Eisvogel (Alcedo atthis Linnaeus 1758) - Vogel des Jahres 1973 und 2009

engl.: Common Kingfisher

Der Eisvogel mutet – aufgrund seines farbenprächtigen und glänzenden Gefieders – in unserer Fauna wie ein tropischer „fliegender Edelstein“ an. Kaum ein anderer heimischer Vogel kann mit seiner Farbenpracht wetteifern. So ist er auch der einzige Vertreter aus der rund 87 Arten umfassenden Familie der Eisvögel, der bei uns in Europa siedelt. Mindestens seit der jüngsten Eiszeit - vor 10.000 Jahren - ist der Eisvogel bei uns heimisch. Zu diesem Zeitpunkt wurde es in Mitteleuropa wärmer.
Als Art, die aus den Tropen kommt hat der Eisvogel Probleme mit Frost und zufrierenden Gewässern, wie es auch im Winter 2008 / 2009 der Fall ist. Zudem mussten sie in den Tropen keine Winterquartiere aufsuchen und so ist die Art im Winter Standvogel.

Seinen Namen verdankt der auffällige Vogel der Eigenschaft, in strengen Wintern entlang der Eisgrenze nach Süden zu wandern. In dieser Jahreszeit ist er auch früher - als er noch häufiger war - verstärkt aufgefallen da sich die Vögel dann an den wenigen noch offenen Wasserstellen konzentrieren. Andere behaupten, dass der Name aufgrund des metallisch schimmernden Eisvogelgefieders vom hochdeutschen „Isarno“ (Eisen) herzuleiten wäre.
Ebenso leitet man den Namen vom althochdeutschen „eisan“ für „schillern“ oder „glänzen“ ab.


Systematische Einordnung

Ordnung: Rackenvögel (Coraciiformes)
Familie: Eisvögel (Alcedinidae)
Unterfamilie: Eigentliche Eisvögel (Alcedininae)
Gattung: Alcedo Linnaeus 1758


Vorkommen

Der Eisvogel besitzt ein großes Verbreitungsgebiet über das er in sechs Unterarten (s. Tabelle 1) verbreitet ist.

In Asien meidet er die großen Trockengebiete und besiedelt Südasien (Indien und Sri Lanka). In Neuseeland, Melanesien und Indonesien leben Inselformen.
In Europa erreicht der Eisvogel im Norden Irland, Schottland, Jütland sowie Mittelschweden. Nach Osten reicht sein Verbreitungsgebiet bis ins Baltikum und ins Leningrader Gebiet. Im Süden werden Südfrankreich, Bosnien, Oberitalien und die nördliche iberische Halbinsel sowie Nordafrika erreicht (s. Abb. 1).
In Mitteleuropa ist er unregelmäßig verbreitet. Wobei die Schwerpunkte in den Beckenlandschaften, Strom- und Flusstälern liegen.

Tab. 1: Verbreitung der Unterarten des Eisvogels.

Unterart Vorkommen Merkmale
Nominatform A. a. atthis Mittelmeerraum, Maghreb, Vorderasien bis NW-Indien, Russland (ohne Raum Petersburg) ostwärts bis zum Baikalsee deutlich heller
A. a. ispida Britische Inseln (bis Schottland), Jütland, Südschweden, Gotland, östlich bis ins Baltikum, Petersburg, Weißrussland, bis Serbien, Bosnien, Nordteil der Iberischen Halbinsel, Südfrankreich, Oberitalien gedrungener, dunkle Oberseite
A. a. bengalensis nördliches Vorderindien und Südostasien, nordwärts bis Ostsibirien blauer, kleiner
A. a. taprobana Süd-Indien bis Sri Lanka hellblauer
A. a. hispidoides Sulawesi, Molukken, Westneuguinea dunkler
A. a. salomonensis Solomonen-Inseln mehr Purpur
A. a. floresiana Kleine Sunda-Inseln dunkler


