Blauschwanz (Tarsiger cyanurus cyanurus PALLAS 1773)

engl.: Red-flanked Bluetail

Der Blauschwanz ist ein Zugvogel der regulär in Südostasien und Asien überwintert. Deshalb tauchen in Deutschland nur wenige Exemplare gelegentlich als Irrgäste auf. Im Januar 2006 konnte allerdings ein Vogel zwischen Hannover und Lehrte beobachtet werden.

In der freien Natur ist der Blauschwanz aufgrund seiner Lebensweise (Erdsänger) sehr heimlich und scheu. Deshalb ist die Art nicht leicht zu beobachten.


Systematische Einordnung

Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Familie: Schnäpperverwandte (Muscicapidae)
Gattung: Tarsiger


Vorkommen

Der Blauschwanz brütet in zwei geographisch isolierten Teilpopulationsgruppen, zwischen denen es einige Gefiederunterschiede gibt. Daher wird auch diskutiert, ob es sich um zwei Arten handelt.
Eine Populationsgruppe brütet in der Nadelwaldzone des nördlichen Eurasiens, von Ost-Finnland durch Nordrussland und Sibirien bis zum Ussuriland, zur Nordmongolei und Mandschurei, bis Sachalin, Kamtschatka, zu den Kurilen und Japan. Dabei bildet der Polarkreis die nördliche Grenze.
In den letzten Jahrzehnten ist eine Ausbreitung der Art in westlicher Richtung festzustellen und es gibt im Osten Finnlands ein Brutvorkommen sowie Brutnachweise in Estland.
Die südliche Populationsgruppe brütet von Westchina bis Yünan, über Tibet und westwärts durch das Himalayagebiet bis SO-Afghanistan. Dabei werden Bergregionen von 2.400 bis 4.500 m über N.N. besiedelt.
Blauschwänze bevorzugen dichte, unberührte, moos- und unterholzreiche Nadelwälder (Fichte und Tanne) der Taigazone. Aber auch in abgelegenen Mischwäldern mit dichtem Unterwuchs oder in den höher gelegenen Zierbelkieferwäldern ist die Art anzutreffen. Im Himalajagebiet dienen auch die Rhododendronwälder als Lebensraum.

Wanderungen: Der Blauschwanz ist ein Langstreckenzieher, der nachts einzeln oder in kleinen Gruppen wandert. Sein Überwinterungsgebiet erstreckt sich von Südchina, über Indochina bis möglicherweise nach Indien. Im Winterquartier werden auch andere Biotope (z. B. Gärten in Japan) besiedelt.
Der Abflug beginnt Ende August und zieht sich bis in den September/Oktober hin.
In Mittel- (Deutschland, Tschechien) und Westeuropa (Großbritannien und Niederlande) sowie in Teilen Skandinaviens (Dänemark, Norwegen und Schweden) ist der Blauschwanz nach wie vor ein seltener Ausnahmegast. Aber auch auf Zypern und in Italien wurde die Art schon festgestellt.

Zum Alter des Blauschwanzes ist bisher nichts bekannt. Auf dem Zug gibt es offenbar große Verluste, da man die erschöpften Vögel mit der Hand fangen kann.


Merkmale

Mit seinen 14 cm ist der Blauschwanz so groß, wie ein Rotschwanz. Man kann ihn durchaus aber auch im Schlichtkleid mit dem Rotkehlchen im Verhalten und der Lebensweise vergleichen. Ebenso wie die Rotschwänze zeigt er ein charakteristisches „Knicksen“. Dazu zuckt der Blauschwanz beständig mit Flügeln und Schwanz.

