Alpendohle (Pyrrhocorax graculus Linné 1766)

Alpendohle (Pyrrhocorax graculus Linné 1766)


engl.: Alpin Chough

Die Alpendohle (Pyrrhocorax graculus) ist ein ausgeprägter Hochgebirgsvogel aus der Familie der Rabenvögel. Innerhalb ihres Gebirgslebensraumes findet man sie sehr oft in menschlicher Nähe (z. B. an Skihütten, Berggasthöfen, Seilbahn- und Gipfelstationen), da sie sich hier sehr bequem ihre Nahrung beschaffen kann. Zum Schlafen und Brüten kehrt sie jedoch zu ihrem hochgelegenen Nest in die Berge zurück.

Mit der verwandten schwarzgrauen Dohle (Coloeus monedula) kann sie aufgrund ihres schwarzen Gefieders nicht verwechselt werden, mit der im selben Lebensraum vorkommenden, aber viel selteneren Alpenkrähe (Pyrrhocorax pyrrhocorax) .

Systematische Einordnung


Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Familie: Rabenvögel (Corvidae) Gattung: Pyrrhocorax Tunstall

Vorkommen


In den Hochgebirgen Südwest- (Pyrenäen), Mittel- und Südeuropas (Abruzzen, Rhodopen und Dinarisches Gebirge) und auf Korsika, Kreta sowie in Nordafrika (Hoher Atlas) kommt die Alpendohle vor. In Asien werden Anatolien, der Libanon, Afghanistan, der SW-Iran und Teile des Himalaya besiedelt.

In Mitteleuropa stellen die Alpen den Verbreitungsschwerpunkt der Alpendohle dar. Sie brütet in Deutschland, Österreich, Italien, Frankreich, Slowenien und der Schweiz.

Biotop


Die Alpendohle ist ein Hochgebirgsvogel, der in den Alpen Jahresvogel ist. Sie brütet in Gebirgshöhen ab 1.400 bis 3.300 m üb. NN und kommt bis zur Schneegrenze vor. Einige Paare brüten bereits ab 570 m üb. NN. In Anpassung an ihren Lebensraum ist sie ein sehr guter Flieger, der mit bis zu 200 km/h an den Steilwänden entlang gleiten kann.

Außerhalb der Brutgebiete sind nur wenige Beobachtungen, meist älteren Datums, bekannt.

Merkmale


Die Alpendohle ist ein hähergroßer Vogel und mit 30 bis 35 (38) cm Körpergröße etwas größer als die mit ihr verwandte Dohle (Coloeus monedula). Sie hat ein schwarzes Gefieder, von dem sich ein gelber, schwach gebogener Schnabel, der kürzer als der Kopf ist, und orange- bzw. hellrote Beine gut abheben. Der Schwanz wirkt lang und leicht abgerundet. Flügel und Schwanz schimmern grünlich.

Die Jungvögel der Alpendohle haben grauschwarze Beine und einen hornfarbenen bis bräunlichen Schnabel.

Die etwas größere und seltenere Alpenkrähe (Pyrrhocorax pyrrhocorax), die sporadisch in den Alpen Mitteleuropas oberhalb der Baumgrenze an schroffen Felsen brütet, hat einen langen roten Schnabel und korallenrote Beine. Im Verbreitungsgebiet der Alpenkrähe kann es zu Bastarden zwischen den beiden Arten kommen.

Die Alpendohle kann ein Alter von mindestens 16 Jahren erreichen.

Stimme


Bei Erregung und besonders am Brutplatz sind scharfe und schrille Rufe, wie „psia“, „triii“, „sriii“ oder „zja“ bzw. „zjii“ zu hören. Der Gesang ist dagegen selten zu hören und erinnert eher an ein unbedeutendes Schwätzen bzw. lautes melodisches Krächzen mit einzelnen harten und metallisch klingenden Pfiffen, der vor allem bei der Gruppenbalz vorgetragen wird.

Nahrung


Die Alpendohle ist ein vielseitiger Allesfresser, die ihre Nahrung auf Weiden, Wiesen, Geröllhalden und an den Schwerpunkten der Alpentouristik findet. Es werden Aas, Abfälle, Würmer, Schnecken, Spinnen, Insekten (Käfer, Grillen, Heuschrecken, Ameisen und Raupen), Früchte, Knospen, Nüsse und Beeren gefressen. Die Nahrungssuche erfolgt im Verband, da mehrere Augenpaare zusammen eher Nahrungsquellen entdecken und einige Vögel immer das Umfeld gegen mögliche Gefahren absichern. So findet man die Alpendohle oft in großen Schwärmen an Berghütten, wo sich die Vögel ohne Scheu von Menschen füttern lassen. Vor allem im Winter wandern die Vögel zur Nahrungssuche in die Siedlungen der Täler, fliegen aber abends zu ihren Schlafplätzen im Gebirge zurück.

Brutbiologie


Die Alpendohle brütet oberhalb der Baumgrenze in unzugänglichen Felsen und Klippen. Es findet nur eine Jahresbrut statt.

Das Nest befindet sich tief in den Spalten der Felswände, in Tunneln, Grotten oder in größeren Naturhöhlen. Es werden aber auch Bruten in Gebäuden gefunden. Den Neststandort wählt vor allem das Alpendohlenweibchen aus und bleibt ihm offenbar lebenslang treu. Wenn kein vorhandenes Nest ausgebessert wird, erfolgt ein Neubau aus Reisig, Wurzeln und feinen Halmen sowie Federn zur Auspolsterung der Nestmulde.

Die Brutzeit dauert von Mitte April bis Mai, teilweise bis in den Juni. In dieser Zeit bebrütet das Weibchen allein die 4 bis 5 (6) weißlichen, braun bzw. oliv braun gefleckten Eier 17 bis 23 Tage lang und wird dabei vom Männchen gefüttert.

Nach 23 bis 31 Tagen Nestlingsdauer sind die Jungen flügge und die Familien halten bis in den Winter hinein zusammen. Einige Jungvögel wandern dann ab oder streifen herum.

Bestand


Die Alpendohle hat in Deutschland einen stabilen Bestand von ca. 1.000 Brutpaaren, wobei sie ihr Brutareal leicht ausdehnt und der Bestand zunimmt, da sie vom Tourismus „profitiert“.

© Dirk Schäffer (02/2011, aktualisiert 11/2011)