Biotop

Der Hauptlebensraum des Eisvogels sind Fließgewässer (kleine Flüsse und Bäche), aber auch stehende Gewässer wie Kiesgruben, Teiche und Seen, oder tiefe Gräben werden genutzt. Weite Wasserflächen werden dagegen von ihnen gemieden.
Die höchsten Brutvorkommen werden bis 910 m Höhe beobachtet. Wichtig sind Sitzwarten (überhängende Äste und Todholz), von denen er auf Fischfang gehen kann.
Mittlerweile kann man Eisvögel auch in den Großstädten an kleineren und sauberen Fließgewässern, an Teichen und selbst an Gartenteichen beobachten.


Wanderungen

Außerhalb der Brutzeit können Eisvögel oft an künstlichen Teichen (sogar mitten in Großstädten), Wehren, Ufermauern, Kleingewässern aller Art, Brackwasserlagunen und auch im Watt beobachtet werden.
Da die Jungen aber sehr früh vertrieben werden, müssen sie sich ein neues Revier suchen.
90 % machen dies im Umkreis von 100 km von ihrem Geburtsort. Einige ziehen aber viel weiter. Der Rekord liegt bei 1.800 km.


Merkmale

Der ca. 35 - 45 (55) g schwere und 15 – 17 (18) cm, etwas über sperlingsgroße Eisvogel zählt mit Sicherheit zu den markantesten und auffallendsten Spezies unserer Avifauna (s. Tabelle 2).
Dieser Fakt bereitet den Biologen allerdings noch einiges Kopfzerbrechen, denn trotz der Auffälligkeiten, werden weniger Eisvögel als vergleichsweise Sperlinge von den Prädatoren (Marder und Greifvögel) erbeutet. Eine mögliche Erklärung wäre ein unangenehmer Geschmack, vor dem das leuchtend bunte Gefieder warnen soll.
Auffallend sind nicht nur die Farbe des Vogels, sondern auch der bis zu 5 cm lange Schnabel und der kurze Schwanz. Die Flügel und der Rücken leuchten schillernd je nach Lichteinfall kobaltblau bis türkisfarben. Die Brust und der Bauch sind rötlich hellbraun bis orangefarben gezeichnet. Den Hals und die Wangen zieren scharf abgegrenzte weiße Flecke. Die Füße der Altvögel sind orangerot gefärbt. Die Jungvögel erscheinen in den ersten Monaten unsauber gezeichnet, wirken verdreckt und haben dunkel braune Füße. Männchen und Weibchen kann man anhand des Unterschnabels unterscheiden. Während die Männchen am basalen Teil der unteren Schnabelhälfte bräunliche bis orangerote Flecken haben, ist der weibliche Unterschnabel fahlrot bis fleischfarben.
Ähnlich, wie z. B. bei Geiern, besitzt jedes Auge des Eisvogels zwei Sehgruben. Diese Punkte des schärfsten Sehens ermöglichen - trotz der seitlichen Augenstellung - die räumliche Orientierung nach vorn.

Tab. 2: Körper- und Gefiedermerkmale des Eisvogels.

Körper Merkmale / Farben
Größe; Gewicht 15 bis 17 cm; 35 - 45 g (23 bis 25 g)
Kopf kastanienrote Wangen mit weißen Halsseitenflecken; dunkelblaue und hellblau gefleckte Haube (Jungvögel kräftig gefleckt); blaugrüner oder blauen Bartstreif
Auge Iris braun
Stirn vor jedem Auge befindet sich ein kastanienbrauner Fleck, der von vorn gesehen weiß erscheint
Nacken türkisblau
Kehle weiß
Schnabel ♂ glänzend schwarz; ♀ Oberschnabel schwarz und Unterschnabel orangerot; 3,5 bis 5 cm lang und spitz; Jungvögel dunkler Schnabel mit heller Spitze
Rücken metallisch türkisblau bis smaragdgrün; türkisblauer Hinterrückenstreifen vom Nacken beginnend bis zum Schwanz
Flügel dunkelblau und hellblau gefleckt, Spannweite 25 bis 30 cm
Brust, Bauch, Flanken kastanienbraun bis orangerot (rostrot)
Beine kurz, rotorange mit schwarzen Krallen;
bei Jungvögeln braunschwarz, aber auch bei Altvögeln im Herbst bräunlich bis schwärzlich
Schwanz kurz, Oberseite türkisblau


