Elster (Pica pica LINNAEUS, 1758)

engl.: Black-billed Magpie

Foto: K. Rönsch (Wettin, 01/2011).


Die schwarz-weiß gezeichnete und nicht sehr scheue Elster (Pica pica) ist sicherlich einer unserer bekanntesten und auffälligsten Singvögel. Das beweist allein schon die Tatsache, daß der Volksmund ihr über 70 verschiedene mundartliche Namen gegeben hat, die sich auf ihr markantes Aussehen, ihre Stimme und ihr Wesen beziehen. Mit der schackernden Elster verbindet sich auch ein Großteil Aberglauben, so z. B. das Stehlen von silbernen Gegenständen. In der germanischen Mythologie galt sie sogar als Todesgöttin und im Mittelalter war sie wie der mit ihr verwandte Kolkrabe (Corvus corax) als Galgenvogel verschrien.
Wie fast alle Vertreter der Rabenvögel wird auch die Elster immer wieder zum Streitobjekt. Die Ursache liegt vor allem im Erbeuten von Eiern und Jungvögeln, welches lokal enorme Ausmaße annehmen kann. Dieses Problem wird vor allem deshalb kontrovers diskutiert, weil die Elster ihren ursprünglichen Lebensraum in der Feldflur fast vollständig aufgegeben hat und statt dessen ein typischer Vogel der Städte und Dörfer wurde. Sie ist somit ein typischer Kulturfolger. Hauptursache für diese Entwicklung ist die intensive Landwirtschaft und die damit verbundene Ausräumung der Agrarlandschaft, die der Elster sowohl die Nistmöglichkeiten als auch die Nahrungsgrundlage entzieht.
Sprichwörtlich ist, wie bei allen Rabenvögeln, auch bei der Elster ihre Intelligenz. Neuere Forschungen ergaben sogar, dass sich Elstern im Spiegel erkennen und damit eine Vorstellung von sich selbst haben. Das stellt sie auf eine Ebene mit den Menschenaffen und Delphinen, die ebensolche Fähigkeiten aufweisen.


Systematische Einordnung

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Familie: Rabenvögel (Corvidae)
Gattung: Eigentliche Elstern (Pica BRISSON, 1760)


Vorkommen

Die Elster ist sehr anpassungsfähig und kommt fast im gesamten Europa vor. Allerdings ist sie nur dort Brutvogel, wo ihr auch die entsprechenden Brutbiotope zusagen. In Mitteleuropa ist sie mit Ausnahme der großen Waldungen und vielen Gebirgsflächen überall und ganzjährig anzutreffen. Sie brütet außerdem in Zentral- und Ostasien und im Küstenbereich Nordwestafrikas. Man unterscheidet vier geographisch isolierte Gruppen (Europa bis Transbaikalien, Nordwestafrika Nordostsibirien und Amurland bis zum östlichen Himalaya und Indonesien).
Außer der Nominatform Pica p. pica unterscheidet man folgende Unterarten:
P. p. fennorum LÖNNBERG in Nordskandinavien (von Schweden südwärts bis Jütland)
P. p. galliae KLEINSCHMIDT in Belgien, Frankreich und dem Rheinland
P. p. melanotos A.E. BREHM auf der Iberischen Halbinsel


Wanderungen

Die Elster ist Standvögel, die das ganze Jahr im Brutrevier verbleibt. Sie bildet aber außerhalb der Brutzeit oft größere Trupps, die auf der Suche nach potenziellen Nahrungsquellen zusammen umherziehen und auch gemeinsame Schlafplätze haben. Jungvögel, die noch kein Brutrevier besetzt haben, sind ganzjährig gesellig.


Biotop

Die Elster bevorzugt offene Landschaften, Parks, Friedhöfe, Alleen, Ufer- und Feldgehölze sowie große Gärten. Man findet ihre Nester aber auch in den Bäumen der städtischen Grünanlagen inmitten der Großstädte und in Industrie- und Gewerbegebieten sowie entlang von Autobahnen und Straßen. Sie meidet allerdings die intensiv genutzten und ausgeräumten Agrarlandschaften.

Merkmale

Die ca. 46 cm große Elster ist unverkennbar und fällt vor allem durch ihren langen gestuften Schwanz auf. Die Männchen wiegen bis zu 235 g und die Weibchen sind mit ca. 200 g etwas leichter. Beide Geschlechter sind gleich gefärbt. Auffällig ist bei entsprechendem Lichteinfall vor allem der schwarzblaue bis grünliche Glanz der schwarzen Gefiederpartien.

Aussehen der Elster:
Kopf, Kinn, Kehle, Nacken und Vorderbrust: schwarz
Oberkopf: grünglänzend
Augen: braunschwarze Iris
Schnabel: kräftig, spitz und schwarz
Bauch, Flanken und Hinterbrust: weiß
Beine/Krallen: schwarz
Flügel: Oberseite schwarz mit blauem Glanz und weiße Handflügel
Rücken: schwarz mit weißem Schulterfeld
Bürzel: dunkelgrau
Schwanz: schwarz, mit abschnittsweise dunkelblauem, purpurnem bzw. violettem Schimmer und bis zu 25 cm lang
Auffällig ist vor allem die Stimme der Elster. Ihr sehr lautes und oft monotones Schackern ("schräk-äk-äk") verrät sie oft schon, bevor man sie zu Gesicht bekommt.

Die meisten Elstern erreichen nur ein Alter zwischen zwei bis drei Jahren. Die ältesten Ringvögel wurden 15 Jahre alt.
Der natürliche Hauptfeind der Elster ist der Habicht (Accipiter gentilis). Der Großteil der Elstergelege und Küken fällt der Rabenkrähe (Corvus corone) und teilweise Mardern zum Opfer.


