäume mit offenen Kronen, oder andere exponierte Ansitzmöglichkeiten, die an Freiflächen grenzen, so dass der Vogel gute Möglichkeiten zur Insektenjagd hat.

Wanderungen


Der Grauschnäpper ist ein Zugvogel und gehört unter diesen zu den Langstreckenziehern. Er kommt im ersten Maidrittel aus dem Winterquartier zurück und trifft damit spät im Frühjahr wieder bei uns ein. Er hat dann einen sehr weiten Reiseweg hinter sich, da Grauschnäpper im südlichen Afrika (Mount Kenia, Kapland) und in Zentralafrika bzw. in der südlichen Feuchtsavannen-Zone überwintern. Einige Vögel überwintern bereits in Senegambien und im Grenzbereich zwischen Mali und Guinea. Damit wird ein riesiges Gebiet als Winterquartier genutzt, für das es bisher noch nicht sehr viele Wiederfunde gibt. Bis in den September hinein halten sich die Vögel im Brutgebiet auf, wobei einzelne Vögel bei mildem Herbstwetter noch bis in den Oktober bzw. November zu beobachten sind. Während des Zuges können stellenweise beachtliche Leistungen erreicht werden. So können an einzelnen Tagen 120 km und mehr zurückgelegt werden.

Aussehen


Mit 13 bis 15cm Länge ist der Grauschnäpper kleiner als der Sperling. Die Spannweite beträgt ca. 24 cm und es wird ein Körpergewicht von ca. 15 g erreicht. Die namengebende Grundfarbe des Grauschnäppergefieders ist ein unscheinbares aschgrau. Der Scheitel sowie Kehle, Bauch und Brust sind dunkelgrau gestrichelt. Die Oberseite des Gefieders ist aschbraun und die Unterseite grauweiß gefärbt. Im Vergleich zum Trauerschnäpper ist der Schnabel des Grauschnäppers etwas länger und schmaler. Grauschnäpperweibchen unterscheiden sich optisch nicht von den Männchen. Die Jungvögel sind anfangs gefleckt. Besonders markant sind die aufrechte Körperhaltung des Grauschnäppers sowie das häufige Zucken mit Schwanz und Flügeln. Die eher schwach ausgebildeten Beine werden selten zum Hüpfen oder Trippeln bei der Nahrungssuche verwendet, da der Vogel zur Fortbewegung immer in der Luft ist. Grauschnäpper sind insgesamt sehr stimmfreudig, haben jedoch ein geringes Gesangsrepertoire, das vor allem einen kurzen scharfen Lockruf beinhaltet, der sich wie ?pst? oder auch ?tzt? (tzk) anhört. Der Gesang ist aber eher leiser und wird gepresst mit eingeschobenen Trillerlauten vorgetragen. Dies hört sich an, wie ?zi-tek-tek?. Der charakteristische Warnruf erfolgt in ein bis zwei kurzen, trockenen und schnalzenden Tönen und kann mit ?teckteckteck? beschrieben werden. Grauschnäpper werden nicht sehr alt. Die ältesten Ringvögel wurden knapp 8 Jahre alt, einer lebte 9,2 Jahre.

Brutbiologie


Da Grauschnäpper überhaupt nicht scheu sind, brüten sie gern in unmittelbarer Nähe des Menschen. Das Nest wird daher vorzugsweise an oder in Gebäuden angelegt Dazu werden Dachvorsprünge, Veranden, Dachbalken, verschiedenartige Mauerlöcher und Wandbewuchs (z.B. Efeu) genutzt. Da die Art in der Nistplatzwahl nicht sehr wählerisch ist, wird das Nest auch hinter loser Rinde von Bäumen, in Astkehlen, in Baum- bzw. Spechthöhlen, hinter Fensterläden, im Wurzelteller umgestürzter Bäume und in Holzstapeln angelegt. Die bevorzugte Nisthöhe beträgt ein bis vier Meter. Grauschnäpper sind sogenannte Halbhöhlenbrüter, die daher auch gern die dementsprechend angefertigten Nistkästen (Halbhöhlen) und Schwalbenbretter (Nisthilfen für Rauchschwalben) zur Brut nutzen, die sich mit relativ wenig Bauaufwand anfertigen lassen. Das recht große Nest steht deshalb auch oft ziemlich offen. Vom Grauschnäpper sind auch viele kuriose Neststandorte - wie z.B. in Blumentöpfen und ?kästen, Zaunpfählen, Konservendosen, Verkehrsampeln, Türkränzen, Gittermasten, in den nicht ungefährlichen Harzauffangbehältern, in Laternen und Lampen, Tor- und Türangeln - bekannt. Auch Winterfutterhäuschen dienen oft als Neststandorte. Manchmal werden auch alte Schnäppernester aus dem Vorjahr oder die bereits herunter getretenen bzw. intakten Nester anderer Arten (z.B. von Buchfink, Stieglitz, Drosseln, Grünfink, Türkentaube sowie auch Mehl- und Uferschwalbe) für die Brut genutzt. Auf schmalen und langgestreckten Unterlagen kann es zum Bau von bis zu 10 Nestern nebeneinander (Reihennester) kommen, wobei es dann auch zum Verteilen der Eier auf zwei Nester kommen kann. Diese Reihennester werden dann auch für die zweite Brut genutzt. Das Nest besteht aus locker zusammengefügten Halmen, Wurzeln, Haaren, Moos, Rindenstückchen, Bast, Halme, Flechten, Algen, Samen, Blüten und aus Abfallstoffen (Schnüre, Wolle, Fäden, Textilien, Fasern). Das Männchen bringt oft nur anfangs Baustoffe zum Nest, die das Weibchen nach seinen Körpermaßen verbaut, indem es das Baumaterial mit der Brust zusammendrückt und anschließend mit den Beinen, sich dabei drehend, fest antritt. Zwischenzeitlich wird neues und altes Baumaterial immer wieder mit dem Schnabel neu angeordnet. Die Hauptarbeit beim Nestbau leistet das Weibchen. Einige Männchen beteiligen sich auch gar nicht am Nestbau. Abschließend wird das Nest innen warm mit Federn ausgelegt. Nach ungefähr zwei Tagen Bauzeit ist das Nest fertig. Die Brutzeit beträgt ca. 12 bis 15 Tage. Das Weibchen bebrütet die drei bis sechs Eier allein. Deren Färbung kann sehr variabel sein und reicht von rahm-/grünlichweißer bis zu bläulich-grauer Grundfarbe mit bräunlicher bis rotbräunlicher oder auch lilagrauer Fleckung bzw. Strichelung. Die Eier sind 18,4 x 13,6 mm groß und wiegen zwischen 1,65 und 2,10 g. Das Legen der Eier erfolgt im Intervall von 24 h. Die Bebrütung erfolgt mit dem Legen des letzten oder vorletzten Eies. Demzufolge erfolgt der Schlupf der Jungen über bis zu drei Tage verteilt. Während der Brut wird das Weibchen vom Männchen auf dem Nest gefüttert. Die geschlüpften Jungen verlassen nach ca. 12 bis 15 Tagen Fütterung das Nest. Um die Jungen ausreichend zu füttern, fliegen beide Altvögel an warmen Tagen mit reichlich Insektenflug bis zu fünfhundert Mal das Nest an. Die Nestlingszeit kann sich allerdings bei nassem Wetter, wenn keine Insekten fliegen, verzögern. Bei günstigem Wetter kann die Fütterung bis in die späten Nachtstunden erfolgen. Viele Bruten fallen Beutegreifern, wie z.B. Wanderratte, Hermelin, Eichhörnchen, Katze, Buntspecht, Rabenvögeln, Steinkauz u.a. zum Opfer. Die Brutsaison dauert von Mai bis Juni/Juli und es werden 1 bis 2 Bruten durchgeführt.

