Alpenbraunelle (Prunella collaris SCOPOLI 1769)

Alpenbraunelle (Prunella collaris SCOPOLI 1769)


engl.: Alpine Accentor

Alpenbraunelle (Prunella collaris): Der Name deutet bereits daraufhin, dass dieser Singvogel vor allem in den Alpen vorkommt und ein typischer Hochgebirgsvogel ist.
Im Winter kann man die Alpenbraunelle gelegentlich auch an Futterhäusern in den tieferen Lagen des Gebirges beobachten. Nur sehr selten finden sich dann auch einige Vögel außerhalb der Alpen.
Braunellen sind unscheinbare Singvögel, von denen 13 Arten bekannt sind. Eine weitere und häufigere Braunellenart, die in ganz Deutschland brütet, ist die verbreitete und unscheinbar gefärbte Heckenbraunelle (Prunella modularis).

Systematische Einordnung


Ordnung: Sperlingsvögel (Passeriformes)
Unterordnung: Singvögel (Passeres)
Familie: Braunellen (Prunellidae)
Gattung: Prunella VIEILLOT

Vorkommen


Das Verbreitungsgebiet der Alpenbraunelle erstreckt sich über die Hochgebirge Süd- (z. B. Karpaten, Rhodopen, Apennin und Peloponnes) und Mitteleuropas (Alpen und Tatra), Korsikas und Kretas bis zum Atlasgebirge. In Asien werden Anatolien, Armenien und der Kaukasus besiedelt. Die weitere Verbreitung ist lückenhaft bis zu den Gebirgen des Pazifikraumes (einschließlich Japan und Taiwan).

Biotop


Die Alpenbraunelle ist ein echter Hochgebirgsvogel und ganzjährig selten unter 1.500 m üb. NN zu finden. Die höchsten Brutvorkommen finden sich in der Schweiz in 3.000 m Höhe üb. NN. Der bevorzugte Lebensraum ist alpines Felsgelände, das mit Polsterpflanzen bewachsen ist und kurzrasige Abschnitte aufweist. Teilweise werden auch Felsschutthalden unterhalb der Baum- und Waldgrenze besiedelt.

Wanderungen


Alpenbraunellen sind Teilzieher. Ein Teil der Alpenpopulation überwintert in Italien und Südfrankreich und zieht im Oktober bis November ab. Ein anderer Teil überwintert im Alpenvorland oder in tieferen Lagen. Ab März/April werden die Brutgebiete in den Hochlagen wieder besetzt.

Merkmale


Die Alpenbraunelle ist mit einer Größe von 18 cm etwas größer als die mit ihr verwandte Heckenbraunelle. Sie wirkt gedrungener, ist vor allem bunter und nicht so unscheinbar gefärbt wie die Heckenbraunelle. Sie hüpft schnell, wippt ständig mit dem Schwanz oder zuckt mit den Flügeln und wirkt so eher wie ein Pieper.
Der Oberkopf und der Nacken sind bräunlich aschgrau gefärbt und weisen eine feine Längsstrichelung auf. Auffällig ist die schwarz-weiß gesperberte Kehle. Der dunkelbraune Vorderrücken und die ebenso gefärbten Schultern weisen grau- bis rostbräunliche Federränder auf. Der Rücken und der Bürzel sind von graubrauner Farbe. Die Brustseiten und Flanken sind von leuchtend rot- bzw. kastanienbrauner Farbe. Dies ist das wichtigste Kennzeichen der Alpenbraunelle. Die spitzen Flügel sind braunschwarz und dunkelbraun strukturiert und weisen zwei schwache weiße Flügelbinden auf. Ihr dünner spitzer Schnabel kennzeichnet die Alpenbraunelle als typischen Insektenfresser.
Die Jungvögel sind brauner und matter gefärbt. Ihnen fehlt die charakteristische braune Flankenfärbung.

Stimme


Der helle Gesang ist melodisch trillernd und hört sich lerchenähnlich an. Er wird von einer hohen Warte (Felsgipfel, Baumspitzen), am Boden oder auch im Singflug vorgetragen.
Im Gegensatz zu vielen anderen Vögeln singt die Alpenbraunelle über das ganze Jahr und auch im Winter. Auch die Weibchen singen teilweise, aber weniger laut und auffallend.

Nahrung


Die Alpenbraunelle ernährt sich hauptsächlich von Insekten und deren Larven sowie von Spinnen und Schnecken. Besonders auf Schneefeldern oder an deren Rand sowie in der spärlichen Vegetationsdecke kann man die Alpenbraunelle bei der Insektenjagd beobachten.
Im Winter stellt sie ihre Ernährung auf feine Sämereien um. Bei geschlossener Schneedecke findet sich die Alpenbraunelle oft an Berghütten, Heustadeln und Aussichtspunkten an, um hier nach Nahrung zu suchen.

Brutbiologie


Schon frühzeitig im März werden die Brutreviere besetzt. Die Brutzeit kann allerdings bis in den Juni / Juli hinein dauern und es finden zwei Jahresbruten statt.
Die Nester der Alpenbraunelle werden ab Mai bodennah, in Spalten, Ritzen, auf Grasmatten, unter Steinen, Erd- und Grasschollen oder im Moos angelegt. Als Baumaterial dienen Moos, Halme Grasblätter und Haare, feine Halme sowie Federn für die Auspolsterung der Nestmulde. Die 3 bis 5 (6) Eier werden 15 bis 17 Tage lang vom Weibchen bebrütet.
Nach ca. 20 Tagen Nestlingszeit, in der beide Partner füttern, verlassen die Jungen das Nest, können aber bereits nach 10 Tagen zu Fuß flüchten.

Bestand


Die Alpenbraunelle weist in Deutschland einen Bestand von 700 Brutpaaren auf. In der Schweiz brüten 2.000 und in Österreich 7.000 Brutpaare. Der Bestand ist gleichbleibend.
Eine mögliche Gefahr stellt die Erschließung der Hochgebirgslagen für den Tourismus und die damit verbundenen Störungen dar.

© Dirk Schäffer (11/2011)