Fitis / Fitislaubsänger (Phylloscopus trochilus, LINNAEUS 1758)

engl.: Willow Warbler

Abb. 1: Fitis (Phylloscopus trochilus).


Der Fitislaubsänger, oder kurz Fitis, ist ein noch häufiger Brutvogel in Deutschland.
Wie alle Laubsänger ist auch der Fitis ein kleiner und unscheinbarer Vogel, der sich eher durch seinen Gesang, als am Aussehen von anderen Laubsängern – vor allem dem Zilpzalp (Phylloscopus collybita) unterscheiden lässt.


Systematische Einordnung

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Familie: Grasmücken / Zweigsänger (Sylviidae)
Gattung: Laubsänger (Phylloscopus)


Vorkommen

Das Verbreitungsgebiet des Fitis ist sehr ausgedehnt und man findet den Vogel in der gesamten Paläarktis von Nordwestfrankreich, Großbritannien, Irland bis nach Ostsibirien. Die Südgrenze des geschlossenen Verbreitungsgebietes bilden in Europa die Alpen.
Dabei stellen der Südural, Nordkasachstan und die mittelasiatischen Gebirge die Grenze dar.


Biotop

Während der Brutzeit trifft man den Fitis in einer Vielzahl von Biotopen an, die ihm gute Deckung geben. Bevorzugt werden aufgelockerte Wälder und Waldränder sowie Schonungen. Baumbestände mit dichtem Kronenschluss werden weitestgehend gemieden. Dafür sollte eine ausgebildete, aber noch besonnte Strauchschicht und eine üppige Krautschicht vorhanden sein. Im Gegensatz zum Zilpzalp werden auch ausgesprochen feuchte Biotope, wie z. B. Au- und Bruchwälder, sowie Hochmoore mit Gehölzanteil besiedelt. Da der Flächenbedarf des Fitis noch geringer ist als der des Zilpzalp, findet man den Fitis auch in baumlosen Gebüschbeständen, verbuschten Böschungen bzw. in kleinsten Bauminseln. Selten kann man ihn in Parks antreffen, es sei denn diese sind buschreich.
Außerhalb der Brutzeit halten sich die Fitisse gern im Röhricht, in Weiden, an Ufern und sogar am Strand auf.
Im europäischen Hochgebirge findet man den Fitis bis in Höhen von 1.500 sowie stellenweise bis 1.700 m.
Wanderungen
Der Fitis ist ein Langstreckenzieher, der vor allem nachts zieht und zwischen 6.000 bis 13.000 km zurücklegt, um sein Winterquartier zu erreichen. Er kann Fluggeschwindigkeiten von bis zu 39 km/h und Tagesleistungen von durchschnittlich 85 km/Tag erreichen. Bereits im Juli / August ziehen die meisten Vögel nach Süden.
Das Hauptüberwinterungsgebiet liegt im südlichen Afrika. Dort findet man ihn sowohl in der Feuchtsavanne und in Trockenwäldern als auch in der Dornsavanne.


Merkmale

Zwischen Männchen und Weibchen gibt es keine Unterschiede in der Gefiederkennzeichnung. Die Geschlechter können allerdings durch Messen der Flügellänge unterschieden werden. Daher und aufgrund der Verwechslungsgefahr wird zwischen Fitis und Zilpzalp verglichen (s. Tabelle 1).

Im Sommer wird das Gefieder des Fitis durch Abnutzung an der Oberseite mehr graubraun und an der Unterseite mehr weißlicher.

Tab. 1: Aussehen und Merkmale.

Merkmale Weidenlaubsänger/Zilpzalp Fitis/Fitislaubsänger
Größe/Gewicht 7 – 10 g 8 – 9,6 g; geringfügig größer, aber schlanker und langflügeliger als Zilpzalp
Kopf Oberkopf oliv braun Oberkopf olivgrün bis -braun
Überaugenstreif blassgelb/ bräunlich getönt, verwaschen und wenig über dem Auge nach hinten reichend weißlich bis blassgelb, aber deutlicher als Zilpzalp
Iris dunkelbraun dunkelbraun
Wangen / Kehle schmutzig weiß / braunweißlich mit m. o. w. deutlicher blass zitronengelber Längsstreifung weißlichgrau bis weißlichgelb
Schnabel braunschwarz; Basis Unterschnabel gelbbräunlich Oberschnabel braun; Unterschnabel gelblich und mit dunklerer Spitze
Rücken / Nacken oliv braun olivgrün bis -braun; grünlicher und heller als Zilpzalp
Flügel Oberflügel dunkelbraun mit olivgrünlichen Außenkanten der Steuer- und Schwungfedern Länge: 5,2 bis 6,7 cm Unterflügeldecken zitronengelb Oberflügeldecken dunkelbraun mit breiten olivgrünen bis oliv braunen Rändern Flügellänge: ♂ 6,5 bis 7,3 cm ♀ 6,1 bis 6,7 cm Unterflügeldecken zitronengelb
Flügelformel 2. Handschwinge deutlich länger als Zilpzalp
Brust schmutzig weiß / braunweißlich mit m. o. w. deutlicher blass zitronengelber Längsstreifung weißlichgrau bis weißlichgelb, stellenweise lebhaft hellgelb
Bauch / Flanken schmutzig weiß / braunweißlich; Bauchmitte weißer; mit m. o. w. deutlicher blass zitronengelber Längsstreifung weißlichgrau bis weißlichgelb, stellenweise lebhaft hellgelb
Beine mittel bis dunkelbraun bzw. schwarzbraun; Zehenunterseite gelblich; Krallen schwarz hell- bis mittelbraun und deutlich heller als Zilpzalp Manchmal auch dunkelbraun! Zehenunterseite schmutzig bis leuchtend gelb oder orange
Bürzel gelblich(grün) getönt
Schwanz Unterschwanzdecken mehr gelb dunkelbraun; Unterschwanzdecken weiß mit schwach hellgelbem Saum