Nach jedem Tauchgang erfolgt eine ausgiebige Gefiederpflege. Zusätzlich wird auch täglich gebadet. Danach fettet der Vogel mithilfe der Bürzeldrüse sein Gefieder ein, damit es beim nächsten Tauchgang nicht durchnässt. Dieser Vorgang kann bis zu 20 min dauern. Insgesamt verwenden Eisvögel fast zwei Stunden am Tag für die Gefiederpflege. In der Mauserzeit von August bis September, werden die Schwungfedern langsam und nur wenige von ihnen gleichzeitig gewechselt. Die Mauser wird allerdings im November unterbrochen, und erst im nächsten Jahr fortgesetzt.

Im Flug kann der Eisvogel Geschwindigkeiten bis zu 45 km/h erreichen.
Er besitzt eine Spannweite von ca. 25 cm und fliegt sehr schnell, in niedriger Flughöhe, mit raschen Flügelschlägen (10 - 20 m/s), geradlinig über dem Wasser.

Seine markanten, lauten Rufe hören sich an wie „khrit-rit-rit“ und sein Lockruf klingt wie „tji“ („tschie-tschie“).

Die meisten Eisvögel erreichen nur ein Alter von 2 Jahren, die wenigsten erreichen das 5. Lebensjahr.
Der älteste Ringvogel wurde 15 Jahre alt.