Nahrung


Der Grauschnäpper ist ein sogenannter Ansitzjäger, der sich vorrangig von einer Sitz- bzw. Fangwarte aus von großen Fluginsekten ernährt. Eine solche Sitzwarte sind besonders exponierte trockene Zweige, oder auch hohe Zaunpfähle und Stangen sowie stehengelassene alte Baumstämme, auf denen der Vogel frei und sehr gerade aufgerichtet sitzt. Fliegt ein Fluginsekt vorbei, fliegt der Schnäpper blitzschnell auf und hascht es geschickt mit einem hörbaren Schnabelklappen aus der Luft, um anschließend an seinem Platz zurückzukehren. Selbst die rasanten Tagfalter mit ihrem unberechenbaren und schnellem Zickzackflug entgehen ihm auf diese Art und Weise nicht. Als weitere Jagdmethode nutzt er auch den Rüttelflug, indem er schwebend Insekten und Spinnen von den Rinden der Bäume und von Hauswänden wegschnappt. Gefressen werden Schweb- und Kotfliegen, Schnaken, Mücken, Eintagsfliegen, die geflügelten Geschlechtstiere der Ameisen und Termiten, Schlupf- und Faltenwespen, Bienen und Hummeln, auch Blattläuse, Tag- und Nachtfalter, Libellen, Florfliegen, Käfer, Wanzen und kleine Heuschrecken. Bei schlechtem Wetter kann notfalls auch auf Regenwürmer ausgewichen werden. Die erbeuteten Fluginsekten werden gegen eine stabile Unterlage geschlagen, so dass ihre Flügel und die sperrigen Beine abbrechen. Insektenstacheln werden ebenfalls entfernt. Mittelgroße Libellen und Kleine Füchse (Tagfalterart) werden allerdings vollständig verzehrt. Die unverdaulichen Chitinhüllen der Insekten werden später als Gewölle ausgewürgt. Beeren (z.B. Schneeball, Traubenkirsche, Liguster, Himbeere, Hartriegel und Holunder) ergänzen den Speisezettel.

Bestand


Der Grauschnäpper ist noch auf keiner Roten Liste verzeichnet, aber die Bestandsentwicklungen in vielen Regionen ist durchaus als negativ anzusehen. Teilweise ist der Bestand auch starken Schwankungen unterworfen, die eine generelle Aussage erschweren. Im Brutgebiet sind vor allem der verstärkte Einsatz von Insektiziden und der damit verbundene Rückgang an Fluginsekten sowie die Entnahme von Altbäumen, die mit Halbhöhlen- und Höhlen ausgestattet sind bzw. die durch Renovierung glatt verputzten Wände der Häuser als negative Faktoren anzusehen. Der Schwerpunkt liegt aber offenbar ? wie bei anderen Insektenfressern (z.B. Rauch- und Uferschwalbe) auch, die in Afrika überwintern, an den immer ungünstiger werdenden Bedingungen im Überwinterungsgebiet. Auch hier verstärkt sich der Biozideinsatz und dazu kommen anhaltende Dürreperioden in den Rastgebieten in der Sahelzone. Ebenso sind auch für den Grauschnäpper in den sogenannten Wirtschaftswäldern Altholzinseln wichtig. Erforderlich ist aber auch der Erhalt von Altbäumen und abgestorbenen Bäumen in den Gärten und Parks der Siedlungszonen. Generell gilt es die Bestandsentwicklung und die dafür verantwortlichen Einflussfaktoren im Auge zu behalten.