Gefiederkennzeichen des Blauschwanzes

Körper-/Gefiederteil Männchen Weibchen
Kopf Seiten schwärzlich olivbraun
Überaugenstreif vor Auge weiß, ab Augenmitte kobaltblau vor dem Auge hell
Augenring mattschwarz rahmweiß
Iris dunkelbraun bis braun
Schnabel schwarz
Kehllatz helles Kehlfeld angedeutet dreieckig, rahmweiß
Hals Seiten schwärzlich olivbraun
Rücken/Oberseite sattblau/kobaltblau olivgrau
Flanken rostorange orangerötlich
Brust dunkel rahmfarben, Seiten schwärzlich
Bauch rahmfarben rahmweiß
Flügel schwarzbraun, außen blau gräulichbraun, außen heller
Bürzel hellblau grau/hellbläulich
Oberschwanz leuchtend kobaltblau hell kobaltblau
Unterschwanz rahmweiß
Schenkel grau
Füße braun (in der Brutzeit schwarz)


Stimme: Der einfache und monotone Gesang wird von einer Singwarte vorgetragen, beginnt leise und wird dann zunehmend lauter. Er enthält an- und absteigende Triller, die individuell und geographisch variieren können. Offenbar wird tageszeitlich verschieden auch ein drosselähnlicher, melodischerer Gesang vorgetragen.
Ähnlich wie Gartenrotschwanz oder auch der Fitis, wird ein „fjuit-fjuit“ bzw. "hit-hit" bei Erregung und als Kontaktruf benutzt. Weiterhin sind oft Zirplaute, wie „Tschrr“ oder „Krrr“ zu hören. In den hellen Sommernächten des Nordens wird auch nachts gesungen.


Nahrung

Der Blauschwanz verbringt die meiste Zeit des Tages versteckt im Halbdunkel der unteren Aste von Sträuchern und Bäumen, sowie auf feuchter Erde. Dort frisst er hauptsächlich wirbellose Tiere. Vor allem werden Insekten (Schmetterlinge, Käfer, Wanzen, Zikaden) und ihre Larven sowie Spinnen erbeutet. Aber auch während des Fluges und von Ansitzwarten aus, werden Insekten gefangen.
Aber auch Samen und Früchte werden das ganze Jahr über gefressen.


Brutbiologie

Blauschwänze führen wahrscheinlich eine monogame Ehe für eine Brutsaison, die Mitte bis Ende Mai beginnt und bis in den Juli andauert.
Während der Balz singt das Männchen intensiv von verschiedenen Singwarten, welche sich in der Nähe des späteren Neststandortes befinden und zeigt dabei seine orangefarbenen Flanken.
Ähnlich wie die Rotkehlchen baut das Blauschwanzweibchen sein Nest allein in einer kleinen Vertiefung am Erdboden, unter Sträuchern oder an Baumstümpfen im Halbschatten. Aber auch Halbhöhlen werden als Neststandort angenommen. Das Nest ist gut getarnt und von außen kaum zu sehen. Es besteht aus trockenen, biegsamen Gräsern, Blättern und vor allem viel Moos. Die Nestmulde wird mit Koniferennadeln oder Tierhaaren verkleidet. Die 1,5 g schweren, reinweißen, am stumpfen Pol leicht rötlich braun gefleckten Eier (Größe 18 x 14 mm) werden täglich gelegt, bis das aus 3(4) bis 6(8) Eiern bestehende Gelege vollständig ist. Dann beginnt das Weibchen mit der Brut, die 13 bis 14 Tage dauern kann. Während dieser Zeit wird es vom Männchen gefüttert und bewacht. Das Männchen ist dann sehr territorial und verjagt jeden Vogel im Nestbereich.
Nach dem Schlupf der Jungen hudert das Weibchen diese ca. eine Woche lang und füttert sie mit dem Futter, das vom Männchen herbeigeschafft wird. Danach füttern beide Eltern zusammen, hauptsächlich Schmetterlingsraupen. Die Nestlingsdauer der Jungen beträgt 12 bis 15 Tage.
Es gibt aber bisher wenig Angaben zu Zweitbruten im Brutgbeit. Wenn eine zweite Brut folgt, so füttert das Männchen die Jungen allein weiter, während das Weibchen schon wieder auf dem neuen Gelege brütet.
Die Geschlechtsreife erreichen die Jungen am Ende des ersten Lebensjahres.


Bestand

Genaue Angaben gibt es nicht. Aber ist der Bestand sehr starken Schwankungen unterworfen. Daher kann auch zur Westausbreitung noch keine klare Aussage getroffen werden.

© Dirk Schäffer (01/2011)