Die ältesten Ringvögel erreichten ein Alter von bis zu 10 Jahren.
Stimme: Der Gesang, der von einem Zweig oder einer Baumspitze vorgetragen wird, ist eine weiche, abfallende Tonfolge und sehr einprägsam. Mit zunehmender Brutzeit wird die Gesangsstrophe umfangreicher und länger, da neue Elemente in den Gesang eingebaut werden. Die Gesangsphase ebbt bereits während der Brutzeit ab und endet stellenweise mit der Mauser bereits im Juni. Selten singen einzelne Männchen noch im Sommer, oder im Herbst.


Nahrung

Für den Fitis bilden kleinere Insekten, die er an Bäumen oder darunter im Unterholz bzw. in den Büschen findet, die Nahrungsgrundlage. Unentwegt untersucht er Blätter, Knospen und dünne Zweige nach Insekteneiern, kleinen Raupen, Larven (z. B. von Blattwespen und Schwebfliegen), kleinen Käfern (Rüßler, Lauf- und Blattkäfer), kleinen Schmetterlingen (Wickler und Spanner), Blattläusen, Wanzen, Spinnen, Fliegen, Schweb-, Köcher-, Eintags- und Steinfliegen. An kalten Tagen wird gern über der Oberfläche von Gewässern nach Mücken u. a. Insekten gejagt, oder auch direkt am Boden im Laub.
Beere und Früchte werden nur gelegentlich im Herbst gefressen.


Brutbiologie

Die Männchen kehren ab Mitte April und ein bis 3 Wochen früher als die Weibchen zu den Brutplätzen zurück. Jedes von ihnen besetzt ein Brutrevier, wobei sich die Grenzen zum Nachbarn überlappen können. Sobald die Weibchen eintreffen, gehen die Männchen auf Partnerinnensuche, die innerhalb weniger Stunden abgeschlossen sein kann. Bei der späteren Balz kommt es zu Imponierflügen und zum Flügelvibrieren, das von beiden Partnern ausgeführt wird. Einige Männchen verpaaren sich mit mehreren Weibchen.
Die Wahl des Neststandortes wird vom Weibchen getroffen, das dabei nicht auf die Reviergrenzen achtet. Gut verborgen auf, oder kurz über dem Boden in Gräsern, Heidekraut und Kräutern der Krautschicht wird das Nest errichtet. Es sind aber auch höhere Neststände (2 bis 5 m hoch) in Bäumen möglich.
Das Weibchen baut das Nest allein aus Gras, Laub, Blättern, Bast, Nadeln und Moos und legt es mit Federn (z. B. bis zu 120 Einzelfedern in einem Nest) und Tierhaaren aus. Das kugelförmige, sehr gut getarnte Nest wird aufgrund seines Äußeren „Backofennest“ genannt und gleicht eher einem kleinen Haufen Falllaub. Vor dem Nesteingang befindet sich immer etwas freier Raum. Der Bau dauert fünf bis acht Tage und dafür sind 400 bis 600 Transportflüge notwendig.
Mitte Mai legt das Weibchen fünf bis acht Eier, die auf weißem bis rahmgelbem Grund dunkel rostrot punktiert oder grob gefleckt sind. Es brütet allein und verläßt das Gelege nur kurzzeitig zur Nahrungssuche. Bei Störungen flüchtet das Weibchen erst im letzten Augenblick vom Nest. Die Jungvögel schlüpfen nach 12 bis 14(15) Tagen und werden 12 bis 14(15) Tage lang im Nest gefüttert. Das Männchen füttert vom ersten Tag an mit.
Nach dem Ausfliegen der Jungen bleibt die Familie noch zwei bis drei Wochen zusammen. Eine Zweitbrut findet nur bei Verlust des ersten Geleges statt.


Bestand

Der Bestand ist nicht gefährdet, aber lokal starken Schwankungen unterworfen, die vor allem durch Habitatzerstörungen, wie Meliorationen, Zerstörung von Auwäldern und Ausdehnung menschlicher Siedlungen bedingt sind. Aber auch Verluste im Winterquartier führen zu Bestandsabnahmen.

© Dirk Schäffer (11/2009)