Birkhuhn (Tetrao tetrix LINNAEUS, 1758) - Vogel des Jahres 1980

engl.: Black Grouse

Das Birkhuhn (Tetrao tetrix) wird aufgrund seiner befiederten Füße zu den Raufußhühnern gezählt. Diese Fußbefiederung ermöglicht es dem Birkhuhn auch auf lockerem Schnee zu laufen.
Das Birkhuhn ist sehr selten geworden und zeigt nur noch in der Krummholzzone der Alpen und in Skandinavien stabile Vorkommen. In Deutschland bilden abgeschiedene Moore und Truppenübungsplätze sein letztes Rückzugsrefugium.


Systematische Einordnung

Ordnung: Hühnervögel (Galliformes)
Familie: Fasanenartige (Phasianidae)
Unterfamilie: Raufußhühner (Tetraoninae)
Gattung: Raufußhühner Tetrao LINNAEUS 1758


Vorkommen

Das Birkhuhn ist ursprünglich ein typischer Bewohner unserer Mittelgebirge sowie ungestörter Moor- bzw. Heidelandschaften mit Birken- und Fichtenbewuchs sowie einer vielgestaltigen Krautschicht. Heute ist dieser Hühnervogel ? außer in den Alpen - sehr selten geworden. In Ostdeutschland werden vor allem Windbruchflächen im Erzgebirge und im Thüringer Wald besiedelt. Weitere Vorkommen gibt es noch in der Lüneburger Heide, in der Rhön und im Hainich sowie auch in der Colbitz-Letzlinger Heide. Das Birkhuhn ist ein Standvogel und bleibt auch in strengen Wintern im Brutgebiet.


Merkmale

Das Birkhuhn ist haushuhngroß. Der schwarze Birkhahn wird bis 60 cm groß und 800 bis 1.500 g schwer. Auffällig sind seine weißen Unterschwanzfedern und seine in der Balzzeit knallrot geschwollenen Kopfrosetten, die er für die Schaubalz als optische Signale einsetzt. Die erdbraune Birkhenne wird dahingegen nur bis 50 cm groß und 700 bis 1.100 g schwer.
Das Birkhuhn kann ein Alter von 10 bis 15 Jahren erreichen.


Nahrung

Das Birkhuhn ernährt sich von zahlreichen Sämereien, Früchten und Beeren von Laub- und Nadelhölzern. Eine wichtige pflanzliche Nahrungsgrundlage bilden Knospen und junge Triebe. Ergänzend werden Insekten und Würmer aufgenommen. Zur Not werden in den Wintermonaten auch Nadeln von Fichten und Kiefern gefressen. Im Frühjahr gehören auch Birkenkätzchen und Wollgrasblüten zur Nahrung. Um die Sämereien im Magen zu zerkleinern, werden regelmäßig kleine Steine aufgepickt und verschluckt.


Brutbiologie

Die Paarung findet auf sogenannten Balzarenen statt, auf denen sich mehrere Hähne bereits Ende Februar versammeln und mit charakteristischen und sehr eigenwilligen Tönen, wie z.B. ?Glucksen? und ?Zischen? einerseits akustisch und durch die Zurschaustellung ihres Gefieders auch optisch präsentieren. Dabei kann es zwischen einzelnen Konkurrenten zu harten Kämpfen kommen. Die Hennen gesellen sich großenteils erst im April zum Balzplatz und lassen sich dann vom Hahn ihrer Wahl ?treten?.
Das Birkhuhn ist ein typischer Bodenbrüter. Im Mai legt sich die Birkhenne im Heide- bzw. Beerenkraut eine Nestmulde an, in die sie 6 bis 10 ockergelbe Eier mit roten oder schwarzbraunen Tupfen legt. Ausschließlich allein bebrütet die Henne 24 bis 28 Tage lang das Gelege. Die Küken sind sogenannte Nestflüchter, die nach dem Schlupf zusammen die Nestmulde verlassen und der Henne folgen. Trotzdem werden die Küken ca. 3 Wochen lang von der Henne gehudert, können aber bereits mit zwei Wochen fliegen. Während des Winters bleiben die Küken mit der Henne im Familienverband zusammen.
Vereinzelt kommt es zu Vermischungen mit Fasanen oder Auerhühnern. Die unfruchtbaren Mischlinge zwischen Auer- und Birkhuhn werden ?Rakelhuhn? genannt.


Bestand

In Deutschland gibt es keine einheitliche Birkhuhnpopulation mehr. Der Beginn des Bestandrückganges war die großflächige Trockenlegung der Moore, der den Lebensraum des Birkhuhnes drastisch verkleinerte. Mittlerweile werden zwar viele Moore geschützt und nicht mehr intensiv genutzt, aber die Bestände schrumpfen weiter. Ein Einflussfaktor ist möglicherweise die Bestandszunahme des Fuchses. Dieser besiedelt mittlerweile alle Lebensräume, die ihm unsere Kulturlandschaft bietet und dringt auch in die Moorgebiete vor. Aber nicht nur der Fuchs setzt den Birkhühnern zu. So werden ihre Gelege auch von Rabenkrähen und Wildschweinen geplündert. Der Habicht erbeutet zudem viele Jung- und Altvögel. Ein anderes Problem ist der sinkende Grundwasserstand in den Mooren und die zunehmende Verbuschung. Dies betrifft auch die Heidelandschaften, die ebenfalls einen wichtigen Lebensraum für das Birkhuhn darstellen. Auch hier müssen die Heidesträucher, z.B. durch Beweidung, kurzgehalten werden. Letztendlich bilden die Truppenübungsplätze, die gegen störende menschliche Einflüsse durch Sperrung geschützt sind, die letzten Rückzugsgebiete des Birkhuhnes. Die Bevorzugung dieser Standorte entsteht vor allem durch jene Flächen, die bei Schießübungen in Brand geraten und somit vegetationslos werden. Diese Areale werden als Balzflächen genutzt und die neu austreibende Vegetation liefert vor allem Nahrung für die Küken.