Brutbiologie

Eisvögel sind außerhalb der Brutzeit sehr ungesellig und strikte Einzelgänger. Bei der Revierverteidigung werden sowohl die eigenen Jungen und Artgenossen als auch Wasseramseln, Flussuferläufer und Rotkehlchen vertrieben. Kämpfe zwischen Artgenossen können sich über einen Tag hinziehen und auch zu Verletzungen einzelner Vögel führen. Ein Revierpaar verteidigt seinen Teich oder seine 3 bis 5 km Flusslänge immer aggressiv gegen Eindringlinge.
Während der Balz im März (in milden Wintern bereits Beginn im Dezember/Januar), füttert das Männchen das Weibchen mit Fischen, um die Partnerschaft zu stärken.
Als Brutstandort werden Steilufer oder Prallhänge an Gewässern (bevorzugt Bäche und Flüsse) ausgewählt. Diese lotrechten Uferböschungen oder Uferabbrüche zeichnen sich durch Lehm- oder Sandboden bzw. lockerem Erdreich aus. Aber auch Wegböschungen, Hohlwege, Gruben, Materialentnahmestellen und manchmal auch die Wurzelteller umgestürzter Bäume können als Neststandort dienen. Finden sich keine zusagenden Brutstandorte werden auch Mauern mit entsprechenden Höhlen genutzt. Künstliche Nisthilfen werden ebenfalls gern angenommen.
In das Erdreich des Brutstandorts hacken und graben beide Partner - sich alle 5 min abwechselnd - mit Hilfe von Schnabel und Schwanz eine senkrecht ansteigende Erdhöhle. Zuerst wird das ovale Eingangsloch, das etwa 7,0 cm im Durchmesser hat, angelegt. Von diesem ausgehend, wird eine Röhre gegraben. Der dabei anfallende Abraum wird mit dem Schwanz aus dem Gang geschoben. Wenn die Vögel auf einen Stein stoßen, wird um diese das Erdreich gelockert, bis sich der Stein entfernen läßt. Im Idealfall kann das Brutpaar innerhalb von zwei Tagen 0,65 m Röhrenlänge graben. Es wurden auch Weibchen beobachtet, die sich nicht am Höhlenbau beteiligten. In Abhängigkeit von der Konsistenz des Erdreiches kann eine Brutröhre bis zu 1,30 m lang werden. Am Ende der Röhre wird ein etwa 16 x 17 x 12 cm großer Brutkessel angelegt. Der Vorteil der Brutröhre besteht darin, dass bei einem auftretendem Abrutschen des Steilufers ein Teil der Brutröhre erhalten werden kann. Manchmal werden auch alte Höhlen benutzt und gesäubert.
Sehr oft benutzt ein Paar mehrere Höhlen im Revier. Die Bruthöhle kann bis zu mehreren 100 m vom Wasser entfernt sein.
Ein Nest wird nicht gebaut und die Eier werden auf den Untergrund gelegt oder auf Speiballenresten. Allerdings entsteht eines im Laufe der Fütterung der Jungen, durch die von den Jungen ausgespuckten unverdaulichen Fischgräten und -schuppen. Das Gelege besteht aus 5 bis 7 (9) weißen, glänzenden, fast runden und etwa 4,5 g schweren Eiern, die von beiden Altvögeln bebrütet werden. Täglich wird ein Ei gelegt und mit dem Brüten wird erst, nachdem das Gelege vollständig ist, begonnen. Nach einer Brutdauer von 18 bis 21 Tagen schlüpfen die Jungen. Wenn die Nestlinge noch sehr klein sind, kann es vorkommen, dass sie bei einer Störung von mehr als vier Stunden, bereits zu schwach sind, um Nahrung aufzunehmen und deshalb verenden.
Während der Aufzucht der Jungvögel zeigt bei den Altvögeln - auf dem Weg zur Bruthöhle - der Kopf der erbeuteten Fische in Richtung der Schnabelspitze. Bei 5 bis 7 Jungvögeln, müssen die Eltern etwa 100 Fische am Tag erbeuten und dafür ca. 310 mal/Tag tauchen. Jeder gefütterte Jungvogel entleert seinen Darm in Richtung Ausgang und reiht sich hinten wieder an, während sich der nächste Jungvogel vorschiebt, um dann auf den ersten Platz zu rücken. Diesen regelmäßigen Ablauf, der in einem Kreis hockenden Jungvögel, nennt man deshalb auch das „Eisvogelkarussell“.
Dadurch, dass die Jungvögel ihren Kot in Richtung Ausgang schießen, bleibt der Brutkessel sauber. Der Kot fließt aus der Röhre, die eine Neigung von bis zu 30° aufweisen kann, zum Eingang heraus. Anhand der Kotspuren kann man eine bewohnte Bruthöhle somit sofort erkennen. Da die Exkremente auch stark nach Ammoniak riechen, wird ihnen möglicherweise eine antiseptische Wirkung nachgesagt. Nach jeder Fütterung nehmen die Altvögel allerdings ein Bad, um die Verunreinigungen durch den Kot und den Sand der Bruthöhle aus dem Gefieder zu waschen.
Eisvögel können jährlich bis zu vier Bruten mit max. 28 Jungvögeln aufziehen wobei die Brutzeit bis in den Oktober andauern kann. Großenteils werden aber je Paar nur 16 Eier/Jahr gelegt, wobei aus diesen nur ca. acht flügge Junge/Paar hervorgehen. Oft kann es zu Schachtelbruten kommen, d. h. während das Männchen in einer Höhle füttert, sitzt das Weibchen in der nächsten bereits wieder auf einem Gelege. Diese hohe Reproduktionsrate sichert das Überleben der Art. Denn es genügt ein strenger Winter, um bis zu 95,0 % des Bestandes auszulöschen. Allerdings ist dabei nicht nur das Gefrieren der Gewässer ausschlaggebend, sondern auch die Eintrübung des Gewässers bei Hochwasser. Dies kann bereits nach starken Regenfällen der Fall sein, dann kann es auch zu Höhleneinstürzen kommen.
Nach 23 bis 27 Tagen verlassen die Jungen die Brutröhre und verbleiben nach dem Flüggewerden noch etwa drei Tage bei den Altvögeln. Danach werden sie energisch vertrieben. Die Geschlechtsreife erreichen junge Eisvögel im Alter von sieben Monaten. Bis dahin ist es aber ein weiter Weg, denn Eisvögel haben eine geringe Lebenserwartung und eine Sterblichkeitsrate von bis zu 80,0 %. Dazu tragen auch Fressfeinde (Sperber, Hauskatzen, Hermeline und Wiesel) bei. Fensterscheiben, der Straßenverkehr, das Anfrieren an metallischen Sitzwarten und Fischernetze fordern ebenfalls hohe Tribute unter den Vögeln.
Oftmals führen Jungvögel nach dem Tauchen ihre Gefiederpflege und dessen vollständige Trocknung nicht durch, wenn sie nach einem erfolglosen Tauchgang sofort erneut zustoßen. Dann trieft ihr Gefieder so voll Wasser, das sie beim nächsten Tauchgang ertrinken, oder in der folgenden Nacht - mangels unzureichender Isolierung des Gefieders - an Unterkühlung sterben. Diese Art der Verluste wird auf bis zu 30 % geschätzt.