Brutbiologie

Territoriale Brutvögel verbleiben das ganze Jahr über in ihrem Revier und beginnen bereits Anfang bis Mitte Februar mit dem Nestbau bzw. mit der Ausbesserung des alten Nestes.
Die Elster baut in Laub- und Nadelbäumen sowie auch in Dornensträuchern ein großes kugeliges Reisignest, das oft über mehrere Jahre genutzt wird. Die stabile Grundkonstruktion besteht aus Ästchen und Zweigen, die geschickt so in das dichte Astwerk des ausgewählten Baumes platziert werden, dass es schwer wird, an das Nest zu gelangen. Im Inneren wird das Nest mit einer Lehm- und Erdmulde ausgestattet. Der Nesteingang ist seitlich. In Städten werden Nester auch in Strommasten, Kranauslegern, Antennen und Fensternischen gebaut. In waldarmen Gebieten findet man auch Nester im Gebüsch, im Schilf oder im Heidekraut. Oft werden mehrere Nester (sogenannte Spielnester) gebaut, von denen auch einige wieder abgebaut werden oder nur als Schlafnester dienen. Vor allem in den Gebieten, wo sie verfolgt wird, baut die Elster in großer Höhe (bis zu 20 m und mehr). Gern werden dann alte Pappeln als Neststandort genutzt.
Für den Nestbau werden zwischen 10 bis 30 und auch mehr Tage benötigt. Wenn das fertige Nest für die Brut benutzt werden soll, wird es bis zum Brutbeginn, der oft erst ein bis zwei Wochen später erfolgt, ganztägig bewacht.
Elsternester sind bei vielen anderen Vogel- und auch Nagerarten begehrte Brut- und Wohnstandorte, so dass es häufig vorkommt, dass ein Elsternpaar aus seinem Nest vertrieben wird. Vor allem in den Städten wird die Elster so durch die mit ihr verwandte und kräftigere Rabenkrähe (Corvus corone) verdrängt. Je älter und erfahrener allerdings ein Elsternpaar ist, um so sicherer wird der Neststandort ausgesucht und das Nest gebaut.
Die Brutzeit der Elstern ist im April / Mai. Das Gelege besteht aus 5 bis 7 (9) Eiern, die im Abstand von 24 Stunden gelegt werden. Die Bebrütung setzt bei 3 bis 4 Eiern nach dem letzten Ei ein und bei größeren Gelegen ab der Ablage des dritten Eies. 17 bis 19 Tage lang werden die Eier bebrütet. Die Eier sind von gelblicher bzw. graubrauner bzw. -grüner Grundfarbe mit variabler dunkler Fleckung. Die Küken sind beim Schlupf nackt und wiegen ca. 7 g. Die Jungen verlassen das Nest im Alter von 22 bis 27 Tagen. Anschließend werden sie noch bis zu vier Wochen von den Eltern betreut und verbleiben oft noch während des Winters im Revier der Eltern. Die meisten Jungelstern siedeln sich nicht weiter als bis zu 25 km vom Geburtsort entfernt an.
Es findet nur eine Jahresbrut statt. Bei Verlust des Geleges kommt es häufig zu einem Ersatzgelege.


Nahrung

Die Elster ist als typischer Allesfresser in ihrer Ernährung sehr anpassungsfähig und nicht wählerisch. Sie erbeutet vor allem kleine Säugetiere, Amphibien, Reptilien, Jungvögel und Eier, Regenwürmer, Schnecken sowie Insekten aller Art. Sie frisst außerdem Früchte, Beeren, Getreidekörner und Sämereien. Kleine und schwache Vögel werden aktiv erbeutet und durch Hiebe auf den Kopf getötet. In den Städten stellen auch die Nahrungsreste des Menschen einen wichtigen Nahrungsbestandteil dar. Wie alle Rabenvögel wissen auch die Elstern, das nach einer Jagd immer der Aufbruch (Eingeweide des erlegten Tieres) anfällt, den sie sich dann mit ihren Konkurrenten teilen. Vor allem im Winter wird Aas gefressen und regelmäßig werden Straßen und Bahntrassen nach Verkehrsopfern abgesucht. Gern wird aus Hühnerhöfen und in Tiergehegen Nahrung gestohlen. Auch Hunde- und Katzenfutter sowie die Körner der Futterhäuser im Winter sowie die Speisereste auf den Abfall- und Komposthaufen werden von den Elstern gefressen.
Eine bevorzugte Form des Nahrungserwerbs ist das Auflesen vom Boden. Dabei werden beweidetes Dauergrünland oder kurz gemähter Rasen bevorzugt. Neben dem Umdrehen von Steinen und dem Stochern mit dem Schnabel im Boden bei der Beutesuche werden Ameisen aufgepickt und durch kurzes Aufflattern oder Hinterherrennen vorbeifliegende Insekten erbeutet.
Wie alle Rabenvögel legt auch die Elster Nahrungsverstecke an oder versucht die von anderen Rabenvögeln zu plündern. Diese Eigenschaft und das Stehlen von Nahrung bzw. Gegenständen für die Nestausstattung aus dem Bereich des Menschen stellt wahrscheinlich die Ursache für die allseits bekannte Eigenschaft als "diebische" Elster dar.


Bestand

Die Elster gilt momentan in ihrem Bestand nicht als gefährdet, obwohl dieser rückläufig ist. Man geht von ca. 280.000 bis 360.000 Vögeln aus. Der Hauptfeind der Elster ist nach wie vor der Mensch, der sie überall verfolgt, da ihr vor allem das Erbeuten von Eiern und Jungvögeln übel genommen wird.

© Dirk Schäffer (03/2011)