Nahrung

Eisvögel fangen ihre Beute, die optisch wahrgenommen wird, im Stoßtauchen. Aus bis zu 11 m Höhe stürzen sie sich von einer Sitzwarte ins Wasser und können dabei bis zu 1 m (möglicherweise bis max. 2,50 m) tief tauchen. Während des Tauchens, zieht sich eine sogenannte Nickhaut über das Eisvogelauge.
Der Eisvogel kann aber auch „rüttelnd“ wie ein Falke über dem Gewässer stehen und dann zustoßen. Beim Tauchen werden die Fische im Rücken gepackt oder in den Flanken aufgespießt. Bei 70 bis 150 täglichen Tauchgängen werden kleine Fische, wie Elritzen (Phoxinus phoxinus), Gründlinge (Gobio gobio), Bachforellen (Salmo trutta), Rotfedern (Scardinius erythrophthalmus), Groppen (Cottus gobio), Plötzen (Rutilus rutilus), Stichlinge, Moderlieschen (Leucaspius delineatus), Ukelei (Alburnus alburnus) und auch junge Flussbarsche (Perca fluviatilis), Wasserinsekten, Flohkrebse, Wasserasseln, Kaulquappen, kleine Frösche, Molche und Libellenlarven erbeutet.
Größere Tiere - z. B. Fische von 9 - 11 cm Länge, die manchmal gefangen werden - tötet der Eisvogel mit kräftigen Schlägen gegen eine Unterlage. Fische von 4 bis 5 cm Länge werden mit dem Kopf voran im Ganzen verschluckt. Etwa jeder fünfte Tauchversuch, ist auch von Erfolg gekrönt. Bei günstigen Verhältnissen ist auch 100 % Erfolg möglich.
Wenn sich Fische unter Wasserpflanzen und überhängenden Blättern verbergen, fliegt der Eisvogel Scheinangriffe in Form von kurzen und lauten Tauchzügen unter Wasser, um die aufgeschreckte Beute anschließend mit einem gezielten Tauchangriff zu erbeuten.
Die tägliche Nahrungsmenge eines Eisvogels beträgt ca. 20 bis 30 g, das entspricht in etwa 17 bis 20 kleinen Fischen. Im Winter kann die Zahl bis auf 50 Fische ansteigen. Werden Junge gefüttert, können es bis zu 120 Fische/Tag werden. Somit kann ein Eisvogelpärchen im Jahr bis zu 20.000 Fische erbeuten. Überreste der aufgenommenen Nahrung werden als Speiballen, ausgewürgt.


Bestand

Der europäische Eisvogelbestand wird auf ca. 47.000 bis 66.500 Paare beziffert.
In Deutschland vermutete man 1980 etwa 1.500 Eisvogelbrutpaare. In Ostdeutschland wurde der Bestand allerdings schon auf ca. 1.900 BP (+/- 32,0 %) geschätzt. Die Ursachen liegen an den starken Bestandsschwankungen durch einzelne strenge Winter (wie 2009/10) und in der fehlenden Datenerfassung. Derzeitig geht man von etwa 7.000 Brutpaaren aus.

Der Eisvogel hat, wie viele andere Vogelarten auch, besonders unter den Veränderungen in seinem Lebensraum zu leiden. Hauptursache sind hier vor allem die wasserbaulichen Maßnahmen und die Störungen durch Angeln u. a. Freizeitaktivitäten an vielen Gewässern. An begradigten Gewässern, deren natürliche Fließform gravierend verändert wurde, findet der Eisvogel keine Steilwände mehr, die er als Brutplatz nutzen kann und auch seine Hauptbeutetiere finden hier keinen Lebensraum mehr. Oftmals fehlen auch Bäume und Sträucher am Gewässerrand und damit die Sitzwarten. Auch die Verschmutzung der Gewässer verhindert eine Ansiedlung des Eisvogels.
Früher wurde der Eisvogel auch als Nahrungskonkurrent von Fischern gefangen.
Durch den strengen Schutz und die Annahme künstlicher Nisthilfen sowie dem teilweisen Rückgang der Gewässerverschmutzung konnte der Eisvogelbestand, auch aufgrund der milden Winter, regional zunehmen.

Die größten Verluste erleiden Eisvögel in strengen Wintern. Diese können das Aussterben ganzer Teilpopulationen zur Folge haben. Solche Winter mit hohen Verlusten traten 1962/63 und 1978/79 auf. Fallen die Temperaturen dann unter -10 °C, ist es höchste Zeit für den Eisvogel in wärmere Regionen abzuwandern, oder aber eine eisfreie Stelle zu suchen. Hier kann es dann auch zu Konzentrationen von Eisvögeln kommen.
Trotz des eingeölten Gefieders führen Tauchgänge bei extremen Minusgraden zum Gefrieren von Wassertropfen am Gefieder. Besonders betroffen sind die Schwanz- und Brustfedern. In solchen Zeiten kann man kaum Eisvögel mit intakten Schwanzfedern finden. Eine weitere Gefahr stellen Sitzwarten aus Metall dar, an denen die Vögel anfrieren können. Da die Vögel auch unter dem Eis tauchen, hat ein Verfehlen der offenen Wasserfläche ebenfalls tödliche Folgen.


Vogel des Jahres

Nach Wanderfalke und Steinkauz war der Eisvogel 1973 die dritte Jahresvogelart, auf deren Schutz besonders hingewiesen wurde.
Mit der Wiederwahl des Eisvogels im Jahr 2009 sollte wieder mehr Schwung in die Diskussion zum Schutz der Gewässer gebracht werden. Denn die Verbauung von stehenden Gewässern, der Eingriff in die Fließgewässer durch Begradigungen und die Verschmutzung der Gewässer sind Faktoren, die den Eisvogel direkt betreffen.
Die Gewässerverschmutzung wirkt sich auf den Fischbestand aus und verhindert die Sichtung der Beute. Gewässerbauliche Maßnahmen führen vor allem dazu, dass es immer weniger natürliche Steilwände an Gewässern zum Bau von Bruthöhlen gibt.
2006 war der Eisvogel der Vogel des Jahres in der Schweiz. Damit sollte vor allem auf den Schutz der biologischen Vielfalt aufmerksam gemacht werden.

© Dirk Schäffer (12/2002, aktualisiert 02/2009, 04/2011)